ABGASSKANDAL: VW droht mit Klage

Wende bei VW. Der ehemalige Firmenpatron Ferdinand Piëch beschuldigt Winterkorn in der Dieselaffäre schwer.

Christoph Reichmuth/Berlin
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Christoph Reichmuth/Berlin

Ist Ferdinand Piëch auf Rachefeldzug oder haben seine brisanten Vorwürfe tatsächlich einen wahren Kern? Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG belastet den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn und weitere Mitglieder des VW-Aufsichtsrates mit einer Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig schwer.

Der 79-Jährige Österreicher behauptet, er habe Weil und weitere hohe Führungsmitglieder bei VW bereits im März 2015 über Abgasmanipulationen unterrichtet. Demnach soll der Konzernpatriarch im Februar desselben Jahres vom israelischen Geheimdienst Schin Bet über die illegale Software und die drohenden Probleme mit den US-Behörden aufgeklärt worden sein. In einem persönlichen Gespräch habe Piëch Winterkorn darauf angesprochen, berichtete unter anderem «Der Spiegel». Nach Winterkorn soll Piëch danach auch die Mitglieder des Aufsichtsrates über die Schummel-Software ins Bild gesetzt haben.

Brisant ist die Aussage des ehemaligen Konzernpatriarchen vor allem deshalb, da in den USA und in Deutschland Ermittlungen gegen einzelne VW-Verantwortliche – darunter Martin Winterkorn – laufen. Einer der Vorwürfe lautet, Winterkorn habe schon viel früher von der Dieselmanipulation gewusst, habe aber nicht reagiert. In den USA steht er damit unter Verdacht des Betruges. In Deutschland wird auch wegen Marktmanipulation gegen Winterkorn ermittelt.

Rachefeldzug gegen ehemalige Führungsetage?

Winterkorn und weitere Aufsichtsratsmitglieder beteuerten stets, erst seit Mitte September 2015 von den Manipulationen gewusst zu haben. Verschiedene deutsche Medien spekulieren indes, dass Ferdinand Piëch einen Rachefeldzug gegen seine ehemalige VW-Führungsetage gestartet hat. Der mächtige Konzernpatron verlor völlig überraschend im Frühjahr 2015 einen internen Machtkampf gegen Winterkorn. Der Österreicher verliess den Konzern, blieb allerdings Grossaktionär. Möglicherweise will er sich nun an jenen ­rächen, die sich damals gegen ihn ausgesprochen hatten.

Der VW-Konzern wies gestern die Äusserungen Piëchs als unwahr zurück und drohte dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden mit einer Klage.

Der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber, bis November 2015 noch im VW-Aufsichtsrat vertreten und nun von Piëch ebenfalls belastet, beteuerte, nichts von den Manipulationen gewusst zu haben: «Ich behalte mir vor, juristisch gegen Ferdinand Piëch vorzugehen. Das lasse ich so nicht stehen.» Auch der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Mitglied im VW-Aufsichtsrat, zeigte sich über die Anschuldigungen empört und unterstellte dem ­Ex-Konzernpatriarchen, dieser greife zu Mitteln, die man neudeutsch nur als Fake News bezeichnen könne.