Aktien bleiben Favoriten

Ab Juni wird die Europäische Zentralbank (EZB) neben Staats- auch Unternehmensanleihen ankaufen. Gekauft werden dürfen Titel mit «Investment Grade»-Rating (AAA-BBB). Pro Anleihe darf die EZB bis zu 70% des Gesamtvolumens erwerben.

Karel E. Ehmann Leiter Portfolio Management Thurgauer Kantonalbank
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Ab Juni wird die Europäische Zentralbank (EZB) neben Staats- auch Unternehmensanleihen ankaufen. Gekauft werden dürfen Titel mit «Investment Grade»-Rating (AAA-BBB). Pro Anleihe darf die EZB bis zu 70% des Gesamtvolumens erwerben. Damit wird sie zu einem grossen Nachfrager in einem bereits jetzt engen Marktsegment.

So wirkte allein die Ankündigung schon kurstreibend. Für die Unternehmen vergünstigt der EZB-Markteingriff die Refinanzierungskonditionen. Folglich werden noch mehr Firmen den Kapitalmarkt als Refinanzierungsquelle nutzen. Auch wenn die Obligationenkurse deshalb schon gestiegen sind, dürfte die Nachfrage seitens der EZB die Kurse weiter in die Höhe treiben.

Erholung setzt sich fort

Mit diesen weiteren Markteingriffen der EZB und den damit verbundenen Verzerrungen an den Kapitalmärkten wird es für langfristig orientierte Wertpapiersparer noch schwieriger, eine risikoadäquate Rendite über Obligationen zu erzielen. Letztlich spielt es wieder den Realwerten wie Immobilien und Aktien in die Hände. So setzt sich nach dem historisch schlechten Start ins Börsenjahr 2016 die Aktienmarkterholung im zweiten Quartal fort. Aber die Kursausschläge nach oben wie nach unten sind weiterhin gross, je nachdem wie ökonomische Daten und Aussagen wichtiger Zentralbanker fast täglich die Erwartungshaltung zur zukünftigen Geldpolitik bei den Investoren verändern.

Schub durch Rohstoffe

Zu den Gewinnern zählen seit Jahresanfang die Titel aus dem Grundstoff- und Energiesektor. Diese profitieren von den deutlich angezogenen Rohstoffnotierungen, sei es für Rohöl, Metalle, Agrargüter oder besonders Gold. Die Verlierer sind unter den Pharma- und Bankwerten zu finden. Ganz besonders gilt dies für den Schweizer Markt, der aktuell zu den Schlusslichtern im internationalen Vergleich gehört. Dagegen haben sich die Schwellenländerindizes mehr als tapfer gehalten und verbuchen mehrheitlich sogar eine recht positive Wertentwicklung seit Jahresbeginn.

US-Berichtssaison im Fokus

Neben expansiver Geldpolitik und insgesamt etwas besseren Vorzeichen für die Weltwirtschaft beeinflussen die Unternehmensgewinne die Marktstimmung. In den USA haben nun 87% aller Unternehmen des S&P-500-Index Zahlen zum ersten Quartal rapportiert. 71% davon haben die Erwartungen übertroffen. Die meisten allerdings nur, weil zuvor die Analysten ihre Erwartungen deutlich gesenkt hatten.

Tieferer Stand erwartet

Insgesamt werden die Gewinne wohl um 7% tiefer ausfallen als vor einem Jahr. Bei einem höheren Indexstand hat sich damit die Bewertung der Aktien verteuert. Um die derzeitigen Kursniveaus zu rechtfertigen, müssen die US-Unternehmen ihre Produktivität steigern und den wieder schwächeren US-Dollar in höhere Gewinne ummünzen.

Wenn das eintrifft, dürften auch die gebeutelten Börsen Europas Unterstützung erhalten. Paradoxerweise sind dazu höhere Rohstoffpreise hilfreich. Deren positiver Effekt auf die Finanzmarktstabilität ist in den Augen der Investoren derzeit wichtiger als die kostentreibende Wirkung in den Industrieländern.