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Älteste Schoggi der Schweiz putzt sich heraus

Zum 200-Jahr-Jubiläum frischt Nestlé die Marke auf. Aus einem früheren Debakel hat man gelernt.
Ernst Meier
Cailler will den Absatz steigern. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Cailler will den Absatz steigern. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

1819 hat François-Louis Cailler in Corsier bei Vevey seine Schokoladenmanufaktur eröffnet. Cailler, die heute Nestlé gehört, ist die älteste Schoggimarke der Schweiz. Dem Pionier folgten zahlreiche weitere Schoggifirmen. Unter anderem 1826 Suchard (Milka) in Neuenburg, 1826 Favarger in Genf, 1845 Sprüngli (heute Lindt & Sprüngli) in Zürich oder 1852 Maestrani in St. Gallen (heute in Flawil). Hinsichtlich des 200-Jahr-Jubiläums von Cailler erhält die Milchschokolade nun eine Verjüngungskur: Rezept, Rohstoffe und Verpackung werden angepasst. Zwei Jahre habe man sich damit befasst, sagt Alessandro Rigoni, bei Nestlé für die Schokolade verantwortlich: «Die Neulancierung einer so alten Marke wie Cailler ist immer ein Risiko.» Um dieses zu minimieren, habe Nestlé die Wünsche der Konsumenten genau abgeklärt.

Dabei spricht man aus eigener schmerzhafter Erfahrung. Im Februar 2006 hatte Nestlé Cailler in neuer Verpackung in den Verkauf gebracht. Statt Papier und Alu umgab die Schoggi neu Kunststoff. Mit dem Design der Verpackung war Stararchitekt Jean Nouvel beauftragt. Verantwortlich für die Neulancierung war Nelly Wenger, damals Chefin Nestlé Schweiz. Die frühere Direktorin der Expo.02 erhöhte zeitgleich den Verkaufspreis, was den Grossverteilern missfiel. Denner nahm die Cailler-Tafeln sogar aus dem Sortiment.

Vollends zum Debakel geriet die Neulancierung, weil Konsumenten- und Umweltorganisationen wegen des nicht rezyklierbaren PET Sturm liefen. Der Absatz sank innert Kürze massiv, worauf der damalige Nestlé-Chef Peter Brabeck die Reissleine zog und Cailler zur traditionellen Verpackung zurückkehrte.

Partnerschaft mit Amazon

Für die gestern im Maison Cailler in Broc FR vorgestellte Neulancierung der Milchschoggi habe man unzählige Publikumstests durchgeführt, sagte Rigoni. Mit dem Resultat, dass sie weniger Zucker enthält. «Wir haben ein Schokoladenrezept entwickelt, bei dem der Geschmack der Milch und des Kakaos stärker zum Tragen kommt.» Verbessert wurde auch die Nachhaltigkeit des Produkts. So muss künftig die Milch nach IP-Richtlinien produziert werden. Beim Kakao setzt Cailler auf das Label UTZ. Die Schoggi enthält kein Palmöl.

Die Anpassungen sollen auch helfen, den Absatz wieder anzukurbeln. Nestlé gibt zwar keine Absatzzahlen zu Cailler bekannt, räumt aber ein, dass die Schoggi unter dem starken Franken leide. Dieser hat für die Marke gleich zwei negative Effekte. So hat der Frankenschock den Einkaufstourismus angekurbelt, gleichzeitig verlor die Schweiz für Touristen an Attraktivität. Darum setzt Cailler verstärkt auf das Internet, um, so Nestlés Hoffnung, auch in neue Märkte wie China oder arabische Staaten vorstossen zu können. Dafür ist Cailler mit dem Onlinehändler Amazon eine Partnerschaft eingegangen.

Ernst Meier

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