340 Arbeitsplätze weg: Müller Martini gibt Felben-Wellhausen auf

Mit harten Massnahmen will Müller Martini die Unternehmung retten. Weltweit werden 550 Arbeitsplätze gestrichen, allein 330 in der Schweiz. Der Standort Felben-Wellhausen ist am stärksten betroffen. «Das ist eine Katastrophe», sagt Unia-Sekretär Erich Kramer.

Stefan Borkert
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Müller Martini kämpft mit dem Strukturwandel in der Druck- und Buchbinderbranche und will Felben-Wellhausen schliessen. (Bild: pd)

Müller Martini kämpft mit dem Strukturwandel in der Druck- und Buchbinderbranche und will Felben-Wellhausen schliessen. (Bild: pd)

FELBEN-WELLHAUSEN. Die Nachricht hat gestern den Gemeindeammann von Felben-Wellhausen, Werner Künzler, überrascht. Der grösste Arbeitgeber im Dorf, Müller Martini, Herstellerin von Systemen für die Druckverarbeitung und den Versand mit Hauptsitz in Zofingen, will den Standort Felben-Wellhausen aufgeben. Weltweit sollen 550 Stellen gestrichen werden. Davon allein in der Schweiz 330, bestätigt Marketingchefin Jutta Thellman. Und Müller Martini CEO Bruno Müller bestätigt, dass in Felben-Wellhausen 250 Kündigungen ausgesprochen werden sollen. Der Standort steht unmittelbar vor seiner Schliessung. Damit fehlen im Dorf dann insgesamt 340 Arbeitsplätze. Für die 39 betroffenen Lehrlinge würde man sicher eine Lösung finden, sagt Bruno Müller. Weitere 40 bis 50 Personen sollen an anderen Standorten untergebracht werden.

Opfer des Strukturwandels

Müller macht den Strukturwandel in der Druckbranche für den Abbau und die Restrukturierung des Unternehmens verantwortlich. Man habe bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Franken Einbussen von 60 Prozent hinnehmen müssen. Schon 2008/2009 habe es einen starken Einbruch gegeben. Seither sei ein schleichender Abbau erfolgt. Doch das und Kurzarbeit hätten nicht ausgereicht. Man versuche nun den Abbau, so sozial verträglich wie möglich zu gestalten. Mit dem endgültigen Aus für den Standort Felben-Wellhausen rechnet er in spätestens zwei Jahren. Für die Standorte Zofingen, Stans und Hasle gab er Entwarnung. Sie seien nicht gefährdet.

Das Thurgauer Amt für Wirtschaft und Arbeit sei über die Pläne informiert worden, sagt Amtschef Edgar Georg Sidamgrotzki. «Sollte es tatsächlich so weit kommen, wäre das für den Thurgau und die Region ein bedauerlicher Einschnitt.» Sidamgrotzki stellt aber klar, dass noch die gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern stattfinden müssten. Das Unternehmen müsse allfällige Alternativvorschläge der Arbeitnehmer prüfen und das Ergebnis dem Amt für Wirtschaft und Arbeit mitteilen. Der Kanton könne sich hierbei höchstens inoffiziell einschalten. «Sollte es zu Entlassungen kommen, werden wir den Angestellten beistehen», versichert Sidamgrotzki. Für den Sekretär der Unia Ostschweiz, Erich Kramer, ist die Schliessung von Felben-Wellhausen eine Katastrophe. Die Unia hat unter den Mitarbeitenden bei Müller Martini die meisten Mitglieder.

Konsultationsverfahren läuft

Es gehe jetzt darum, im Konsultationsverfahren Vorschläge zu prüfen und auszuarbeiten, ob man den Standort nicht doch noch retten könnte. Das Konsultationsverfahren dauert bis zum 14. August. Alois Düring von Angestellte Schweiz wirft der Geschäftsleitung vor, man habe die Diversifizierung verschlafen. Nun müsse man zur schlechtesten aller Möglichkeiten greifen, der Massenentlassung. Und Josef Lustenberger von der Syna ergänzt, dass man nun für die Belegschaft eine bestmögliche Lösung finden müsse.