Ängste drücken die Börsen ins Minus

Die kritische Lage in Japans Atomkraftwerken lässt die Börsen weltweit einbrechen. Der japanische Nikkei-Index verzeichnet den drittgrössten Verlust in seiner Geschichte.

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Singapur. Der Nikkei stürzte gestern um fast 11% ab. Zeitweise verlor der Index fast 15%, nachdem bekannt wurde, dass es im Atomkraftwerk Fukushima erneut zu Explosionen gekommen war. Die Verluste setzten sich im Laufe des Tages in Europa und Amerika fort. «Worauf die Welt nun schaut, ist, ob aus Fukushima ein neues Tschernobyl wird», sagt Norihiro Fujito vom Brokerhaus Mitsubishi UFJ Stanley Securities. Weil unter diesen Bedingungen niemand kaufen wolle, drückten Spekulanten die Preise in den Keller.

Solar- und Windenergie im Plus

Die Papiere der Versorger zählen neben den Kraftwerkbauern zu den Hauptverlierern. Tokyo Electric Power, der Betreiber der Anlage in Fukushima, büsste gegen 25% ein. Im Zentrum steht die Frage, ob die Gesellschaft die Kosten einer Verstrahlung grösserer Landstriche überstehen würde.

Die Ängste drückten den Hang-Seng-Index in Hongkong (–3%), die Börse in Shanghai (–1,4%) sowie die australische Börse (–2%) ins Minus. Der Deutsche Aktienindex DAX sackte zeitweise um 5% ab. Die Versorger Eon und RWE gerieten unter Druck, nachdem die Bundesregierung ihren Atomenergie-Kurs revidiert hatte. Zu den Gewinnern zählten dagegen Solar- und Windenergie-Aktien.

Vergleiche mit Kobe 1995

Wie schon nach dem Beben von 1995 in Kobe steigt der Yen, weil einheimische Investoren ihr im Ausland angelegtes Geld nach Hause holen. «Es besteht die Gefahr einer Rezession», sagt Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics. Experten weisen auf die Entwicklungen nach dem Beben in Kobe hin: Damals schrumpfte Japans Wirtschaft um fast 3%, wuchs danach aber wieder mit über 3%. Der Wiederaufbau dürfte auch dieses Mal die Wirtschaft ankurbeln. Davon dürfte auch der Nikkei-Index profitieren. (G. A.)