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Air Berlin im letzten Hangar

Sie war die Lieblings-Airline der Deutschen. Seit gestern ist Air Berlin Geschichte. Profiteur der Insolvenz ist die Lufthansa.
Christoph Reichmuth, Berlin

Christoph Reichmuth, Berlin

Flug AB 6210 landete auf dem Flughafen Berlin Tegel, Kapitän Roland Koch steuerte den Airbus A320 sicher von München in die Hauptstadt. Als die Maschine am Gate andockte, gab es warmen Applaus von den 178 Passagieren. Auch die Menschen auf der Besucherterrasse spendeten Beifall. Es war der letzte Flug einer Air- Berlin-Maschine – für immer.

Die Airline war einstmals die Lieblings-Fluggesellschaft der Deutschen und entwickelte sich in den 2000er-Jahren gemessen an der Passagierzahl zur zweitgrössten deutschen Fluggesellschaft hinter der Lufthansa. Die 1978 gegründete Airline entwickelte sich in den 1990er-Jahren zum Ferienflieger, der die Menschen zu Spottpreisen in die Urlaubsparadiese im Mittelmeer, vor allem nach Mallorca, flog. Die Airline war immer ein bisschen anders, frecher und origineller. Sogar die Currywurst hat es auf die Speisekarte geschafft. Das rote Schoko-Herz, das jeder Passagier beim Ausstieg geschenkt erhielt, wurde Kult. «Macht et jut!», endet die allerletzte Medienmitteilung der Air Berlin im Berliner Dialekt.

Ein Grossteil der Air Berlin wird von der Lufthansa übernommen, die ihre Billigsparte Eurowings stärken will. 80 bis 90 der ungefähr 140 Flieger der Air Berlin gehen in die Lufthansa-Gruppe, 3000 Mitarbeiter der insgesamt 8000 dürften bei Lufthansa zu allerdings deutlich schlechteren Konditionen unterkommen. Tausende Mitarbeiter des Bodenpersonals oder der Technik sind ab heute arbeitslos. Verhandlungen mit dem britischen Billigflieger Easyjet sind noch am Laufen, eine Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Mitarbeitern ist diese Woche gescheitert, nur ein Teil der Angestellten kann hoffen, durch eine Transfergesellschaft zumindest vorübergehend aufgefangen zu werden.

Zudem ist mit einigen Flugausfällen zu rechnen, weil die Lufthansa-Übernahme etlicher Air Berlin-Flieger von der europäischen Kartellbehörde noch nicht abgesegnet ist. Durch die Stärkung ihrer Billigsparte Eurowings steigt Lufthansa auf dem Markt der Billigflieger weiter auf, für Inlandflüge hat die Airline nun ein Quasi-Monopol.

Falsche Strategie führte zum Konkurs

Der Niedergang der Air Berlin ist zu weiten Teilen selbst verschuldet, sagt der Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg. «Die Gründe, wie man es nicht machen soll, lernt man in der Betriebswirtschaftslehre in der ersten Stunde.» Eine der Ursachen für den Niedergang sei, dass Air Berlin alleine aus Deutschland heraus als Billigflieger agierte, währenddessen die härtesten Konkurrenten Ryanair oder Easyjet ihre Angebote in andere Länder ausgedehnt hatten.

Zudem sei bei den Passagieren die Strategie nie ganz angekommen. Einerseits präsentierte sich die Airline als Kurz- und Mittelstreckenflieger für Städte- und Urlaubtrips, andererseits versuchte Air Berlin auch als Konkurrent der grossen Lufthansa auf den Langstreckenflügen mitzumischen. «Diese Strategie hat Air Berlin zermalmt», sagt Schellenberg. Auch die Kooperation mit der arabischen Staatsairline Etihad hätte Air Berlin kaum Nutzen gebracht. Etihad brauchte die Air Berlin als Zubringer zu den Drehkreuzen im arabischen Raum, um von dort europäische Kunden etwa nach Singapur weiterzufliegen. «An dem Langstreckenflug hat dann vor allem Etihad verdient», sagt Schellenberg.

Zudem sei die Hauptstadt-Airline für Geschäftskunden wenig attraktiv gewesen, da etwa Geschäftskunden von Zürich, der ertragsstärksten Destination in Europa, keine Nonstop-Flüge bei Air Berlin für ferne Destinationen erhalten konnten. «Air Berlin musste seine Passagiere stets mit Verbindungsflügen an die Drehkreuze, etwa in Düsseldorf, fliegen. Doch Geschäftskunden bevorzugen Nonstop-Flüge.»

Geharnischte Reaktionen löste die Meldung aus, dass Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann trotz der Insolvenz mit 4,5 Millionen Euro für sein wenige Monate währendes Engagement vergütet wird.

Schellenberg kann den Ärger nachvollziehen, zumal Winkelmann von der Lufthansa zu Air Berlin gewechselt ist. Notabene profitiert die Lufthansa nun durch die Insolvenz des Konkurrenten. Schellenberg vermutet, dass man bei der Lufthansa den Wechsel schon damals gerne gesehen hat, um bei später möglichen Geschäften einen Draht zum Ex-Konkurrenten zu haben.

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