Acrevis trimmt sich fit

Im ersten Geschäftsjahr nach ihrer Fusion erlitt die Acrevis Bank Gewinneinbussen. Mit dem Sparprogramm «Fit» will sich die Regionalbank an ein schwierigeres Umfeld anpassen. Drei Filialen werden geschlossen.

Anna-Luise Beulshausen
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Die Filiale der Acrevis in St. Gallen-Winkeln ist eine von drei Filialen, die im Zuge des Sparprogramms geschlossen werden. (Bild: Urs Bucher)

Die Filiale der Acrevis in St. Gallen-Winkeln ist eine von drei Filialen, die im Zuge des Sparprogramms geschlossen werden. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Bereits vor einem Monat kündigte die Acrevis-Geschäftsleitung in ihrem Aktionärsbrief an, sie plane Einsparungen und lege ein besonderes Augenmerk «auch auf mögliche Integrationen einzelner Geschäftsstellen in die jeweiligen Niederlassungen». Nach und nach werden nun konkrete Massnahmen bekannt. Die Geschäftsstellen in Lichtensteig, St. Gallen-Winkeln und Gossau-Mettendorf werden geschlossen. «Das ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit», sagt Stephan Weigelt, Vorsitzender der Geschäftsleitung. In den betroffenen Filialen arbeiten je höchstens drei Mitarbeiter, die vor allem Bargeldtransaktionen durchführen. Einfache Transaktionen machen Kunden jedoch zunehmend an Bankautomaten.

Lichtensteiger protestieren

Es steht nicht fest, wie lange die betroffenen Geschäftsstellen noch geöffnet bleiben. «Wir sind bezüglich der Umsetzung im Gespräch mit Mitarbeitern, Kunden und Anwohnern», sagt Stephan Weigelt. Kunden aus Lichtensteig, St. Gallen-Winkeln und Gossau-Mettendorf könnten auf nahegelegene Niederlassungen der Acrevis ausweichen, so Weigelt. Dennoch protestieren die Lichtensteiger mit einer Unterschriftenaktion gegen die Schliessung ihrer Filiale. Während in St. Gallen und Gossau weitere Acrevis-Filialen bestehen bleiben, ist die nächste Filiale für Lichtensteiger in Bütschwil schlecht erreichbar. Das räumt auch Weigelt ein. Bei der Filiale in Lichtensteig handele es sich jedoch um einen Einfraubetrieb, der schon aus Effizienz- und Sicherheitsgründen nicht haltbar sei.

Die Filialschliessungen sind Teil eines Sparprogramms namens «Fit». Aufgrund einer Verringerung des Jahresgewinns von 2011 auf 2012 um 4,7 Prozent sollen in den nächsten zwei Jahren 10 Prozent der Kosten eingespart werden. Die Bank wird Stellen kürzen, auch in der Geschäftsleitung. Wie viele Stellen gestrichen werden, ist noch unklar.

Schwierigeres Bankenumfeld

Mit dem Sparprogramm will die Acrevis Synergien aus der Fusion im Jahr 2011 realisieren. Damals hatten sich die Bank CA St. Gallen und die Swissregiobank zur Acrevis zusammengeschlossen. Sie reagiert damit aber auch auf ein schwieriger werdendes Bankenumfeld. Vor allem das tiefe Zinsniveau bereitet Schwierigkeiten. Die Einnahmen aus dem Zinsengeschäft gingen 2012 um 4,6 Prozent zurück, obwohl die Acrevis wie die meisten Regionalbanken mehr Hypotheken vergab. Auch Immobilienrisiken stellen eine Herausforderung dar. Gleichzeitig versucht die Bank mit Übernahmen ihre Stellung in der Region zu stärken. Seit ihrer Fusion erstreckt sich ihr Geschäftsgebiet vom Bodensee bis zum Zürichsee. Nach der Übernahme der Sparkasse Trogen zum Januar 2013 will die Acrevis nun auch die Sparkasse Wiesendangen übernehmen. Die einzige Gemeindebank im Kanton Zürich konnte aufgrund einer Revision des Zürcher Gemeindegesetzes nicht als selbständige öffentlich-rechtliche Anstalt fortbestehen. Die Gemeinde entschied sich, einen Investor zu suchen. Die endgültige Entscheidung über den Verkauf an die Acrevis liegt jedoch bei den Wiesendanger Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern.

Die beiden Übernahmen kündigten keine aktive Ausweitung des Marktgebiets der Ostschweizer Regionalbank an, betont Stephan Weigelt. «Wenn sich Chancen ergeben, nehmen wir sie wahr.»

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