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ABGANG: Pierin Vincenz' Weg vom gefeierten "Bodenständigen" zur Belastung

Der frühere Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz legt per sofort sein Mandat als Verwaltungsratspräsident bei der Helvetia Versicherung nieder. Als Grund nennt er die gegen ihn laufenden Untersuchungen der Finanzmarkaufsicht.
Daniel Zulauf
Pierin Vincenz mit Gattin Nadja am Medienball 2014: Vom guten Verhältnis zu den Medien scheint nicht mehr viel übrig. (Bild: Marcel Sauder)

Pierin Vincenz mit Gattin Nadja am Medienball 2014: Vom guten Verhältnis zu den Medien scheint nicht mehr viel übrig. (Bild: Marcel Sauder)

Der Niedergang des einst fast übermächtig scheinenden ehemaligen Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz setzt sich fort. Fünf Wochen nachdem er selber bestätigen liess, dass die Finanzmarktaufsicht (Finma) ein Zwangsverfahren (Enforcementverfahren) gegen ihn führe, hat der 61-jährige sein Amt als Verwaltungratspräsident des Versischerungskonzerns Helvetia per sofort niedergelegt. «In den letzten Tagen ist klar geworden, dass sich das Finma-Verfahren nicht beschleunigen lässt und damit bis zur kommenden Generalversammlung von Helvetia im April 2018 nicht abgeschlossen sein wird», kommentierte Vincenz in einer am Montag verbreiteten Mitteilung.

Enforcementverfahren können im Schuldfall schwerwiegende Massnahmen wie zum Beispiel ein Berufsverbot nach sich ziehen. Weil das Schweizer Aktienrecht den börsennotierten Unternehmen die jährliche Wiederwahl ihrer Verwaltungsräte vorschreibt, war das aufsichtsrechtliche Damokle sschwert über Vincenz auch ein Risiko für die Helvetia. Das Unternehmen könne seine Nachfolge nun «unbelastet planen», wird Vincenz zitiert.

Vincenz, die Belastung

Der Bündner sass während 17 Jahren im Verwaltungsrat des Assekuranzunternehmens. Seit fast drei Jahren ist er dessen Präsident. Die Kooperation der Versicherung mit den Raiffeisen-Banken ist eine langjährige Erfolgsgeschichte. Aber jetzt ist Vincenz offensichtlich zu einer Belastung geworden. «Die anhaltende Unsicherheit und die medialen Begleiterscheinungen, die dieses Verfahren mit sich bringen, haben mich bewogen, im Interesse des Unternehmens zurückzutreten», liess Vincenz verlauten. Seine interimistische Nachfolgerin und bisherige Vizepräsidentin Doris Russi Schurter äussert im Namen des Aufsichtsgremiums ihr Bedauern über den Entscheid, zeigt im gleichen Satz aber auch «grosses Verständnis für die Situation von Pierin Vincenz». Mehr als etwas moralische Unterstützung wollte die erfahrene Rechtsanwältin ihrem Ex-Präsidenten offensichtlich nicht mit auf den Weg geben, obschon dieser von sich selber glaubt, «potenzielle Interessenskonflikte mit der notwendigen Sorgfalt behandelt zu haben».

Vincenz, der Bodenständige

Es ist erstaunlich, wie weit der wohl bekannteste Ex-Banker der Schweiz nur schon durch den einfachen Verdacht einer Aufsichtsbehörde ins Abseits geraten ist. Dabei stand Vincenz einmal kurz davor, zum «Schweizer des Jahres» gewählt zu werden. Das war 2009, als die Berufsbezeichnung Banker auch in der Schweiz noch ein Schimpfwort war. Obwohl der gelernte Investmentbanker seine Sporen bei einer Grossbank abverdient hatte und er einen unbescheidenen Lebensstil pflegte, obschon die Installierung der Ehefrau als Chefjuristin ein offensichtliches Konfliktpotenzial barg, blieben seine Popularität und die Wahrnehmung als bodenständiger Bauernbanker davon unberührt. Die härtesten Konkurrenten, die auf das Inlandgeschäft fokussierten Kantonal- und Regionalbanken, vermochte Vincenz in seiner Zeit als Raiffeisen-Chef und langjähriges Mitglied der Bankiervereinigung hinter sich zu scharen, um sich für gemeinsame Interessen gegen die international ausgerichteten Gross- und Privatbanken zu wehren.

Vincenz, der Wohltäter

In den Medien waren Lob und Bewunderung für den «guten» unter den vielen «bösen» Bankern weit lauter als die wenigen warnenden Stimmen. Es war indes kein Zufall, dass Vincenz auch von der Presse mehrheitlich mit Samthandschuhen angefasst wurde. Schliesslich hielt sich Vincenz strikt an die Devise: «Tue Gutes und sprich darüber». Landauf, landab traf man ihn als Gönner, Mäzen oder Retter: Vom Kinderspital in Zürich über das Casino Theater Winterthur bis zu den Bergbahnen in Brigels direkt vor seiner heimatlichen Haustür. Vincenz hat via Raiffeisen als vermutlich grösster Sponsor im Schweizer Sport- und Unterhaltungsgeschäft mit einem geschätzten Budget von 30 bis 50 Millionen Franken enge Verbindungen zu den Medien geknüpft.
Während die Raiffeisen-Mitglieder von Vergünstigungen für Konzerte, Fussballspiele und andere Anlässe profitieren, sind Ticketcorner, der Partnerin für den Billettverkauf, satte Einnahmen sicher. Ticketcorner gehört seit 2010 zu 50 Prozent dem Medienkonzern Ringier. Derlei Verbindungen dürften Vincenz’ Popularität lange zupass gekommen sein. Jetzt aber bleibt die Rückendeckung aus. Das Risiko, dem fallenden Vincenz zu Hilfe zu eilen, wird offensichtlich auch im Kreis seiner früheren Freunde als zu gross eingestuft.

Lesen Sie hier das grosse Pierin-Vincenz-Portrait aus der Ostschweiz am Sonntag vom 26. November 2017.

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