Afrika setzt auf Innovation

Die Afrikanische Union will die Innovationskraft des Kontinents stärken. Neue Standards und ein Fonds sollen den Erfindern helfen. Private Initiativen etwa von Microsoft machen es vor.

Anne Gonschorek
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Wissenschafter an der Universität Kapstadt: Die Forschung soll zum Wirtschaftswachstum des ganzen Kontinents beitragen. (Bild: epa/Nic Bothma)

Wissenschafter an der Universität Kapstadt: Die Forschung soll zum Wirtschaftswachstum des ganzen Kontinents beitragen. (Bild: epa/Nic Bothma)

KAPSTADT. Unter den 20 Ländern mit den meisten Patenten kam im Jahr 2013 kein einziges aus Afrika vor. In diesem Jahr soll es laut dem Global Innovation Index jedoch einen Schritt in die richtige Richtung gegeben haben. Auch Afrika setzt nun gezielt auf Innovation.

Sichtweise verändern

«Es besteht zumindest in Afrika gemeinhin die Annahme, dass nur gebildete Menschen eine Idee schützen oder das System des geistigen Eigentums zu diesem Zweck nutzen können», erklärte John O. Kakonge, der kenianische UNO-Botschafter in Genf, das Problem. Dies sei der Grund dafür, dass in Afrika kaum die Früchte der Arbeit geerntet werden können.

«Um den rechtmässigen Platz in der Welt des geistigen Eigentums einnehmen zu können, müssen Afrikaner das Talent ihrer Erfinder und Urheber anerkennen und feiern,» mahnte Kakonge weiter.

Das fehlende afrikanische Bewusstsein für den Wert geistigen Eigentums und seinen Schutz stammt vornehmlich von dem noch immer weitestgehend schlechten Zugang zu selbst der grundlegendsten Bildung. Allerdings scheint sich die Situation dieses Jahr zum Besseren gewendet zu haben.

Mauritius, Südafrika und Senegal schafften es in die obere Hälfte der Innovationsranglisten aus dem Jahr 2015. Doch Afrika kann sich auf diesen positiven Statistiken nicht ausruhen.

Wichtig für den Aufschwung

Während natürliche Ressourcen noch immer 42% aller afrikanischen Staatseinkommen ausmachen, kümmern sich andere Nationen der Südhalbkugel besser darum, auch durch ihre Kreationen und Ideen Erträge einzufahren.

In der heutigen Marktlandschaft ist es wichtiger denn je, eigene Schöpfungen und selbst generiertes Wissen für sich zu sichern und effektiv zu nutzen. Geistiges Eigentum ist ein essenzieller Faktor für die Integration in die globale Wirtschaft.

Die Afrikanische Union hat sich dafür unter der Leitung der Südafrikanerin Nkosazana Dlamini-Zuma, die einst im Kampf gegen das Apartheidregime aktiv war, hinter das Konzept einer panafrikanischen regionalen Organisation für geistiges Eigentum gestellt.

Damit ist der Kontinent einen Schritt weiter, gemeinsame Standards für Afrika zu schaffen. Auch Mauritius' Präsidentin Ameenah Gurib-Fakim glaubt, geistiges Eigentum sei «wichtig für den Aufschwung des Kontinents» und ruft zu der Etablierung eines Fonds für afrikanische Erfinder auf. Dieser soll jungen Unternehmen helfen, sich konkurrenzfähig auf dem internationalen Markt zu etablieren.

Microsoft macht es vor

Dabei kommen diese Massnahmen keinen Moment zu früh. In den kommenden zehn Jahren werden etwa elf Millionen junge Afrikaner in den Arbeitsmarkt eintreten.

Angesichts dieser Zahlen müssen die Regierungen die Innovationen ihrer Wissenschafter und Forscher unterstützen und sicherstellen, dass sie gewinnbringend genutzt werden können. Microsoft gründete hierfür 2013 die 4Afrika-Initiative, die in Technologien junger Unternehmen investiert und so der wirtschaftlichen Entwicklung hilft. Ausserdem entstand so das Onlineportal 4Afrika IP Hub in Kenia, das jungen Erfindern dabei helfen soll, die verschiedenen Methoden, ihre Ideen zu schützen, besser zu verstehen.

Junge Erfinder vernetzen

Diese Art Plattformen vernetzen junge afrikanische Erfinder immer mehr. Netzwerke und Technologiezentren in ganz Afrika nutzen den Service, um den potenziellen Wert ihrer Innovationen besser einschätzen und vergleichen zu können. Die Wissenschafter und Forscher Afrikas brauchen diese Art von Unterstützung, um den Kontinent nach vorn zu bringen.

Afrikanische Länder müssen ihre Abhängigkeit von Bodenschätzen verringern und zu Wissensgesellschaften werden. Das Thema des geistigen Eigentums kann zukünftig also nur weiter an Bedeutung gewinnen. Langfristig braucht der Kontinent auch ein Rechtssystem, das die dazugehörigen Rahmenbedingungen schafft.

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