ABGASSKANDAL: FBI nimmt VW-Bosse ins Visier

Das wird teurer als angenommen. Ein offiziell bestätigter Vergleich sieht 4,3 Milliarden Dollar Strafzahlungen vor.

Christoph Reichmuth/Berlin
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Ein Vergleichsentwurf zwischen Volkswagen und der US-Justiz sieht Bussgeld- und Strafzahlungen von 4,3 Mrd. $ vor. Gestern machte die US-Justizbehörde die Busse offiziell. Demnach räumt VW den Betrug an Behörden und Kunden bei knapp einer halben Mio. Dieselfahrzeugen ein. Das Unternehmen bekenne sich der Verschwörung und der Behinderung der US-Justiz schuldig.

Bei VW hoffte man bis zuletzt auf einen weit günstigeren Vergleich. Nichtsdestotrotz bietet der Deal Europas grösstem Autobauer die Chance, sich aus dem langwierigen Streitverfahren mit den US-Behörden freizukaufen. «Die Summe tut weh, wäre aber verkraftbar», sagte der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer noch vor der offiziellen Bestätigung des Übereinkommens.

Rückstellungen reichen nicht aus

Allerdings ist der Preis, den VW für die Schummelei an Dieselmotoren zu bezahlen hat, hoch. Die bisher getätigten Rückstellungen für Rechtskosten im Abgasskandal in Höhe von 19,2 Mrd. $ werden nun kaum mehr ausreichen. Mit Hunderten von Klägern in den USA hat sich der VW-Konzern bereits auf Vergleiche von mehr als 17 Mrd. $ geeinigt. In Wolfsburg geht man nach der Einigung mit den USA deshalb davon aus, dass die Rechnung auf mehr als 21 Mrd. $ steigen wird. In dem Vergleich mit den USA verpflichtet sich Volkswagen in den USA ausserdem dazu, die Geschäfte in den nächsten drei Jahren von einem unabhängigen Aufseher kontrollieren zu lassen.

Nun, da sich Volkswagen mit den US-Behörden auf den Vergleich geeinigt hat, kann sich der Konzern im umstrittenen US-Markt wieder dem Tagesgeschäft widmen, ausserdem hat der Autobauer Planungssicherheit. Delikat bleibt die Situation für den Konzern trotzdem.

Die USA drängen nämlich nach wie vor vehement auf eine strafrechtliche Aufarbeitung der Affäre. Am Samstag wurde in Florida der ehemalige Umweltchef der Volkswagen Group of America vom FBI festgenommen. Der 48-Jährige ist zwar vergleichsweise ein «kleiner Fisch». Doch wenn die US-Justizbehörde dem Deutschen Straffreiheit oder Strafmilderung in Aussicht stellt, wenn er Interna aus Gesprächen mit dem VW-Management auspackt, dann könnte es für einige Verantwortliche unangenehm werden. Die US-Justiz will nämlich beweisen, dass das VW-Management schon weit vor dem Auffliegen der Schummelei mit den Abgaswerten im September 2015 von den Manipulationen gewusst hatte und diese gar billigte beziehungsweise anordnete, um die USA zu täuschen. Volkswagen hatte im September 2015 die Manipulation von elf Millionen Autos zugegeben, darunter knapp eine halbe Million Fahrzeuge in den USA.

Ins Visier genommen haben die USA unter anderem den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn und das heutige VW-Vorstandsmitglied Herbert Diess. Kronzeugen aus dem unteren VW-Management, die in US-Gewahrsam sitzen, beschuldigen Martin Winterkorn schwer. Dieser habe schon Wochen vor Auffliegen der Affäre Bescheid gewusst, aber nicht gehandelt.

Christoph Reichmuth/Berlin