Afrikas Freihandelszonen suchen Schulterschluss

Während Freihandel über den Atlantik und rund um den Pazifik stark umstritten ist, erfreut sich Freihandel in Afrika grosser Beliebtheit. Nun wollen sich drei regionale Freihandelszonen zusammenschliessen – ein erster Schritt zu einer kontinentweiten Freihandelszone.

Christian Mihatsch
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Die Verhandlungen laufen. (Bild: epa/Elmond Jiyane)

Die Verhandlungen laufen. (Bild: epa/Elmond Jiyane)

Während Freihandel über den Atlantik und rund um den Pazifik stark umstritten ist, erfreut sich Freihandel in Afrika grosser Beliebtheit. Nun wollen sich drei regionale Freihandelszonen zusammenschliessen – ein erster Schritt zu einer kontinentweiten Freihandelszone.

Wenig Handel untereinander

Afrikanische Länder handeln untereinander nur wenig. Nur 12% der afrikanischen Exporte gehen in ein anderes afrikanisches Land. Zum Vergleich: 70% der europäischen Exporte bleiben in Europa. Doch der Intra-Afrika-Handel soll nun zunehmen. Letzte Woche haben drei regionale Freihandelszonen bekanntgegeben, sich zusammenzuschliessen, um die Tripartite Freihandelszone (TFTA) zu begründen. Diese umfasst 26 Länder, über 640 Mio. Einwohner und eine Wirtschaftsleistung von annähernd 3000 Mrd. $.

Dank der Mitgliedschaft von Ägypten und Südafrika erstreckt sich das Abkommen von Kairo bis Kapstadt durch den ganzen Kontinent. «Ich glaube, Afrika wird die Welt überraschen», sagt Fatima Haram Acyl, die Handelskommissarin der Afrikanischen Union (AU). Und Weltbank-Chef Jim Yong Kim sagt, das Abkommen erlaube es Afrika, «riesige Fortschritte zu machen und den Kontinent voranzubringen».

Vorteil grösserer Märkte

Dabei gilt die TFTA lediglich als erster Schritt hin zu einer kontinentweiten Freihandelszone namens CFTA. Am jüngsten Gipfel der AU im südafrikanischen Johannesburg am vergangenen Wochenende haben die Regierungschefs der 54 Mitgliedländer beschlossen, diese Zone bis 2017 zu schaffen. Die an der TFTA beteiligten Länder hoffen, durch den grösseren Markt der Industrialisierung Vorschub zu leisten, wie Calestous Juma von der Harvard-Universität sagt: «Mit grösseren Märkten besteht die Möglichkeit, Produkte in grösserer Zahl herzustellen. Das ist kostengünstiger.»

Mehrere Stolpersteine

Ob das gelingt, ist aber unklar. Es gibt bereits seit Jahren in Afrika acht regionale Freihandelsabkommen, ohne dass der Binnenhandel stark zugenommen hätte. Die UNO-Handels- und Entwicklungskonferenz (Unctad) führt dies darauf zurück, dass die meisten afrikanischen Länder die gleichen Produkte exportieren: «Die Begrenztheit der afrikanischen Produktionsstrukturen und die Abhängigkeit von Rohstoffen erschweren es, den intraregionalen Handel in Afrika anzukurbeln.» Ein weiteres Problem ist der Mangel an Infrastruktur. Die Weltbank schätzt, dass die Länder Afrikas pro Jahr 100 Mrd. $ zu wenig in Infrastruktur investieren. Trotzdem wies Afrika in den letzten Jahren solide Wachstumsraten vor. 2014 ist die Wirtschaft des Kontinents um knapp 4% gewachsen, und dieses Jahr soll sich das Wachstum trotz des Verfalls vieler Rohstoffpreise sogar noch beschleunigen, schätzt die Afrikanische Entwicklungsbank.