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ABGANG: Der frühere Julius-Bär-Chef ist schon vergessen

Während sich Boris Collardi auf seine Zukunft freut, weint ihm die Börse keine Träne nach.

Der überraschende Rücktritt ­Boris Collardis als Julius-Bär-Chef löste Ende November beträchtliche Beunruhigung unter den Investoren aus. Der Aktienkurs sackte innert Stunden um über 6 Prozent ab, und der Börsenwert der Privatbank schmolz um über 800 Millionen Franken. Knapp zwei Monate später ist die Scharte ausgewetzt. Seit dem ­Abgang Collardis haben die Bär-Aktien rund 12,5 Prozent zugelegt und Konkurrenten wie Vontobel, UBS oder Credit Suisse hinter sich gelassen. Mit einer kleinen Verspätung auf den ­Gesamtmarkt erreichten diese Woche auch die Bär-Aktien ein Allzeithoch von über 64 Franken.

Im Wissen um die aufgehellte Stimmung unter den Bär-Aktionären kann sich Collardi umso mehr auf seinen neuen Job als Teilhaber bei der Genfer Privatbank Pictet freuen. Gestern trat Collardi in Bern an der Jahrespressekonferenz der Vereinigung Schweizer Asset-Management- und Vermögensverwaltungsbanken auf, deren Präsident er ­immer noch ist. Dort erklärte er sich erstmals zu seinem Wechsel. «Ich werde vom Mitarbeiter zum Unternehmer. Das hat für mich einen höheren Stellenwert», ­zitiert ihn die Agentur Reuters.

Ein offenes Geheimnis ist freilich, dass Collardi gerne auch als Angestellter weitergemacht hätte, wenn ihm eine Grossbank den Chefposten angeboten hätte. Kaum zufällig erinnerten Teile seiner Ausführungen über die Entwicklungsmöglichkeiten der Schweizer Bankenbranche frappant an die Ideen zur Schaffung einer Schweizer «Superbank», mit denen UBS-Chef Sergio Ermotti 2016 Aufsehen erregt hatte. Die Autoindustrie habe erfolgreich vorgemacht, was auch in der Geldwirtschaft punkto Industrialisierung und Effizienzsteigerung möglich sei, ohne die Angebotsvielfalt zu gefährden, sagte Collardi. «Vor allem bei der bankübergreifenden Zusammenarbeit in nicht differenzierbaren Aktivitäten sehe ich Möglichkeiten.»

Während Ermotti seine ursprünglichen Pläne einer umfassenden Kooperation mit dem Finanzplatzinfrastrukturbetreiber SIX inzwischen aber schubladisiert hat, sagte Collardi im Namen seiner Mitgliedbanken, dass «wir die Neupositionierung der SIX Group mit der Schaffung des neuen geschäftlichen Standbeins Netzwerkservices sehr begrüssen und dieses Momentum für eine bankenseitige Bündelung der Kräfte nutzen sollten». (dz)

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