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Einmal zwischen Vadians Füssen durch: St.Galler zeigen spektakuläre Drohnenaufnahmen der Stadt während des Lockdowns

Zwei St.Galler haben den Lockdown genutzt und ein aussergewöhnliches Drohnenvideo der Stadt produziert. Die Reaktionen darauf sind durchwegs positiv. Ungefährlich war die Aktion aber nicht.

Alexandra Pavlovic
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Die Strassen leergefegt, die Geschäfte und Restaurants geschlossen – die Stadt St.Gallen wirkt wegen des Lockdowns wie ausgestorben. Was vor einigen Wochen noch surreal erschien, ist wegen des Coronavirus Wirklichkeit. «In einer solchen Situation werden wir die Stadt so schnell nicht nochmals erleben. Wir mussten das festhalten», sagt Daniel Bachofen. Gesagt, getan. Der 37-jährige Abtwiler hat den Lockdown genutzt und zusammen mit seinem Kollegen ein spektakuläres Drohnenvideo mit Bildern aus der Gallusstadt gedreht.

Tausendfache Klicks in den Sozialen Medien

Zwei Wochen haben die beiden Drohnenpiloten an den Aufnahmen gearbeitet, ehe das Endergebnis da war. Besonders viel Zeit in Anspruch genommen habe der Schnitt, so Bachofen. «Es war nicht einfach, einen passenden Soundtrack zu finden, der auch noch lizenzfrei war.» Der Clip wurde mehrmals über den Haufen geworfen und wieder neu aufgesetzt. Irgendwann hatten sie die perfekte Kombination von Musik und Bild gefunden und finalisierten das Ganze.

Wer sich das knapp zweiminütige Video anschaut, erkennt, dass es sich nicht um gewöhnlichen Aufnahmen handelt. Bachofen, der Gründer der Firma Triple F ist, hat sich mit drei weiteren Kollegen auf sogenannte Cinematic-First-Person- Aufnahmen spezialisiert. Das Team filmt nicht wie gewöhnlich von oben herab, sondern geht ganz nah ran an Gebäude und Objekte.

Drohnenpilot und Firmeninhaber Daniel Bachofen.

Drohnenpilot und Firmeninhaber Daniel Bachofen.

Benjamin Manser
«Wir wollen den Zuschauer durch unsere Aufnahmen mitten in das Geschehen und an Orte bringen, die man sonst niemals zu Gesicht bekäme.»

Und so zeigen die Aufnahmen nicht nur das Dach der St.Galler Kathedrale aus nächster Nähe, man fliegt auch zwischen den Füssen des Vadiandenkmals durch, zieht an einer fahrenden Komposition der Appenzeller Bahnen vorbei und gleitet sogar unter dem St.Galler Bahnhofsdach hindurch.

Das Ergebnis scheint den Leuten zu gefallen. Während der Dreharbeiten erhielten die Filmer viel Zuspruch von Passanten. Auf den Sozialen Medien wurden die Aufnahmen innert Stunden tausendfach aufgerufen und rege weiterverbreitet. Negative Reaktionen blieben bisher aus.

Lediglich 170 Gramm leichte Drohne im Einsatz

Wie aber war das Ganze möglich? «Um so etwas zu verwirklichen, braucht es in erster Linie die nötige Flugerfahrung. Aber auch die entsprechende Ausrüstung und Zeit», erklärt Bachofen. Für das Video waren er und sein Kollege zwei Tage in den fast menschenleeren Strassen mit einem Roller unterwegs. Ganze fünf Drohnen kamen zum Einsatz, und für einige besonders spezielle Aufnahmen verwendeten die beiden einen zehn Zentimeter kleinen und lediglich 170 Gramm leichten Copter. «Dank dieser kleinen Drohne konnten wir Gebäude aus nächster Nähe anfliegen und auch aus Innenräumen filmen, ohne grössere Risiken einzugehen.»

Die eingesetzte Minidrohne: Zehn Zentimeter gross und rund 170 Gramm leicht.

Die eingesetzte Minidrohne: Zehn Zentimeter gross und rund 170 Gramm leicht.

PD

Ganz ungefährlich waren die Luftaufnahmen nicht. Etwas passieren könne immer, sagt Bachofen. Doch die beiden vertrauen auf ihre Erfahrung, schliesslich üben sie das Fliegen mit den Drohnen wöchentlich. «Und obwohl es in St.Gallen noch kein offizielles Drohnenflugverbot gibt, fliegen wir grundsätzlich nicht in Grossstädten. Es sind einfach zu viele Menschen auf einem Haufen, und wir möchten kein unnötiges Risiko eingehen. Wegen des Coronavirus war die Stadt aber praktisch menschenleer, das haben wir ausgenutzt.»

Keine Bedrohung für den Flugverkehr

Bachofen erklärt weiter, dass ihre Art des Filmens keine Bedrohung für den Flugverkehr darstelle.

«Mit unseren Drohnen fliegen wir nur in geringer Höhe. Sobald wir Helikopter am Himmel sehen, holen wir unsere Drohnen runter.»

Zudem stehen für sie als Filmer die Stadt und die Landschaft im Vordergrund und nicht die Menschen.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Dionys Widmer, Sprecher Stadtpolizei St.Gallen.

PD

Auf Nachfrage bei der Stadtpolizei bestätigt Mediensprecher Dionys Widmer: «Ja, ein Drohnenverbot gibt es in der St.Galler Innenstadt nicht.» Alle Drohnenpiloten müssen sich aber an die vom Bundesamt für Zivilluffahrt (BAZL) verordneten Massnahmen halten. Diese besagen, dass im Umkreis von fünf Kilometern rund um Flugplätze und Heliports für den Betrieb einer Drohne über 0,5 Kilogramm vorgängig eine Bewilligung entweder durch den Flugplatzhalter oder bei grösseren Flugplätzen durch die Flugsicherung Skyguide benötigt wird.

Drohnenverbotszonen rund um die Schwägalp und vor allem am Bodenseeufer

Die Innerrhoder Regierung will noch dieses Jahr ein Drohnenverbot über dem Alpstein aussprechen. Ennet der Grenze zum Kanton Appenzell Ausserrhoden gibt es bereits eine derartige Flugverbotszone. Rund um die Schwägalp müssen Drohnen wegen einem sogenannten Jagdbanngebiet am Boden bleiben. Abgesehen davon existieren Drohnenverbotszonen in der Ostschweiz vor allem rund um Flugplätze. So dürfen in einem Abstand von fünf Kilometern weder Drohnen noch Modellflugzeuge abheben. Die schärfsten Restriktionen greifen entlang des Bodenseeufers. Von Frasnacht bis Rheineck müssen sich Drohnenpiloten zurückhalten. Rund um den Flugplatz Altenrhein gilt ebenfalls ein Flugverbot. In der sogenannten Kontrollzone der Anflugsschneise dürfen Drohnen nicht höher als 150 Meter steigen. Wegen Wasser- und Zugvogelreservaten sind Drohnenflüge über dem See bei Steinach Rorschach und Staad untersagt. Drohnenpiloten, die sich nicht an die Regeln halten, nehmen eine Busse in Kauf. (nh/lex)

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Christa Kamm-Sager