Aeroflot wird wieder Monopolist in Russland

MOSKAU. Vergangene Woche hat Transaero ihren letzten Flug absolviert. Die dem Transportministerium unterstehende Aufsichtsbehörde Rosaviazia hat der grössten privaten russischen Fluggesellschaft per 26. Oktober die Lizenz für kommerzielle Flüge entzogen.

Axel Eichholz
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MOSKAU. Vergangene Woche hat Transaero ihren letzten Flug absolviert. Die dem Transportministerium unterstehende Aufsichtsbehörde Rosaviazia hat der grössten privaten russischen Fluggesellschaft per 26. Oktober die Lizenz für kommerzielle Flüge entzogen. Die im Dezember 1990 gegründete Transaero war als einzige Airline gross genug, um das faktische Monopol des staatlichen ex-sowjetischen Riesen Aeroflot auf Auslandsflügen zu brechen. Nun sollen 56 von insgesamt 156 internationalen Transaero-Linien wieder an Aeroflot übergeben werden.

Laut dem Chefredakteur der Branchenzeitschrift «Aviatransport-Revue», Alexej Sinizki, handelt es sich um alle Linien von Moskau nach London, Paris, Berlin, Wien, Rom, Mailand, Venedig, Tel Aviv, Istanbul und andere Destinationen. Noch verbleibende russische private Fluggesellschaften können künftig nur reguläre Flüge nach München, Tivat, Split und Larnaka ausführen.

Tickets zu Dumpingpreisen

Zum ersten Mal hatten sich Probleme bei Transaero bereits 2014 eingestellt. Vergangenen September traten sie offen zu Tage. Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew warf den Besitzern vor, zu viele Flugzeuge angeschafft zu haben. Selbst falls das stimmt, ist das kaum die ganze Erklärung. Transaero warf auch grosse Mengen an Flugtickets für das kommende halbe Jahr zu Dumpingpreisen auf den Markt. Obwohl Reisebüros ahnen mussten, wo es langgeht, griffen sie zu – nach dem Motto «Vater Staat wird dem einfachen Bürger schon unter die Arme greifen». Für Tausende russische Ferienreisende wurde es eine Zitterpartie. Anfang Monat setzten Fluggäste einen Reisebürovertreter im zypriotischen Larnaka fest. Moskau horchte auf und bezahlte aus eigenen Mitteln den Sprit für den Rückflug.

Fluggesellschaft für einen Rubel

Aeroflot sagte anfangs zu, Transaero zum symbolischen Preis von einem Rubel samt Schulden von 260 Mrd. Rubel (3,8 Mrd. Fr.) zu übernehmen. Diese Schulden schreckten die staatliche Aeroflot dann aber doch ab, und sie machte einen Rückzieher. Danach teilte die Internetzeitung RBC.ru jüngst mit, einer der Teilhaber der sibirischen Fluggesellschaft S7, Wladislaw Filew, habe das Transaero-Kontrollpaket von 51% der Aktien von Vorbesitzer Alexander Pleschakow übernommen. Wie sich das mit dem Entzug der Betriebslizenz vereinbaren lässt, ist unklar. Auch die Gläubigerbanken von Transaero denken offensichtlich an eine neue Fluggesellschaft auf der Basis von Transaero und S7. Dazu benötigen sie allerdings eine Zusage der russischen Antimonopolbehörde.