2 Prozent mehr Lohn gefordert

Drucken
Teilen

Gewerkschaften Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert für das kommende Jahr generelle Lohnerhöhungen um bis zu 2 Prozent. Die Lohnentwicklung in der Schweiz sei ins Stocken geraten, sagte SGB-Chefökonom Daniel Lampart gestern an einer Medienkonferenz in Bern. Gerade auch im Vergleich zu Deutschland sei die Schweiz in Rückstand geraten. «Dort sind die Reallöhne über die letzten drei Jahre fast doppelt so stark gestiegen wie in der Schweiz», sagte Lampart.

Wirtschaft sei wieder auf Erholungskurs

Dabei befinde sich die Schweizer Wirtschaft nach langer Durststrecke wieder auf Erholungskurs. Das Bewusstsein für diese günstige Entwicklung und die damit verbundene Notwendigkeit für steigende Löhne seien aber noch nicht verbreitet, sagte Paul Rechsteiner, Präsident des SGB. Der SGB und die ihm angeschlossenen Gewerkschaften treten mit ihren Forderungen deshalb seit längerem erstmals wieder vor Beginn der Sommerpause an die Öffentlichkeit.

In den Verhandlungsmonaten geht der SGB von einer Teuerung von rund 0,5 Prozent aus. Zusammen mit einer durchschnittlichen Produktivitätssteigerung von 1 Prozent ergibt das eine Lohnforderung von generell 1,5 bis 2 Prozent.

Von den geforderten Lohnerhöhungen sollen insbesondere auch die Frauen profitieren. Sie verdienen gemäss SGB pro Jahr im Schnitt 7000 Franken weniger als die Männer, und das bei gleicher Position, Qualifikation und Erfahrung. Diese Lohndiskriminierung sei nicht hinnehmbar und müsse bei der kommenden Lohnrunde berücksichtigt werden, findet Rechsteiner.

Forderungen seien noch «zu früh»

Für den Schweizerischen Arbeitgeberverband sei es zu früh, auf Lohnforderungen einzugehen, teilte der Verband gestern auf Anfrage mit. Da die meisten Unternehmen erst Aufträge für sechs Monate in den Geschäftsbüchern abgerechnet hätten, lasse sich daraus noch kein verlässliches Bild für ein ganzes Geschäftsjahr ableiten. Selbst wenn sich die Konjunktur weiter aufhellen sollte, müssen laut Arbeitgeberverband viele Unternehmen, die noch unter den Folgen des Frankenschocks leiden, zunächst Ersatzinvestitionen tätigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Im Vergleich zu diesem Investitionsstau lasse sich kein genereller Nachholbedarf bei den Löhnen ausmachen. (sda)