Airbnb kämpft um seine Heimat San Francisco

SAN FRANCISCO. In San Francisco ist der Zimmer- und Wohnungsvermietdienst Airbnb entstanden und zum Milliardengeschäft geworden. Und eben dort sollen ihm jetzt die Flügel gestutzt werden.

John Dyer
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SAN FRANCISCO. In San Francisco ist der Zimmer- und Wohnungsvermietdienst Airbnb entstanden und zum Milliardengeschäft geworden. Und eben dort sollen ihm jetzt die Flügel gestutzt werden. So jedenfalls schlägt es die Proposition F vor, der Vorschlag F zur kräftigen Begrenzung des Airbnb-Angebots, über den die Bewohner der kalifornischen Stadt heute abstimmen.

Begrenzt auf 90 Nächte im Jahr ist die Vermietung schon jetzt. 90 Nächte, wenn der Vermieter woanders wohnt. Unbegrenzt vermieten kann er, wenn er selber dort lebt, während die Airbnb-Gäste anwesend sind. «Aber das kontrolliert doch niemand», sagt Joseph Tobener. Er ist Mitglied des Haus- und Wohnungsbesitzerverbandes von San Francisco und einer von 50 000, die mit ihrer Unterschrift die Abstimmung über Proposition F erzwungen haben. Demnach soll die Kurzzeit-Vermietung auf 75 Nächte im Jahr begrenzt werden.

Wohnungsknappheit steigt

Dem Verband geht es zu weit, dass viele Vermieter mit ihren meist kurzfristigen Angeboten einen schnellen Dollar machen, während die Wohnungsknappheit in San Francisco immer mehr zunimmt und die Mieten derart steigen lässt, dass sie kaum noch jemand zahlen kann. Vermietvermittler wie Airbnb verzeichnen derzeit rund 10 000 Angebote für Kurzzeitmieten in San Francisco. Das letztes Jahr zusammen mit der 90-Nächte-Regelung eingeführte Stadtbüro für Kurzzeitvermietung hat allerdings bisher lediglich 726 Registrierungen vorgenommen.

Airbnb hält dagegen

Hochbezahlte Angestellte von Apple, Facebook oder Google im nahen Silicon Valley haben San Francisco quasi erobert und die Mieten wie auch die Kaufpreise in die Höhe getrieben. Eine Wohnung in der Stadt kostet inzwischen durchschnittlich 3458 $ im Monat, 13% mehr als vor Jahresfrist, wie die Immobilienfirma Real Answers ermittelt hat. Der Kaufpreis einer Durchschnittswohnung beträgt 1,1 Mio. $, 60% mehr als vor fünf Jahren.

Airbnb lässt sich die Nein-Kampagne zu Proposition F etwa 8 Mio. $ kosten und hat mit Chris Lehane ein Schwergewicht für die politische Werbung angeheuert. Lehane, einst Berater des früheren US-Präsidenten Clinton, sagt: «Proposition F bringt nichts.» Umfragen scheinen zu bestätigen, dass die Kampagne gegen den Vorschlag wirkt: 55% der Einwohner San Franciscos waren Ende Oktober dagegen.