1500 Swiss-Stellen in Gefahr? Airline kontert Abbau-Meldung in einem internen Memo

Die Swiss bittet um Staatshilfe. Berichte, wonach die Bedingungen des Bundes einen Abbau zwischen 1500 und 1900 Stellen bedeuten könnten, versucht die Airline gegenüber dem Personal zu entkräften.

Benjamin Weinmann
Drucken
Teilen
Eine Boeing-777 der Swiss am Flughafen Zürich.

Eine Boeing-777 der Swiss am Flughafen Zürich. 

Ennio Leanza / KEYSTONE

Der Aufruhr bei der Swiss-Crew war am Sonntag gross. Die «Sonntagszeitung» der TX Group titelte auf der Frontseite: «Swiss: 1500 Stellen in Gefahr». In derselben Ausgabe bestätigte Serge Gaillard, Chef der Taskforce zur Rettung der Schweizer Luftfahrt beim Bund, dass im Businessplan für die Kreditvorgabe für die Airline Kostensenkungen vorgesehen sind, konkret seien es «etwas weniger» als 20 Prozent. Weiter sagte Gaillard: «Es gibt keine Beschäftigungsgarantie im Vertrag.»

Die Zeitung machte die Hochrechnung, was eine Kostensenkung von knapp 20 Prozent für die rund 9500 Mitarbeitenden bedeuten könnte: 1500 oder sogar bis zu 1900 Stellen weniger. Damit steht eine erste Schätzung zu den Auswirkungen der Krise im Raum. Doch kommt es tatsächlich so schlimm? Die Airline hat intern mit einer Nachricht reagiert, in der sie auf die Abbaumeldung eingeht und versucht, das verunsicherte Personal zu beruhigen. CH Media liegt das Schreiben vor.

Korrekt sei, dass der Bund eine Staatshilfe nur unter strengen Bedingungen gewähre. Dazu würden auch signifikante Kostensenkungen gehören. «Der Bund hat aber nicht vorgegeben, wie dies konkret umzusetzen sei.»

Auf die Gleichung «20 Prozent weniger Kosten gleich 20 Prozent weniger Personal» geht die Swiss nicht konkret ein. Mit dem Thema vertraute Insider stellen sie in Zweifel. In ihrem Memo betont die Swiss stattdessen, dass man bereits Mitte März zahlreiche Kosten-Sparmassnahmen eingeleitet habe, wie zum Beispiel einen Einstellungsstopp, Kurzarbeit, Lohnverzichte des Kaders und das Einfrieren von nicht betriebsnotwendigen Projekten. Man sei überzeugt, mit diesen Massnahmen diese herausfordernde Zeit überstehen zu können. Es sei nach wie vor das oberste Ziel, das Unternehmen mit der gesamten Belegschaft durch diese Krise zu führen, schreibt die Swiss, fügt aber an. «Ob dies möglich ist, hängt von der weiteren Entwicklung ab.»

Fakt ist: Ein Stellenabbau ist unausweichlich. Die Frage, wie viele Stellen gefährdet sind, ist an das Tempo der Markterholung geknüpft. Viele Branchenvertreter gehen davon aus, dass die Aviatik erst in fünf Jahren zu ihrem Flugvolumen vor Corona zurückkehren wird. Die Zahl der Entlassungen hängt zudem von der natürlichen Fluktuation in den nächsten Monaten und Jahren ab: Gerade in der Kabine ist sie in der Regel überdurchschnittlich hoch. Sie könnte zumindest bei den jüngeren Flight Attendants weiter steigen, von denen sich manche wohl angesichts der düsteren Branchenaussichten nach Alternativen umsehen oder statt dem Jobben ein Studium beginnen.

Der Bundesrat will der Swiss und ihrer Schwester-Airline Edelweiss Bankgarantien in der Höhe von 1,2 Milliarden Franken aussprechen.

Mehr zum Thema