Airbus richtet sich in den USA ein

Airbus-Passagierflugzeuge werden künftig auch in den USA gebaut. Mit der Fabrik in Mobile im Bundesstaat Alabama will der europäische Flugzeugbauer seinen Marktanteil im grössten Markt der Welt erhöhen und seine Kosten senken.

John Dyer
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Vorstoss in die Heimat des US-Konkurrenten Boeing: Der europäische Airbus-Konzern bringt erste Baugruppen nach Mobile in Alabama. (Bild: pd)

Vorstoss in die Heimat des US-Konkurrenten Boeing: Der europäische Airbus-Konzern bringt erste Baugruppen nach Mobile in Alabama. (Bild: pd)

BOSTON. Airbus kommt in die USA. «Jeder Bürgermeister in Amerika würde seinen rechten Arm hergeben, um so eine Fabrik wie Airbus in seine Gemeinde zu bekommen», sagte Sandy Simpson, die Bürgermeisterin von Mobile im Bundesstaat Alabama, an einer Pressekonferenz.

Bürgermeisterin Simpson hat beide Arme noch. Und sie hat Airbus. Gestern wurde in Mobile die erste Produktionsanlage des europäischen Flugzeugbauers in den Vereinigten Staaten eingeweiht. Es ist eine direkte Herausforderung des Unternehmens aus dem französischen Toulouse an den amerikanischen Konkurrenten Boeing aus Seattle. Beide kämpfen um einen Markt mit einem Volumen von 80 Mrd. $. Airbus setzt darauf, dass die 600 Mio. $ teure Fabrik in Alabama dazu beitragen wird, mehr Flugzeuge auf dem Heimatmarkt Boeings zu verkaufen.

Echter Wachstumsmarkt

Beobachter sehen gute Chancen für den Herausforderer. «Sie sind jetzt dichter an einem der grössten Märkte der Welt», sagt Vizepräsident Kevin Michaels von ICF International, einer Beratungsfirma für die Luftfahrtindustrie – und näher an einem der rasch wachsenden Märkte. Die Zahl der Flugpassagiere wird in Nordamerika in den kommenden beiden Jahrzehnten zunehmen, erwartet man bei Airbus Americas.

«Es heisst, dass der nordamerikanische Passagierverkehr in den nächsten 20 Jahren um 40 Prozent wachsen wird, das ist wirklich ein Wachstumsmarkt», sagt Barry Eccleston, Präsident von Airbus Americas. Als Grund für die Wahl von Mobile als Standort nannte Eccleston den Tiefwasserhafen und preiswerte Löhne für eine gut ausgebildete Arbeitnehmerschaft. In Mobile waren mehrere Luftfahrtfirmen ansässig, bis in den letzten Jahren die Kürzungen beim US-Militär diese zur Schliessung gezwungen hatten.

Die Tragflächen und andere grosse Bauteile werden von Deutschland aus per Schiff nach Mobile verfrachtet. Aber mehr als 40% der in Mobile verbauten Teile werden in den USA selber gefertigt, was die Frachtkosten senkt.

Alabama gibt Anreize

Alabama hat auch grosszügige Anreize für die Standortwahl geboten. Darunter ist eine Steuererleichterung von 158 Mio. $, Infrastrukturhilfen und anderes. Als Gegenleistung müssen mindestens 600 Mitarbeiter in der Fabrik beschäftigt werden. Airbus-Manager haben schon jetzt 260 Personen eingestellt und zur Ausbildung nach Deutschland geschickt. In zwei Jahren soll das Werk mit seiner vollen Kapazität arbeiten. Das Geschäftsvolumen pro Jahr wird auf 145 Mio. $ vorausgeschätzt.

«Man muss das langfristig sehen», sagte Landrat Jerry Carl aus Mobile. Er habe gesehen, wie Airbus in Hamburg angefangen habe, und was daraus geworden sei. «Das ist enorm. Wir sind das nächste Hamburg», sagt der Beamte aus Mobile.

Airbus sieht auch den schwachen gewerkschaftlichen Organisationsgrad der Arbeiter in Alabama als Vorteil. Nur 11% der Arbeiter des Bundesstaats sind Gewerkschaftsmitglieder. Im Bundesstaat Washington, wo Boeing seinen Sitz hat, sind es 17%. Die Gewerkschaften vertreten 35 000 Boeing-Mitarbeiter. Airbus-Sprecher Clay McConnell sagte, das Unternehmen bevorzuge eine nicht gewerkschaftlich organisierte Belegschaft. Aber wer in eine Gewerkschaft wolle, habe natürlich das Recht dazu.

Modell um Modell

In Alabama will Airbus zunächst die Typen A 319, A 320 und A 321 mit nur einem Mittelgang bauen. Später sollen die neueren Modelle dazu kommen. Die Nachfrage nach diesen Typen mit einem Mittelgang sei «nicht gefährdet» sagte der Chef von Airbus Americas, Allan McArtor. Erste Kunden für die Maschinen aus Mobile werden JetBlue Airways und American Airlines sein.