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AFFÄRE VINCENZ: Vincenz' Nachfolger als Aduno-Verwaltungsratspräsident: "Wir sahen nur eine Seite der Medaille"

Zum ersten Mal äussert sich der Präsident des Verwaltungsrats der Aduno Holding AG, Pascal Niquille, zu den Vorwürfen, der Verwaltungsrat sei im Fall Pierin Vincenz zu spät tätig geworden. Man habe sich auf das Urteil der Gutachter verlassen müssen.
Christopher Gilb
Pascal Niquille ist Präsident des Verwaltungsrats der Aduno Holding AG und Chef der Zuger Kantonalbank. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 16. Januar 2017))

Pascal Niquille ist Präsident des Verwaltungsrats der Aduno Holding AG und Chef der Zuger Kantonalbank. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 16. Januar 2017))

Christopher Gilb

Erst als von aussen Druck kam, handelten Manager der Kreditkartenfirma Aduno, hiess es in der letzten Ausgabe der «Sonntags-Zeitung». Präsidiert wird der Verwaltungsrat der Aduno Holding AG (siehe unten) seit Juni 2017 von Pascal Niquille, dem Chef der Zuger Kantonalbank. Im Auftrag Niquilles erstattete eine Zürcher Kanzlei letzten Dezember Anzeige gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz und brachte die Ermittlungen gegen diesen ins Rollen. Nun wirft die «Sonntags-Zeitung» die Frage auf, ob Niquille, der von 2015 bis 2017 Vizepräsident des Aduno-Verwaltungsrats unter Vincenz war, nicht schon hätte früher reagieren können. Denn seit Herbst 2016 seien ihm die wesentlichen Fakten bekannt gewesen.

Damals hatte der Finanzblog «Inside Paradeplatz» darüber berichtet, dass der damalige Verwaltungsratspräsident Vincenz und der damalige Aduno-Chef Beat Stocker am Zuger Vehikel i-Finance ­beteiligt waren, über das sie sich eine ­Aktienmehrheit an der Commtrain Card Solutions AG, die Zahlterminals für Kreditkarten betreibt, sicherten. Jene Firma, die 2007 von Aduno übernommen wurde, was Vincenz anscheinend einen Millionengewinn ermöglichte. «Der Verwaltungsrat führte mit Herrn Vincenz an der folgenden Verwaltungsratssitzung ein intensives Gespräch», erinnert sich Niquille heute. Vincenz habe aber versichert, dass es keine Fehler gegeben habe, was Raiffeisen bereits mit drei Gutachten zum Kauf der Commtrain bestätigt habe. «Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Verwaltungsrat von Aduno keinerlei Kenntnis von diesen Gutachten», sagt Niquille. Er habe dann unter Aufsicht Raiffeisens Einblick in diese erhalten. Erstellt wurden die Gutachten 2009 aufgrund von Recherchen der «Sonntags-Zeitung» im Auftrag des damaligen Raiffeisen-Präsidenten Franz Marty. Entscheidend ist vor allem das Gutachten des renommierten Wirtschaftsrechtlers Peter Forstmoser.

Eine summarische Prüfung vorgenommen

Forstmoser sollte Vincenz’ Verhalten aktienrechtlich beurteilen. Aus dieser Sicht war auch dessen Beteiligung an Commtrain relevant. «Mein Auftrag war eine summarische Prüfung, bei der man sich auf die Prüfungsergebnisse der ­Experten abstützt. Alle drei Experten beurteilten die Akquisition als uneingeschränkt rechtmässig», sagt Niquille. Die Unterlagen, auf denen das Gutachten basiere, kenne man aber natürlich nicht und wisse somit auch nicht, ob dieses vollständig sei. «Heute wissen wir: Wir sahen damals nur die eine Seite der ­Medaille», sagt Niquille. Denn das Gutachten beschäftigt sich zwar mit der Rolle von Vincenz, aber nicht mit der Dynamik Vincenz/Stocker. Im Fazit des Gutachtens, das unserer Zeitung vorliegt, kommt Forstmoser zum Schluss, dass Vincenz zwar seine indirekte Investitionen in Commtrain hätte offenlegen sollen, und bei der Entscheidungsfindung für den Verkauf hätte er in den Ausstand treten sollen. Aber die Interessen von Aduno durch die indirekte Investition von Vincenz in Commtrain seien in «keiner Weise beeinträchtigt» worden.

Laut «Sonntags-Zeitung» steht im Gutachten aber auch, dass Vincenz durch Verkauf und Übernahme einen erheblichen Gewinn in vergleichsweise kurzer Zeit gemacht habe. Im Fazit ist dies nicht erwähnt. In der Folge entschied der Verwaltungsrat der Aduno, keine weiteren Abklärungen zu machen und das Thema als erledigt zu behandeln. «Restlos überzeugt waren wir nicht», sagt Niquille.

Im Herbst 2017 begann dann die Finanzmarktaufsicht gegen Vincenz wegen Interessenkonflikten in seiner Zeit als Raiffeisen-Chef zu ermitteln. «Das war für uns ein klarer Warnschuss», sagt Niquille. «Wir wollten von externer Stelle geklärt wissen, ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorlag oder nicht, dementsprechend beauftragten wir eine auf Strafrecht spezialisierte Kanzlei.» Die dann basierend auf dem Ergebnis der Untersuchung im Auftrag der Aduno auch Strafanzeige einreichte. Heute zeigt sich Niquille enttäuscht von Vincenz.

Aduno gehört zu über 50 Prozent den KantonalbankenTITEL

Zu 100 Prozent ist die Aduno-Gruppe in Besitz der Schweizer Banken. Kantonalbanken halten insgesamt gut 50 Prozent der Anteile, gefolgt von Raiffeisen Schweiz mit einem Viertel des Aktienkapitals. Entstanden ist die Aduno-Gruppe durch die Zusammenführung der eigenständigen Gesellschaften Viseca Card Services SA und Aduno SA.

Unter den Aktionären bestand Einigkeit, dass nach einem Vertreter Raiffeisens, bekanntlich Pierin Vincenz, ein Vertreter der Kantonalbanken das Präsidium des Verwaltungsrats der Gruppe übernehmen sollte. Der Verband der Kantonalbanken wählte schliesslich dafür den Zuger Pascal Niquille.

Diese Aufgabe betrachte er als Ehre, sagt Pascal Niquille. Die Zuger Kantonalbank selbst ist mit weniger als 3 Prozent des Aktienkapitals eine Kleinaktionärin der Aduno Holding.

Nach eigenen Angaben hat die Gruppe über eine Million Karteninhaber als Kunden. Die Banken wickeln über Aduno ihr Kreditkartengeschäft ab. (cg)

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