Abschied vom Einfamilienhaus?

Ökonomen sagen dem Einfamilienhaus eine düstere Zukunft voraus. Die Nachfrage nach neuen Häusern nehme ab, und ältere Objekte wolle sowieso fast niemand mehr. Widerspruch äussert der Direktor des Hauseigentümerverbandes.

Thomas Griesser Kym
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Einige Experten befinden, das Einfamilienhaus als Wohnform sei bald passé, andere kontern. (Bild: Archiv)

Einige Experten befinden, das Einfamilienhaus als Wohnform sei bald passé, andere kontern. (Bild: Archiv)

Ist das Einfamilienhaus ein Auslaufmodell? Ja, sagt Martin Neff, Leiter Economic Research bei der Credit Suisse (CS). Nein, sagt Ansgar Gmür, Direktor des Hauseigentümerverbands (HEV).

Neff stützt seine Einschätzung auf mehrere Beobachtungen. Zum einen werden immer weniger Einfamilienhäuser gebaut. Die Nachfrage ist tendenziell rückläufig. Heute liegt Stockwerkeigentum mehr im Trend. Zum anderen steigt das Angebot, denn vermehrt drängen Einfamilienhäuser auf den Markt, die von den Babyboomern zum Verkauf gestellt werden.

Am falschen Ort

Das Problem: Viele dieser Häuser finden sich an suboptimalen Standorten, sind veraltet, haben hohen energetischen Sanierungsbedarf, und ihre Raumaufteilung entspricht nicht den modernen Wohnbedürfnissen. Die Folge laut Neff: Verkäufer haben Mühe, einen Käufer zu finden oder sie müssen mehr oder weniger grosse Abstriche machen bei ihren Preisvorstellungen.

Dieter Marmet, Managing Partner bei der Beratungsfirma Wüest & Partner, pflichtet Neff in den meisten Punkten bei. Mit einer Ausnahme: Kurzfristig erwartet Marmet weiterhin eine hohe Nachfrage nach Einfamilienhäusern – solange nämlich, wie die Zinsen noch tief sind.

Eigenes Haus für wenig Geld

Nicht einstimmen in den Abgesang auf das Einfamilienhaus mag HEV-Direktor Gmür. Untersuchungen zeigten, dass viele Mieter nach wie vor vom eigenen Häuschen träumten. Doch gute Häuser kosten Geld, und nicht alle können sich das leisten. Gerade deshalb erachtet es Gmür als eine Chance, wenn vermehrt ältere Objekte zu haben sind: «Für junge Familien mit noch wenig Geld kann das eine Gelegenheit sein, in die eigenen vier Wände einzuziehen.»

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