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Kommentar

20 Jahre Euro: Vom Erfolg zum Problem

Wirtschaftsredaktor Daniel Zulauf nimmt in einer Analyse die EU-Gemeinschaftswährung unter die Lupe. Anlass bietet das 20-jährige Bestehen des Euros.
Daniel Zulauf

Am 1. Januar wird der Euro 20 Jahre alt. Es ist ein eher heimliches Jubiläum, das die Gemeinschaftswährung feiert. Denn in den ersten drei Jahren fristete sie unter dem Begriff «Ecu» ein unscheinbares Dasein als Buchgeld, quasi hinter den vordergründig weiterbestehenden Währungen der 12 Gründerstaaten. Technisch wurde der Euro aber seit 1. Januar 1999 zementiert. Auf diesen Stichtag erfolgte die Fixierung der Wechselkurse, die seit 1979 innerhalb des Europäischen Währungssystems (EWS) nur noch innerhalb bestimmter Bandbreiten frei schwanken durften.

Die Idee zur Schaffung einer europäischen Einheitswährung war bereits 1970 im sogenannten «Werner-Plan», benannt nach dem damaligen luxemburgischen Regierungschef, angelegt. Der erste Schritt zur Konkretisierung erfolgte 1972 mit der Bildung des EWS. Schon die Vorgeschichte des Euro liess erkennen, dass die Kreation keine einfache Sache werden würde. Die Spannungen innerhalb des EWS nahmen ab dem Datum der Wechselkurs­fixierung laufend zu bis das System 1992 aufgrund divergierender Inflations- und Wachstumsraten und dem Druck der Finanzmärkte kollabierte. Am 7. Februar 1992 erfolgte in Maastricht die Unterzeichnung des Vertrages über die Schaffung der Europäischen Union. Der Vertrag regelte auch die konkreten Schritte zur Einführung der Gemeinschaftswährung, die zunächst auf eine konvergente Entwicklung der Teilnehmerländer in den Bereichen öffentlicher Haushalt (Schuldenstand und Defizit), Inflation, Zinsen und Wechselkurse abzielte. Wohlweislich wurde in dem Vertrag auch eine Nichtbeistandsklausel verankert, die eine Haftungsgemeinschaft für zahlungssäumige Mitgliederländer ausschloss. Die Klausel, welche die Euroländer zur Haushaltsdisziplin hätte zwingen sollen, erwies sich in der Krise als unwirksam. Um den Bankrott von Ländern wie Griechenland und Irland und grössere Folgeschäden abzuwenden, wurde 2010 die Einrichtung des Europäischen Stabilisierungsmechanismus, eine Art europäisches Bürgschaftssystem, nötig. Gleichzeitig unternahm auch die Europäische Zentralbank alles, was sich rechtlich gerade noch mit ihrem Auftrag vereinbaren liess, um ein Auseinanderbrechen der Währung zu verhindern.

Doch seit der Krise ist die Eurozone tief gespalten. In den wirtschaftlich prosperierenden Gebieten des Nordens, insbesondere in Deutschland, führt jeder Versuch zu einer stärkeren Vergemeinschaftung der Schuldenhaftung zu heftigen Abwehrreflexen in der Bevölkerung. Nutzniesser sind Bewegungen wie die AfD am rechten Rand des politischen Spektrums. In Italien und anderen südlichen Zonen verschaffen Regierungen, die den strengen Haushaltsvorgaben aus Brüssel nachkommen, EU-kritischen Parteien wie Lega oder der Fünfsterne-Bewegung zu politischen Erfolgen.

Die Situation wirkt grotesk. Der Euro, der das in den 1970er-Jahren von einer wirtschaftlichen Sklerose gezeichnete Europa hätte stärker zusammenbringen sollen, klemmt jetzt wie ein Keil zwischen Norden und Süden. Der Erfolg, den der Euro in den ersten Jahren seines Bestehens zu werden schien, ist zu einem Problem mutiert, dessen Lösung im Moment wohl nur gegen den Willen von einer Hälfte der europäischen Bevölkerung zu haben wäre. Der wiedererstarkende Franken ist Ausdruck dieses Dilemmas. Seit dem knappen EWR-Nein von 1992 (50,3 Prozent) hat der Euro auch in der Schweiz viele einstige Freunde Brüssels vergrault.

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