Ältere Gäste suchen Genuss

Als Direktor von Schweiz Tourismus vermarktet Jürg Schmid unser Land als Ferienziel. Anfang Woche sprach er anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums von St. Gallen-Bodensee-Tourismus an der HSG und gestern am Thurgauer Tourismusforum.

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SG - Thema Businesslunch Besteck Gabel Serviette gedeckter Tisch bei Nett Restaurant Schützengarten (Bild: Ralph Ribi)

SG - Thema Businesslunch Besteck Gabel Serviette gedeckter Tisch bei Nett Restaurant Schützengarten (Bild: Ralph Ribi)

Als Direktor von Schweiz Tourismus vermarktet Jürg Schmid unser Land als Ferienziel. Anfang Woche sprach er anlässlich des 125-Jahr-Jubiläums von St. Gallen-Bodensee-Tourismus an der HSG und gestern am Thurgauer Tourismusforum.

Sie sagen, der Schweizer Tourismus kann nicht günstiger sein, er muss besser sein als das Ausland. Wie passt das zu Klagen über mangelnde Freundlichkeit und Defiziten im Hotelangebot?

Grundsätzlich bieten wir insgesamt ein gutes Produkt mit guten Leistungen. Ich wehre mich auch gegen die Pauschalisierung, die Schweizer seien unfreundlich. Klar gibt es schwarze Schafe, aber die wird der Markt bereinigen. Der Unternehmer muss Gastgeber sein; wer das nicht begreift, ist fehl am Platz. Bei Dreisternhotels im alpinen und ländlichen Raum steht ein Strukturwandel bevor. Es braucht Investitionen, neue Angebote, Zusammenschlüsse usw.

Immer mehr Asiaten bereisen unser Land. Wie müssen sich die Gastgeber auf diese Gäste einstellen?

Man muss sich interkulturelle Kompetenz aneignen, um zu wissen, wie man mit solchen Gästen umgehen soll. Der Asiate besucht die Schweiz, weil sie die Schweiz ist. Er sucht hier kein Little China, sondern Authentizität.

Auf der anderen Seite kommen weniger Gäste aus Westeuropa. Einzig wachsendes Kundensegment dort seien Ältere. Wie kann man diese noch besser betreuen?

Ältere Menschen suchen nicht ihre körperliche Grenze, sondern Genuss. Wichtig sind ihnen Bewegung, Naturerlebnis, Gastronomie, Gemütlichkeit, Behaglichkeit. Lokale Speisen oder die Art der Musik in der Bergbeiz sind deshalb ganz wichtige Faktoren.

Wie beurteilen Sie die Ostschweiz als Tourismusregion?

Sie ist landschaftlich schön und vielfältig. Mit See, Stadt und Bergen ist sie ein kleines Abbild der Schweiz. Natur, Authentizität und Gastlichkeit sind Pluspunkte.

Was ist mit Negativpunkten?

Es mangelt an der Unterkunftsvielfalt. So hat es etwa zu wenig gute Seminarhotels am See. Auch ist in der Ostschweiz der Anteil Tagestouristen mit weniger Wertschöpfung überdurchschnittlich hoch. Und dann sind da die Ladenöffnungszeiten. Das ist ein heisses Eisen, aber bei Städtereisen ist Shopping nun mal das Erlebnis Nummer eins. Die Gäste wollen nicht nur ins Museum, sondern auch flanieren. Das aber funktioniert nur mit offenen Läden. (T. G.)

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