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Airline-Pleite kostet Reisebüros viel

Die Reisebüros sind wegen der Pleite der regionalen Fluggesellschaft Skywork verärgert. Sie erwägten sogar eine Klage, sehen nun aber doch davon ab.
Rainer Rickenbach
Der Check-In-Desk von Skywork auf dem Flughafen Bern-Belp. Bild: Anthony Anex/Keystone (30. August 2018)

Der Check-In-Desk von Skywork auf dem Flughafen Bern-Belp.
Bild: Anthony Anex/Keystone (30. August 2018)

Am Mittwochabend, 29. August, setzte zum letzten Mal ein Flugzeug der Berner Regionalfluggesellschaft Skywork zur Landung an. Danach gab das Management auf. Die Verhandlungen mit möglichen Investoren waren zuvor gescheitert, es blieb nach sieben Jahren in der Luft nur noch der Absturz in die Pleite.

Bei den Reisebüros und -veranstaltern ist die Wut über das Grounding gross. Vor allem die Kommunikation der gescheiterten Fluggesellschaft und des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) stehen in der Kritik. «Seit dem Montag zuvor wussten beide, dass Skywork den Betrieb am Mittwoch einstellen würde. Trotzdem wurden weiterhin Flugtickets verkauft», sagte Max E. Katz, Präsident des Schweizer Reise-Verbandes, am Donnerstag am Jahrespressetermin des Verbandes.

Heftige Kritik an Skywork und Bundesamt

Anders als die Reisebüros verfügen die Fluggesellschaften nicht über einen von ihnen finanzierten Versicherungsfonds, der bei solch düsteren Szenarien einspringt und die Kunden entschädigt. Die Privatkunden und Reisebüros bleiben bei Airline-Pleiten auf ihren Kosten für Tickets sitzen, die sie zu Flügen berechtigten, die nie stattfinden werden. Katz beziffert den Schaden, den alleine die Reisebüros in der Region Bern durch die Insolvenz von Skywork erlitten, auf mehr als eine halbe Million Franken.

«Wir haben eine Klage erwogen, die sich auch gegen das Bundesamt für Zivilluftfahrt richtet. Schliesslich hatte es zwei Tage vor dem Aus Bescheid gewusst und nichts unternommen. Doch weil es nur um die Ticketverkäufe von Montag bis Mittwoch mit einer Schadensumme von 25 000 bis 30 000 Franken ging, wäre der Aufwand für den Rechtsweg unverhältnismässig hoch. Wir verzichteten darum», so Verbandsgeschäftsführer Walter Kunz. Sein Verdacht: Hätte Skywork am letzten Betriebstag nicht noch die prestigefördernden Fussballer von YB an Bord gehabt, die zuvor das Champions-League-Qualifikationsspiel in Zagreb bestritten, wäre schon am Montag zuvor Schluss gewesen.

Beim Bundesamt für Zivilluftfahrt setzt man sich vehement gegen die Darstellung des Reise-Verbandes zur Wehr. «Die Behauptungen sind völlig falsch», sagt sein Sprecher Urs Holderegger. Er schildert den Ablauf so: Am Montagmorgen sei das Bundesamt von Skywork informiert worden, die Gespräche mit einem möglichen Hauptinvestor seien gescheitert. Es folgten weitere Gespräche mit Interessenten. Am Dienstagabend liess die Fluggesellschaft das Bundesamt mündlich wissen, für die Airline gebe es keinen Ausweg mehr. Am Mittwoch folgte schliesslich die offizielle schriftliche Information, Skywork stelle den Betrieb ein. Holderegger: «Selbst wenn es schon am Montag von der Insolvenz gewusst hätte, dürfte das Bundesamt nicht einzelne Kunden informieren. Die Informationspflicht greift nur, wenn wir einer Fluggesellschaft die Betriebsbewilligung entziehen.»

Nach zwei Wochen Funkstille steht der Skywork-CEO Red und Antwort

Reisebüros 2017 mit erstem Umsatzanstieg seit langem

Reisebüros fordern Kundengeldabsicherung

Bei einer kleinen Fluggesellschaft wie Skywork hielt sich der Schaden finanziell einigermassen in Grenzen. Doch als vor einem Jahr der deutschen Air Berlin das Geld ausging, liess die Zahlungsun­fähigkeit etwa 2 Millionen Geschädigte zurück. Vor allem in Deutschland und Österreich mussten sich die Reisebüros unentgeltlich mit der enormen Schadensbehebung beschäftigen. «In unserer Branche muss sich selbst das kleinste Reisebüro am Versicherungsfonds beteiligen. Die Fluggesellschaften hingegen brauchen keine Kundengeldabsicherung. Die Grossen sträuben sich dagegen, weil sie nicht bereit sind, die Risiken der kleinen Konkurrenten mitzutragen. Dass es aber auch grössere, etablierte Fluggesellschaften erwischen kann, hat zum Beispiel Swissair deutlich gemacht», sagte Kunz. Auch Versuche des europäischen Dachverbandes, über die Europäische Union die Fluggesellschaften zur Haftung für ihre verkauften Tickets zu zwingen, seien verpufft. Kunz: «Die Airlines haben eine starke Lobby in Brüssel.»

Dem Schweizer Reise-Verband schwebt für die Airlines das Modell mit einem Sperrkonto vor. Diese sollten beim Dachverband der Fluggesellschaften, der Iata, eingerichtet werden. Kunz: «Die bezahlten Ticketeinnahmen fliessen auf das Sperrkonto und werden erst dann an die Airline weitergeleitet, wenn das gebuchte Flugzeug von der Startpiste abhebt.» Damit würde auch die teilweise ruinöse Tiefpreisstrategie entfallen, die eine der Ursachen für das Ende von Air Berlin war. Verbandspräsident Katz: «Mit den Einnahmen aus Lockvogelangeboten für die nächsten Monate finanzierte diese Airline den aktuellen Flugbetrieb. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen.»

Mehr Umsatz und kleine Rendite

Nach der Talfahrt in den Vorjahren geht es bei den Schweizer Reisebüros wieder aufwärts: 2017 stieg der durchschnittliche Umsatz pro Reisebüro um 3,3 Prozent auf 2,84 Millionen Franken. Dies geht aus einer Umfrage des Verbandes und der Universität St. Gallen bei 335 Reisebüros hervor. «Der vergangene Geschäftsgang kann als knapp zufriedenstellend bezeichnet werden», sagte Verbandsgeschäftsführer Walter Kunz am Donnerstag an einer Medienorientierung. Die Umsatzzunahme trug indes nicht dazu bei, die Reingewinnmarge zu verbessern. Sie beziffert sich auf bescheidene 1,1 Prozent. Einem durchschnittlichen Reisebüro mit drei Mitarbeitern blieben von 2,84 Millionen Franken Umsatz am Schluss nur gut 31000 Franken Reingewinn, rechnete Kunz vor. Für die nahe Zukunft ist er optimistischer. Viele genossen heissen Sommer zu Hause Dieses Jahr ist nach Aussage von Verbandspräsident Max Katz fulminant gestartet. In den ersten Monaten seien die Buchungszuwächse sehr erfreulich gewesen. Zugenommen haben sie vor allem für Reisen nach Tunesien, Ägypten und in die Türkei, die in den Vorjahren wegen politischer Unruhen Einbrüche erlebt hatten. «Mitte Juni startete die Fussball-WM und damit die traditionelle Buchungsflaute während solchen Anlässen», sagte Katz. In Schwung kam das Sommergeschäft danach nicht mehr. «Zu schön und heiss war der Sommer zu Hause.» (sda/rr)

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