24 Minuten am Tag länger arbeiten

Exportorientierte Unternehmen wie die Weinfelder Model AG leiden unter dem schwachen Euro. Jetzt hat CEO Daniel Model reagiert. Ab September müssen die Mitarbeitenden zwei Stunden mehr in der Woche arbeiten – ohne Lohnausgleich. Die Gewerkschaften kritisieren das hart.

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Der Verpackungskonzern Model mit Sitz in Weinfelden reagiert als eines der ersten Unternehmen der Schweiz auf den schwachen Euro und verlängert die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. (Bild: Donato Caspari)

Der Verpackungskonzern Model mit Sitz in Weinfelden reagiert als eines der ersten Unternehmen der Schweiz auf den schwachen Euro und verlängert die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. (Bild: Donato Caspari)

Daniel Model ist ein Patron alter Schule. Für ihn muss klar sein, wer in der Firma etwas zu sagen hat. Im Familienunternehmen Model mit Sitz in Weinfelden gibt es keine Gewerkschaften. Ein Credo des agilen Familienunternehmers ist: «Wir sind sehr entschlossen, als Firma zu überleben.» Die Firma komme zuerst. Zwar gehe es der Model AG in Weinfelden gut, aber insgesamt macht der Model-Gruppe mit ihren 880 Mitarbeitenden in der Schweiz der schwache Euro stark zu schaffen. Die Margen schwinden trotz voller Auftragsbücher.

In der ersten Juliwoche wurde deshalb in allen Model-Betrieben darüber informiert, dass man Gegensteuer geben müsse. Das bedeutet konkret: Alle Mitarbeitenden mit Zeitregistrierung haben ab 1. September eine um zwei Stunden pro Woche verlängerte Arbeitszeit ohne Lohnanpassung. In der Regel steigt die Arbeitszeit bei den Model-Unternehmen damit von 40 auf 42 Stunden. Die Mitarbeiterkommission ist damit einverstanden. «Das sind gerade mal 24 Minuten mehr Arbeitszeit pro Tag», so Daniel Model. Dass zusätzlich ab 2012 eine Ferienwoche gestrichen werde, stimme so nicht, sagt er. Das treffe nur auf die Rheintaler Model PrimePac AG in Au zu. Dort habe man bislang eine Woche mehr gehabt als in den anderen Model-Firmen. Daniel Model hat die dortigen 175 Mitarbeitenden vor drei Wochen informiert. «In einem Familienunternehmen muss man miteinander reden», sagt er.

Gesetze des Marktes

24 Minuten pro Tag länger arbeiten, das müsse doch möglich sein. Auch auf dem Arbeitsmarkt gelten für ihn die Marktgesetze. Die Mitarbeiter würden vom starken Franken schliesslich auch profitieren, wenn sie in die Ferien fahren, oder zum Einkaufen über die Grenze gehen. Ausserdem ergreife er diese Massnahmen in einer Zeit der Vollbeschäftigung. Jedem, der die neuen Bedingungen nicht unterschreiben wolle, stehe natürlich die fristgerechte Änderungskündigung zu. Allerdings sei ihm persönlich bislang noch kein Fall bekannt. Dass es dazu noch kommen könnte, schliesst er aber nicht aus.

Anders als bei anderen Firmen, die zeitlich begrenzte Modelle mit erhöhter Arbeitszeit zusammen mit den Gewerkschaften aushandelten, hat Model keine zeitliche Begrenzung vorgesehen. Model sagt aber, dass er bei einer für die Firma positiven Änderung der Situation selbstverständlich wieder reagieren werde. Auch das gehöre zu den Gesetzen des Marktes. Der starke Franken sei ja eigentlich auch ein starkes Kompliment an die Schweiz. Nur könne man eben auch an Komplimenten zugrunde gehen. Das müsse man verhindern. Für ihn ist auch klar: «Ich will keine Jammerkultur.»

Gewerkschaften prüfen Klage

Damit führt er einen Seitenhieb in Richtung Gewerkschaften. Der Thurgauer Unia-Sekretär Erich Kramer sagt, dass beim Thurgauer Verpackungskonzern der gewerkschaftliche Einfluss nur gering sei. Die Betriebskommission folge wohl eher Daniel Model. Und es gebe keinen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). «Uns sind die Hände gebunden.» Für Kramer ist klar, dass es Model um Gewinnoptimierung geht. 80 Millionen Franken wolle Model dieses Jahr investieren. Und der Konzernumsatz sei um 10 Prozent angewachsen.

Die Unia wolle die Mitarbeiter nicht allein lassen. Derzeit nehme man Kontakt auf. Es gelte auch zu klären, ob Gesetze verletzt werden. Hansjörg Bartholdi von der Gewerkschaft Syndicom übt ebenfalls scharfe Kritik am Vorgehen von Daniel Model. Man prüfe, ob diese Erhöhung der Arbeitszeit, ohne dass Vertragsverhandlungen stattgefunden haben, nicht als Massenentlassung gelten könnte, da die Massnahmen eigentlich Änderungskündigungen seien. Und dann müssten die gesetzlichen Kündigungsfristen eingehalten werden, was hier vermutlich nicht der Fall sei. Seiner Auffassung nach müssten die Kündigungsfristen auch für diejenigen gelten, die die Erklärung unterschrieben haben.

Stefan Borkert

Daniel Model (Bild: Reto Martin)

Daniel Model (Bild: Reto Martin)