25 Jahre Berg-und-Tal-Fahrt

Morgen wird der Swiss Market Index ein Vierteljahrhundert alt. Der Verlauf des Börsenindex spiegelt die wichtigsten Ereignisse rund um den Globus. Festlaune kommt zum runden Geburtstag aber nicht auf.

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«Börse ist nicht Wirtschaft», hielt Ökonom Klaus W. Wellershoff kürzlich im Blog der «Handelszeitung» fest. Zu euphorisch sind die Aktienkurse zuletzt im Vergleich zum Zustand der realen Wirtschaft gewachsen. Und doch hängt die Börse unweigerlich mit der internationalen Wirtschaft und Politik zusammen. Im Kursverlauf des Schweizer Aktienindex Swiss Market Index (SMI) der letzten 25 Jahre spiegelt sich denn auch das politische und wirtschaftliche Weltgeschehen.

Von den weltweiten Krisen geprägt

Die Wirtschaftskrisen in Asien und Russland liessen den SMI zwischen Juli und Oktober 1998 ein erstes Mal einbrechen. Um über 40% rasselte der Index der 20 wichtigsten Schweizer Unternehmen nach unten. Doch der SMI erholte sich schon bald. Binnen zweier Jahre hatte er das Kursniveau erreicht, das er vor dem Absturz innehatte. Dies lag an den unzähligen Klein- und Grossanlegern, die ihr Geld in junge Internetfirmen investierten. Die New Economy – so das Schlagwort – löste einen gigantischen Börsenhype aus. Dumm nur, dass viele dieser Start-ups noch nie einen Franken Umsatz geschweige denn Gewinn erzielt hatten. Dennoch wurden sie bei übereilten Börsengängen mit Milliarden vergoldet. Das Ganze endete schliesslich, wie es enden musste: in Tränen. Die US-Technologiebörse Nasdaq brach im Verlauf des Sommers 2002 um zwei Drittel ein, Hunderte Milliarden Dollar lösten sich in Luft auf. Auch der SMI stürzte tüchtig ab. Namen von damals hochfliegenden Schweizer Softwarefirmen wie Miracle, Day Interactive, Think Tools, Complet-e oder Fantastic sind längst Geschichte.

Die heftigste Korrektur des SMI ereignete sich jedoch ab 2007/08 mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der eskalierenden Subprime-, Banken- und Finanzkrise. Nach einem steilen Anstieg auf das Allzeithoch im Juni 2007 stürzte der SMI innert weniger Monate auf 4235 Punkte, ein Minus von 55 Prozent.

Schweizer Ereignisse wenig spürbar

Während Weltereignisse wie der Fall der Berliner Mauer 1989 oder die Terroranschläge vom 11. September 2001 – der SMI verlor an diesem Tag über 7 Prozent – den Kursverlauf des SMI stark beeinflussten, machten Schweizer Ereignisse dem Aktienindex deutlich weniger Eindruck. So blieben etwa die Novartis-Fusion 1996, das Swissair-Grounding 2001 oder die Rettung der UBS durch die Schweizerische Nationalbank 2008 ohne grösseren Einfluss auf den Kursverlauf des SMI, der am 30. Juni 1988 mit einem Stand von 1500 Punkten an den Start ging. Über die Jahre hat der SMI seine Zusammensetzung laufend geändert. Viele der 24 Gründungsmitglieder vom 30. Juni 1988 sind aus dem SMI verschwunden, weil sie, wie zum Beispiel die Swissair, in Konkurs gingen oder weil sie fusionierten, etwa Kreditanstalt und Volksbank zur heutigen Credit Suisse, Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS oder Ciba-Geigy mit Sandoz zu Novartis. Hinzu kamen Namenswechsel wie jener der Schweizer Rück zu Swiss Re.

Ben Bernanke als Spielverderber

Zum Jubiläum des SMI herrscht nicht gerade Festlaune an der Börse. Seit Ende Mai hat der SMI deutlich eingebüsst. Und obwohl es jüngst wieder Kursgewinne gab, ist die Stimmung zum Geburtstag getrübt. Spielverderber ist US-Notenbankchef Ben Bernanke mit seiner Ankündigung, die extrem lockere Geldpolitik mutmasslich noch dieses Jahr schrittweise zu drosseln. Bernankes Äusserung brachte nahezu alle Märkte ins Taumeln – von Währungen über Obligationen und Aktien bis zu Rohstoffen. Hart getroffen hat es auch die bereits angezählten Gold- und Silbernotierungen.

Turbulente Sommermonate

Der Chefökonom der Zürcher Kantonalbank, Anastassios Frangulidis, geht davon aus, dass es in den Sommermonaten an den Börsen eher turbulent zu und her gehen wird. «Wir sollten davon ausgehen, dass die Volatilität an den Börsen hoch bleibt», sagt Frangulidis. Der Markt müsse die Anpassung der geldpolitischen Erwartungen zuerst einmal verdauen. «Ich bin aber der Meinung, dass die wichtigsten Aktienindizes Ende Jahr höher notieren als heute», prognostiziert er.

Dies schliesst Frangulidis daraus, dass die Ankündigung Bernankes ja eigentlich eine positive Botschaft für die Wirtschaft enthalte. «Bernanke geht von einer nachhaltigen Verbesserung der konjunkturellen Lage in den USA aus», sagt Frangulidis. Und das sei sicher keine schlechte Nachricht für die Gewinne der US-Unternehmen.

Roman Schenkel