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AKTIEN: «Die Gewinnversprechen werden nun eingelöst»

Früher waren Firmen zu optimistisch. Jetzt liefern sie handfeste Gewinne und beflügeln die Kurse. Julius-Bär-Chefstratege Christian Gattiker sieht noch weitere Treiber.
Thorsten Fischer
Nicht mehr nur Planspiele: Viele Unternehmen erreichen ihre eigenen Ziele dann auch im wirtschaftlichen Alltag. (Bild: iStock)

Nicht mehr nur Planspiele: Viele Unternehmen erreichen ihre eigenen Ziele dann auch im wirtschaftlichen Alltag. (Bild: iStock)

Interview: Thorsten Fischer

Christian Gattiker, vermehrt hört man Ratschläge, nicht mehr gross in den Aktienmarkt zu investieren, weil sich das Börsenhoch dem Ende zuneigt. Tut es das?

Nein, wir erwarten, dass das Beste noch kommt. Besonders was die Schweiz angeht, sind die ­Kurse immer noch nicht auf den Höchstständen, die 2007 erreicht wurden. Jetzt schon das Ende des Börsenzyklus auszu­rufen ist unserer Meinung nach verfrüht. So lösen die Unternehmen ihre Gewinnversprechen nun auch tatsächlich ein, während früher Gewinnprognosen vielfach nach unten revidiert wurden. In anderen Ländern wiederum mögen die Börsenkurse unter dem Allzeithoch dümpeln, was dann eine gewisse Höhenangst auslöst.

Inzwischen ist der digitale Wandel kein neues Phänomen mehr. Gibt es aber Branchen, die davon eher indirekt profitieren und die man nicht sofort im Fokus hat?

Für die Industrie entstehen allgemein mehr digitale Anwendungen, und die smarte Vernetzung kommt voran. In den USA stellt man bereits einen Investitionsboom fest, der auf den grösseren digitalen Möglichkeiten gründet. Neue Systeme verbessern die Abläufe in vielen einzelnen Unternehmen und machen sie effizienter. Das kann die klassischen Industriewerte beflügeln.

Wie sieht es konkret in der Schweiz mit dem konjunkturellen Wachstum aus?

Was die Industrie angeht, sind die Umfragen bei den Einkaufsmanagern der beste Vorlaufsindikator. Und diese sind nach dem Frankenschock jetzt auf einem zuversichtlich stimmenden Ni­veau. Insgesamt erwarten wir für nächstes Jahr ein Wirtschaftswachstum für die Schweiz zwischen 1,5 bis 2 Prozent. Das ist ein solider Wert, der sich auf absehbare Zeit allerdings auch nicht weiter verbessern wird. Doch die Dynamik bleibt gut, die Auftragsbücher werden sich füllen.

Was heisst das für die Aktienkurse hiesiger Unternehmen?

Die mittelgrossen Schweizer Werte erleben weiter einen Boom. Dass der Gesamtmarkt bisher eher gelitten hat, liegt nämlich vor allem an den Kursschwergewichten, die sich nicht gross bewegten. Doch bei Firmen in der Kategorie von Schindler, Lonza oder Georg Fischer geht es zügig voran. Somit ist es nicht einfach Euphorie oder Überhitzung, dass die Bewertungen an der Börse regelrecht explodiert sind. Es sind reale Gewinne aus dem Geschäft der Firmen, welche die Zuversicht der Anleger stärken.

Wie stark beschäftigen die Währungswirren die Schweizer Wirtschaft noch?

Der grösste Druck ist gewichen, weil sich die Eurozone und ihre Währung nun in geordneteren Bahnen entwickelt. Komplette Entwarnung für den Schweizer Franken gibt es trotzdem noch nicht. Doch die Wahrscheinlichkeit von Interventionen hat massiv abgenommen.

Weitet man den Blick auf die ganze Welt aus, welche Länder haben dann besonders grosses Potenzial?

Zum einen fällt Indien auf, das massive Reformen auf den Weg gebracht hat. Im gesamten asiatischen Raum haben sich zudem die Voraussetzungen verbessert. Weitere grosse Schritte vollzieht natürlich auch China. Das Billigexport-Modell früherer Jahre wird abgelöst durch Konzerne, die die europäischen Industrien massiv herausfordern werden – gerade bei traditionsreichen Produkten wie Autos, Zügen oder Flugzeugen.

Christian Gattiker ist Chef­stratege & Leiter Research bei der Bank Julius Bär. An einem Anlass der Bank in St. Gallen beleuchtete er aktuelle Finanzthemen und blickte auf 2018.

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