AFG komplettiert die Spitze

Operativ wird künftig William Christensen die Arbonia-Forster-Gruppe führen. Nach der abrupten Trennung von Daniel Frutig Anfang Jahr hatte man intensiv einen neuen Chef gesucht.

Thorsten Fischer
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Die AFG ist daran, ihren Konzernumbau abzuschliessen. (Bild: Reto Martin)

Die AFG ist daran, ihren Konzernumbau abzuschliessen. (Bild: Reto Martin)

ARBON. Der 41jährige William Christensen wird ab Spätherbst die Thurgauer Bauausrüsterin AFG Arbonia-Forster als Konzernchef leiten. Interimsmässig hatte AFG-Präsident Rudolf Graf diese Aufgabe vor einigen Monaten zusätzlich übernommen. Im Februar hatte sich die AFG vom bisherigen Chef Daniel Frutig getrennt, weil für die nächste Phase «ein neuer Typus Manager» gefragt sei. Der Schritt hatte damals viele Beobachter überrascht. Seither lief die Suche nach einem neuen Chef.

Christensen wechselt vom Sanitärtechnik- und Bauzulieferkonzern Geberit in Rapperswil-Jona zur AFG nach Arbon. «Mich reizt die Chance, in eine Firma einzusteigen, die in der selben Branche wie Geberit tätig ist», sagt Christensen auf Anfrage. Dass die AFG jüngst unruhige Zeiten durchmachte, ist ihm bewusst: Er sei aber überzeugt, dass Arbonia-Forster über eine gute Plattform verfüge, um international weiterwachsen zu können, betont er. «Ich sehe die Wachstumschancen, die Voraussetzungen stimmen.» Er freue sich, zusammen mit der AFG-Mannschaft die Herausforderung anpacken zu können.

Von Geberit zur AFG

Christensen tritt seine Stelle im November an. Dann werden sich – im Rahmen der üblichen Einarbeitungszeit – auch die weiteren Ziele konkretisieren, insbesondere jene fürs Geschäftsjahr 2015, blickt der künftige Chef voraus.

Christensen ist zurzeit noch Mitglied der Konzernleitung von Geberit. Dort ist er verantwortlich für den Vertrieb International der Gruppe. Der in den USA ausgebildete Schweizer verfügt über «einen umfassenden Leistungsausweis mit langjähriger Erfahrung in der Bauzulieferindustrie und ausgezeichnete Kenntnisse im internationalen Umfeld», wie die AFG gestern festhielt.

Die berufliche Laufbahn begann Christensen 1995 nach einem Studium am amerikanischen Rollins College als Projektmanager für Rieter Automotive Systems in der Schweiz. Anschliessend war er bei derselben Unternehmung für die Bereiche Finanzen und Vertrieb in der Schweiz und in Nordamerika tätig. Phasenweise arbeitete er danach bei J. P. Morgan Securities in New York im Bereich Fusionen und Übernahmen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz startete er seine Karriere 2004 in der Geberit-Gruppe. Als Mitglied der Konzernleitung des weltweit tätigen Sanitärtechnik-Unternehmens ist er für die Regionen Afrika, Amerika, Asien-Pazifik, Indien und Mittlerer Osten verantwortlich. Auch die Entwicklung regionaler Wachstumsstrategien gehören zu seinen Aufgaben.

Zurück zum Wachstum

Damit passt er offensichtlich genau ins Schema, dass sich die AFG für ihren neuen Konzernchef vorgegeben hatte. Gesucht war nach der durch Frutig geleiteten Restrukturierung ein «Manager für Wachstum». Zudem sollte er Branchenkenntnisse mitbringen. Christensen verfüge über alle Fähigkeiten, um die AFG auf den Wachstumspfad zurückzuführen, hielt Graf fest. Der Verwaltungsrat setze auf einen «international erfahrenen, mit den schweizerischen Gegebenheiten aber bestens vertrauten Konzernchef, der die Herausforderungen für die Bauzulieferindustrie aus eigener Erfahrung kennt», betonte Graf in der Mitteilung.

Gedrücktes Halbjahr

Bei Analysten stiess die Wahl Christensens auf ein positives Echo, wie die Agentur SDA berichtete. Allerdings stehe der neue Chef nun vor zahlreichen Herausforderungen, lautet der Tenor unter den Marktbeobachtern. Tatsächlich hatte die AFG jüngst ein unbefriedigendes Halbjahresergebnis zu verzeichnen, wie sie selber vor einer Woche meldete. Als Folge einer gedrückten Umsatzentwicklung und der in allen Divisionen stark unter Druck stehenden Margen schloss das erste Semester mit einem Nettoverlust von 2,6 Mio. Franken. Es habe sich gezeigt, dass der Umstellungsprozess des Konzerns zum Kompetenzzentrum für Hülle und Raum mehr Zeit benötige als angenommen.

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