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Agil

Böse Worte
Felix Frei

Wenn Sie in einer Präsentation nicht auf jeder Folie mindestens ein Mal «agil» verwenden, haben Sie die Digitalisierung verpasst. Natürlich beweist es Ihre Weltgewandtheit, wenn Sie «agile» – ätschail – sagen. Ihre Möglichkeiten sind unbegrenzt: Alles wird viel agiler sein, und Sie werden total agile Leadership praktizieren. Sie werden nur noch agile Leute einstellen. Und wer nicht über Agilität verfügt, soll sich bitteschön vom Acker machen – möglichst agil, übrigens. Machen Sie nicht den Fehler, von «beweglich» zu reden: Da würden Ihre Leute vorschnell meinen, verstanden zu haben, um was es Ihnen geht. Das wäre fatal – denn schliesslich ist die Sache ja nicht trivial.

Hüten Sie sich davor zu definieren, was Sie unter «agil» verstehen. Je schwammiger Sie den Begriff verwenden, desto deutlicher werden Sie sehen, was Ihre Leute draufhaben. Deren geistige Agilität erweist sich nicht zuletzt in der Lesart neuer theoretischer Konzepte. Wer hier grosse strategische Elastizität beweist, ist sicherlich besser geeignet für die Arbeitswelt der Zukunft als jene Hinterbänkler, die partout nicht zur Kenntnis nehmen wollen, was der Zeitgeist fordert.

Wichtig ist, dass Sie die Trumpfkarte der Agilität immer als Erster ziehen. Nur dann sticht sie. Das geht so: Wenn Ihnen morgens unter der Dusche eine Idee kommt, dann bringen Sie die baldmöglichst ein – in welchem Gremium und bei welcher Thematik auch immer. Jedes stirnrunzelnde «Ja, aber …» Ihrer Umgebung ist die entscheidende Gelegenheit, den Trumpf der Agilität zu spielen. «Wie sollen wir die in Zukunft zwingend erforderliche Agilität erreichen, wenn nicht einmal unsere eigenen Leute geistig flexibel genug und aufgeschlossen für neue Ideen sind?» Wenn Sie – rege und behände – als Erster den agilen Trumpf spielen, gehört der Punkt Ihnen.

Das wahrhaft Demokratische am Konzept der Agilität ist seine Nicht-Hierarchität: Dass Sie den Agilitätstrumpf nach unten spielen können, ist logisch. Genial ist aber, dass das auch nach oben geht. Zwar nimmt Ihnen Ihr Chef übel, wenn Sie zuerst sind. Aber er wird Ihnen Recht geben müssen, und dieser Punktegewinn vor Ihren Peers ist unbezahlbar. Dass es Ihren Chef wurmt, können Sie im Rahmen der üblichen Chefpflege wiedergutmachen. Loben Sie ihn für seine Weitsicht, und teilen Sie mit ihm Ihren Kummer über die vielen nicht-agilen Leute in der Firma.

Felix Frei

In «Böse Worte» spiesst der Zürcher Organisationspsychologe Felix Frei mit spitzer Feder zeitgeistige Begriffe aus der Managersprache auf.

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