Abgang mit Fragezeichen

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug der sofortige Rücktritt von ABB-Chef Fred Kindle ein. Der 2004 bei Sulzer abgeworbene Kindle hat die vom damaligen ABB-Präsidenten Jürgen Dormann eingeleitete Wende erfolgreich umgesetzt. ABB ist in Hochform.

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Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug der sofortige Rücktritt von ABB-Chef Fred Kindle ein. Der 2004 bei Sulzer abgeworbene Kindle hat die vom damaligen ABB-Präsidenten Jürgen Dormann eingeleitete Wende erfolgreich umgesetzt. ABB ist in Hochform.

Auch die Aussichten könnten kaum besser sein: Dank weltführender Position profitiert ABB von stark steigender Nachfrage nach Energieinfrastruktur, zunehmender Bedeutung des Energiesparens und vermehrter Automatisierung in der Industrie. Warum also der abrupte Abgang Kindles?

ABB-Präsident Hubertus von Grünberg lieferte keine befriedigende Antwort: ABB sei stark wie eh und je, die Zukunft hell, die Strategie stimme, Kindle habe alles richtig gemacht. Dieser habe so entschieden, mehr gebe es nicht zu sagen, meinte von Grünberg. Und empfahl, nicht weiter zu spekulieren; «es geschah einfach». Entsprechend zeigten sich Analysten und Börse überrascht und enttäuscht.

Der Schluss liegt nahe, dass der Eclat die Folge eines persönlichen Zusammenpralls ist. Mit von Grünberg ist heute ein Mann Präsident, der sich deutlich vom auf Konsens bedachten, zurückhaltenden Vorgänger Dormann unterscheidet. Er bezeichnet sich als ehrgeizig und ist nicht bereit, wie er jüngst sagte, sich «mit einem noch so hervorragenden Zustand ohne weiteres abzufinden, ohne zu fragen, was man noch besser machen kann». Vielleicht hat er zu forsch gefragt. Und vermutlich ging es um die von Kindle bei der Beurteilung von Akquisitionen stets in den Vordergrund gerückte Vorsicht. Peter Schaad

wirtschaft@tagblatt.ch

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