AKTIENKURS ZUR ROSE: Vor dem Börsengang blüht Zur Rose richtig auf

Seit einem Jahr steigt der Wert der Frauenfelder Zur Rose Group AG kontinuierlich an. Früher als geplant geht das Unternehmen an die Schweizer Börse SIX.

Stefan Borkert
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Vom Hauptsitz aus in Frauenfeld will die Versandapotheke Zur Rose weitere Märkte erobern. (Bild: PD)

Vom Hauptsitz aus in Frauenfeld will die Versandapotheke Zur Rose weitere Märkte erobern. (Bild: PD)

Stefan Borkert

174 Seiten stark ist der Angebotsprospekt der Zur Rose Group AG. Gestern Morgen hat damit die Frauenfelder Versandapotheke ihre Schlussrunde zum Börsengang eingeläutet. Von Gang kann kaum die Rede sein. Denn eigentlich handelt es sich um einen Börsenspurt. Der Zieleinlauf ist nämlich schon am 6. Juli und damit erheblich früher als zunächst erwartet. Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli begründet das mit der momentan überaus günstigen Marktsituation.

«Europa ist eine grüne Wiese»

Zur Rose rechnet beim Börsengang mit einer Kapitalerhöhung von 200 bis 230 Mio. Franken. Man wolle die zufliessenden Mittel in erster Linie für die Beschleunigung der Wachstumsstrategie und die Stärkung sowie den Ausbau der Position als führende Versandapotheke Europas einsetzen, sagte Oberhänsli gestern vor Medien in Zürich. In Europa sieht er noch sehr grosses Wachstumspotenzial. Frankreich nennt er, Deutschland und auch die nordischen Länder. «Europa ist eine grüne Wiese», fährt Oberhänsli fort und ist entschlossen, diese Wiese für die Zur Rose Group auch zu erschliessen. Laut Communiqué werden insgesamt gut 1,8 Mio. Aktien ausgegeben. Diese setzen sich aus 1,67 Mio. neuen und rund 136000 bestehenden Aktien zusammen. Letztere hat die Gesellschaft von Mitgliedern des Verwaltungsrates und des Managements erworben. Oberhänsli begründet, dass so persönliche Steuerzahlungen kompensiert werden.

Der Chef der Zur Rose Group plant allein in Deutschland Investitionen in Höhe von 50 bis 60 Mio. Fr., um die Marktposition dort weiter auszubauen. In Deutschland ist die Zur-Rose-Tochter Doc Morris bereits Marktführer im Pharma-Versandhandel. 2012 hatte Zur Rose das niederländische Unternehmen gekauft. Diese Übernahme brachte die Zur Rose Group auch in Europa an die Spitze.

Derzeit laufen Verhandlungen für eine weitere grössere Akquisition, die bis im Herbst unter Dach und Fach sein soll. Ausserdem sind in Deutschland auch die Werbemassnahmen verstärkt worden, um noch mehr Wachstum zu generieren, erklärte Oberhänsli. Aktionäre von der Zur Rose Group AG dürfen zunächst nicht mit einer Dividende rechnen, denn das Kapital wird für die Umsetzung der Wachstumsstrategie eingesetzt. 60 bis 80 Mio. Fr. Sollen in die Eroberung der Märkte in weiteren europäischen Ländern gesteckt werden.

Schliesslich will Zur Rose auch in die Digitalisierung investieren und die Kooperationen mit Krankenkassen und Detailhändler verstärken. Anfang Juli eröffnet Zur Rose die erste Shop-in-Shop-Apotheke in einer Migros-Filiale in Bern. Für die Schweiz sähe Zur Rose in der Kooperation mit der Migros gute Möglichkeiten, um auch im Inland zu wachsen, so Oberhänsli. Im Online-Handel sieht er unterdessen ebenfalls grosse Chancen. Der Online-Marktanteil sei mit 2% nach wie vor verschwindend klein. Gebremst habe den Aufstieg des Online-Handels vor allem die Regulierung.

Ohne Preisbindung steigt der Online-Handel

So sei erst vor Kurzem in Deutschland die Preisbindung bei rezeptpflichtigen Medikamenten gefallen. Das zeigt bereits Wirkung. Seither wachsen dank der Preisnachlässe die Onlinevolumen rasant. Gemäss einer Studie soll sich der E-Commerce-Umsatz im deutschen Medikamentenmarkt bis 2021 auf 3,1 Mrd. Fr. gar verdoppeln.

In der Schweiz hofft Zur Rose mit den Kooperationen zu wachsen. Hier wird eine Strategie verfolgt, die auf Onlinehandel und stationärem Handel beruht. Der Angebotsbereich beschränkt sich dabei auf rezeptpflichtige Medikamente, weil das Bundesgericht mit einem Urteilsspruch 2015 die Hürden für den Online-Verkauf von nichtrezeptpflichtigen Medikamenten deutlich erhöht hat.