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«Aktuell profitieren Biofrüchte»

Das Erntejahr 2018 hat bei der Tobi Seeobst AG Bischofszell alle Rekorde gesprengt. Geschäftsleiter Benno Neff setzt auf Digitalisierung und feilt zusammen mit der SFS an der Nachhaltigkeitsstrategie.
Interview: Stefan Borkert
Handarbeit ist bei der Früchteverarbeitung trotz Digitalisierung noch immer unersetzbar. (Bild: Reto Martin)

Handarbeit ist bei der Früchteverarbeitung trotz Digitalisierung noch immer unersetzbar. (Bild: Reto Martin)

Warum hat die Tobi Seeobst AG letztes Jahr trotz den Turbulenzen schwarze Zahlen schreiben können?

Benno Neff: Das Jahr 2018 war tatsächlich keins wie jedes andere für die Tobi Seeobst AG. Einen Teil der frostbedingten Ausfälle bei Äpfel und Birnen konnten wir mit Importen kompensieren. Geholfen hat uns aber auch die zunehmende Nachfrage nach Biofrüchten, bei welchen wir uns in den vergangenen Jahren gut im Markt positionieren konnten. Zuletzt konnten wir auch von einer guten Ernte bei den Sommerfrüchten profitieren.

Der Brand im März im Lagerhaus war sicher einschneidend. Sind alle Aufbaumassnahmen inzwischen abgeschlossen?

Bis auf kleinere Arbeiten an der Umgebung ist der Wiederaufbau abgeschlossen.

Trotzdem haben Sie investiert. Andere hätten die Investitionen vielleicht zurückgestellt nach einem Brand mit 15 Millionen Franken Schaden. Warum?

Nach dem Frost im Frühjahr 2017 war die Apfelernte so klein, dass wir 2018 zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Äpfel im Sommer zu sortieren hatten. Diese Zeit wollten wir unbedingt nutzen, um unsere Apfelsortieranlage zu erneuern. Zudem war uns wichtig, dass unser Betrieb, trotz des Brandfalles, normal weiter funktioniert.

Benno Neff, CEO Tobi Seeobst AG Bild: Urs Bucher

Benno Neff, CEO Tobi Seeobst AG Bild: Urs Bucher

Digitalisierung ist auch bei der Tobi längst ein Thema. Die Anzahl Mitarbeiter ist aber gleich geblieben. Kosten Automation und Roboter unter dem Strich doch keine Arbeitsplätze?

Die letzten Jahre konnten wir unsere Umsätze stets steigern. Dies ist ein Grund, dass sich trotz Investitionen in Automation die Mitarbeiterzahl nicht reduziert hat. Durch die Digitalisierung und Automatisierung werden nicht immer Stellen abgebaut. Das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter ändert sich aber auf jeden Fall.

Landwirtschaft und digitale Welt verschmelzen also doch. Ist das erst der Anfang?

Die Früchteproduktion ist sehr arbeitsintensiv. Die Lohnkosten betragen oft über 50 Prozent der Gesamtkosten. Wollen wir trotz hohen Lohnkosten in der Schweiz auch künftig Früchte produzieren, werden wir nicht an weiteren Investitionen in Digitalisierung vorbeikommen.

Wetter und Ernte sind schlecht planbar und deshalb für ein Unternehmen wie die Tobi Risiken. Die beiden letzten Jahre sind eindrückliche Beispiele. Wie lässt sich das Risiko vermindern oder in den Griff bekommen?

Mit einem Teil des Wetterrisikos werden wir immer leben müssen. Glücklicherweise haben unsere Produzenten in den letzten Jahren jedoch sehr viel in den Witterungsschutz ihrer Kulturen investiert. Zudem sind wir bestrebt, bei witterungsbedingten Ernteverlusten unseren Kunden Alternativen mit Importprodukten anbieten zu können.

Nachhaltigkeit ist ein Schwerpunkt im Geschäftsbericht. Was tut Tobi für das Klima und die Umwelt?

Wir arbeiten bereits seit 2012 mit der Energie Agentur für Wirtschaft an der Reduktion unseres CO2-Verbrauches. Die letzten Jahre haben wir grosse Investitionen in die Effizienz unserer Kältetechnik getätigt. Ebenfalls haben wir im gesamten Betrieb in Bischofszell LED-Beleuchtung installiert. Zusammen mit der Firma SFS arbeiten wir an einer Nachhaltigkeitsstrategie über die gesamte Wertschöpfungskette. Wir haben dazu im vergangenen Jahr unsere Produzenten und unseren Betrieb nach den Safa- Richtlinien der UN bezüglich Nachhaltigkeit analysiert und definieren nun Ziele und Massnahmen, um uns bezüglich Nachhaltigkeit weiter zu verbessern.

Die neue Obstlagerhalle der Tobi Seeobst AG in Egnach, ist die modernste in Europa. Bild: Urs Bucher

Die neue Obstlagerhalle der Tobi Seeobst AG in Egnach, ist die modernste in Europa. Bild: Urs Bucher

Verpackungen sind ein Problem, besonders Plastik. Ihre Antwort darauf?

Zusammen mit unseren Kunden arbeiten wir seit längerer Zeit an der Reduktion von Plastik in den Verpackungen. So konnten wir zum Beispiel dank Optimierung der Beutelstärke über 20 Prozent Plastik einsparen. Gleichzeitig wird der bereits hohe Anteil an Früchten, welche ohne Verpackung am Verkaufspunkt angeboten werden, weiter ausgebaut. Alternativen zu Plastikverpackungen werden laufend geprüft. Dabei müssen der Produkteschutz, die Hygiene- und Deklarationsvorschriften gewährleistet bleiben. Leider haben vermeintliche Alternativverpackungen oft eine viel schlechtere Ökobilanz als die bestehende Verpackung aus Plastik.

Nicht nur Obst und Beeren wachsen, auch Unternehmen. Welche Strategie hat die Tobi? Weitere Akquisitionen? Neue Märkte? Mehr Bio?

Akquisitionen und Wachstum sind kein primäres Ziel für uns. Wir wollen auch künftig in unseren Kernmärkten nachhaltig und rentabel weiterentwickeln.

Können Sie eine grobe Einschätzung für die Ernte in diesem Jahr geben?

Die Ausgangslage nach dem milden Winter ist sicher hoffnungsvoll. Eine Prognose zu diesem frühen Zeitpunkt kann aber noch nicht gemacht werden.

Welche Früchte werden profitieren, welche verlieren?

Aktuell profitieren Biofrüchte und Beeren. Weniger «in» sind zurzeit Äpfel und Birnen.

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