Aktien: Erstes Halbjahr wird gut

2010 kam es wegen der Schuldenkrise zu Verspannungen auf Europas Finanzmärkten. Die Anleger investierten darauf regional stark differenziert.

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2010 kam es wegen der Schuldenkrise zu Verspannungen auf Europas Finanzmärkten. Die Anleger investierten darauf regional stark differenziert. Aktien der peripheren Länder – beispielsweise Griechenland und Spanien – erlitten teils kräftige Kursverluste, während vor allem die deutschen und skandinavischen Börsen gesucht waren. Der Swiss Market Index (SMI) bewegte sich seitwärts und schloss mit einem kleinen Minus.

Ein positives Signal

Während es dem Gros der europäischen Standardwerte-Indizes bisher nicht mehr gelang, ihr Kurshoch vom April 2010 zu überwinden, zeigte der marktbreite Index Stoxx 600 zuletzt einen Ausbruch über diese Marke. Ein positives Signal. Das Marktumfeld insgesamt ist günstig – die Zutaten für einen Kursanstieg im 1. Halbjahr 2011 sind vorhanden. Wir gehen von einer weltweit verhaltenen Konjunkturerholung aus. Davon dürften besonders die Kernländer der Euro-Zone profitieren. In den Peripheriestaaten dagegen bremst der Konsolidierungsbedarf der Staatshaushalte.

Günstiges Liquiditätsumfeld

Unterstützend für die Aktienmärkte dürfte das günstige Liquiditätsumfeld wirken. Hinzu kommt, dass von übertriebenem Optimismus auf der Mikroseite nach wie vor nichts zu sehen ist. Obwohl die Konjunkturprognosen zuletzt mehrfach nach oben korrigiert wurden und die Resultate im 3. Quartal überzeugten, bleiben die Analysten bei der Einschätzung der künftigen Unternehmensgewinne vorsichtig. Zudem zeigen sich die europäischen Aktien attraktiv bewertet. Dies gilt sowohl in absoluter Betrachtung mit Blick auf die gängigen Bewertungskennzahlen als auch speziell im Vergleich zu den mageren Renditen auf der Rentenseite.

Starker Franken belastet

Die Trends des Jahres 2010 sollten sich fortsetzen. Wir gehen von einer überdurchschnittlichen Entwicklung von Papieren der zweiten Reihe aus. Unser Länderfavorit innerhalb Europas bleibt der deutsche Aktienmarkt. Grund hierfür ist neben der hohen Gewichtung zyklischer Unternehmen die starke Ausrichtung der heimischen Wirtschaft auf die Wachstumsmärkte. Auch der exportlastige Schweizer Aktienmarkt profitiert von der dynamischen Entwicklung der Schwellenländer – allerdings belastet der starke Franken. Als Ergebnis ist beim SMI im 1. Halbjahr ein Anlaufen der Marke von 6900 Punkten zu erwarten. Im 2. Halbjahr sollte man vorsichtiger werden und die Nachhaltigkeit der Konjunkturentwicklung hinterfragen.

Edelmetalle sind attraktiv

In den Branchen zeigen sich die erwarteten Gewinnsteigerungen auf einer breiteren Basis und weniger von Sondereffekten getragen. Den höchsten Anstieg gemessen an Konsensschätzungen bei europäischen Aktien zeigen dabei unter anderem die Sektoren Grundstoffe, Konsumgüter, Technologie und Industrie. Dies deckt sich mit unseren positiven Erwartungen für konjunkturabhängige Sektoren. Allerdings ist auch 2011 mit einer holprigen Wegstrecke zu rechnen. Eine gute Diversifikation ist zu empfehlen – inklusive Gold. Der positive Trend bei den Edelmetallen ist intakt und Rückschläge sind interessant für Zukäufe.

Manfred Hofer

Leiter Aktienanalyse

LGT Capital Management