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ACREVIS: «Eine gesellschaftliche Aufgabe»

Der neue Chef der Regionalbank, Michael Steiner, will auf Bewährtem aufbauen. Exzesse in der Finanzbranche verurteilt er. Dass sein Vorgänger in den Verwaltungsrat einzieht, erachtet er als vorteilhaft.
Thomas Griesser Kym
«Wir beraten unsere Kunden mit langfristiger Perspektive»: Michael Steiner, neuer Acrevis-Chef. (Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 22. März 2018))

«Wir beraten unsere Kunden mit langfristiger Perspektive»: Michael Steiner, neuer Acrevis-Chef. (Bild: Benjamin Manser (St. Gallen, 22. März 2018))

Interview: Thomas Griesser Kym

Nach der heutigen Generalversammlung der Acrevis geht der Vorsitz der Geschäftsleitung der Regionalbank von Stephan Weigelt auf Michael Steiner über. Der bisherige Leiter Private Banking setzt auf Kontinuität, plädiert in der Finanzbranche aber für einen Paradigmenwechsel.

Michael Steiner, mit welchen Ambitionen treten Sie Ihr Amt als Acrevis-Chef an?

Meine Hauptaufgabe ist es, auf dem Bewährten, das Stephan Weigelt in den vergangenen 20 Jahren geschaffen hat, auf­zubauen. Im Zentrum stehen Sicherheit und Kontinuität für unsere Kunden und Mitarbeitenden, aber auch für die Aktionäre.

Klingt beruhigend. Aber schauen wir mal etwas in die Zukunft: Welche Themen treiben Sie an?

Eine zentrale Aufgabe ist das Ertragswachstum. Ein anderes wichtiges Thema ist die Digitalisierung. Im vergangenen Jahr hat Acrevis ein Digitalteam aufgebaut, das wichtige Bausteine der Bank der Zukunft entwickelt.

Mit persönlicher Beratung einerseits und ausgeklügelten Automaten andererseits?

Genau. Es braucht eine Ausgewogenheit zwischen Beratung und Selbstbedienung. Die Bank der Zukunft erlaubt es den Kunden, Standardgeschäfte selbst zu erledigen, etwa via Mobile Banking oder an multifunktionalen Geldautomaten. Gleichzeitig beraten wir unsere Kunden persönlich in komplexen Fragen zum Beispiel betreffend Finanzierung, Anlagen und Vorsorge. Die Beratungskompetenz unserer eigenen Experten und externen Partner gewinnt daher weiter an Bedeutung.

Welche Grundsätze gelten in der Beratung?

Acrevis steht für verantwortungsvolles Banking im Interesse aller Anspruchsgruppen. Wir beraten unsere Kunden mit langfristiger Perspektive. Falsche Anreize, exorbitante Boni oder Produktverkauf sind uns fremd – wir sind unabhängig und verkaufen keine eigenen Produkte. Als Bank haben wir die Freiheit, jedem Kunden die beste individuelle Lösung anzubieten. Das ist in der Finanzbranche nicht immer der Fall.

Was bedarf es im Banking?

Es braucht einen Paradigmenwechsel im Banking. Dazu ge­hören neben der kundenorientierten Beratung auch Anreizstrukturen, die eine übermässige Risikoübernahme zu Lasten der Gesellschaft verhindern. Finanzinstitute haben immer auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Damit ein Wirtschaftssystem funktioniert, bedarf es beispielsweise eines reibungslosen Zahlungsverkehrs oder einer gesunden Kreditwirtschaft. Hier hat das Pendel in der Vergangenheit zeitweise zu stark in Richtung falscher Anreizsysteme ausgeschlagen.

Kontinuität sei wichtig, sagen Sie. Acrevis hat ja viele treue Mitarbeitende und langjährige Geschäftsleitungsmitglieder, aus deren Kreis erneut die Nachfolge an der Spitze geregelt wird. Welche Führungsgrundsätze pflegen Sie?

Ich stehe für eine integrative Führung. Als Team können wir viel mehr leisten denn als Einzelkämpfer. Wenn wir die Schaffenskraft und Eigenverantwortung jedes einzelnen Mitarbeitenden nutzen, lässt sich viel erreichen.

Ihr Vorgänger Stephan Weigelt wechselt in den Verwaltungsrat. Es gibt Kritiker, die davor warnen, dass der alte Chef seinen Nachfolger aus dem Aufsichtsgremium herab überwacht.

Die Vorteile überwiegen meiner Meinung nach bei weitem. Ein Verwaltungsrat, der das Unternehmen, dessen Werte und Kultur in- und auswendig kennt, hilft enorm für Strategiediskussion und Checks & Balances. Zudem sind unsere Aufgaben genau definiert und verteilt: Der Verwaltungsrat ist zuständig für Strategie und Kontrolle, ich führe die Bank gemeinsam mit der Geschäftsleitung operativ.

Acrevis verfolgt schon lange die Strategie eines für eine Regionalbank unüblich stark ausgebauten Private Bankings neben dem angestammten Zinsengeschäft. Gibt es hier Handlungsbedarf?

Nein. Wir haben eine ausgewogene Struktur. Die beiden Geschäftsfelder ergänzen sich ideal. Wir können Kunden aus einer Hand bedienen und Synergien nutzen. Auch die jeweiligen Berater kennen sich. Das macht uns zur Bank der kurzen Wege.

Auswärtige Regionalbanken wie Valiant oder die Bank Linth expandieren in die Ostschweiz. Stephan Weigelt hat sich darob gelassen gezeigt. Und Sie?

Mir geht es genau gleich. Gerade für Regionalbanken und ihre Mitarbeitenden hat die regionale Verbundenheit eine grosse Bedeutung. Das schafft grosses Vertrauen. Für auswärtige Banken ist es schwierig, diesen Vertrauensvorsprung aufzuholen und sich ein vergleichbares Netzwerk aufzubauen.

In der Finanzbranche gibt es immer wieder Fusionen und Übernahmen. Wie hält es Acrevis: fressen oder gefressen werden?

Unser oberstes Ziel ist es, unabhängig erfolgreich zu bleiben. Wir wollen aus eigener Kraft weiterwachsen und allfällige Kaufopportunitäten prüfen, wie zum Beispiel in der Vergangenheit im Fall der Sparkasse Trogen oder der Sparkasse Wiesendangen.

Inwieweit spüren Sie so kurz vor der Übernahme des Chefpostens Erwartungsdruck auf Ihnen lasten?

Von aussen verspüre ich keinen Druck. Ich habe mir aber Ziele gesetzt, die ich erreichen möchte. Weil ich aber auf ein einmaliges Team zählen darf, blicke ich sehr zuversichtlich in die Zukunft.

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