Fabian Schmid

Von der Strasse auf die Gleise

Der Leiter Postauto Region Bern Fabian Schmid wird im Juni Direktor von RBS und BSU. Er freut sich auf den neuen Posten.

Katharina Schwab
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Solothurner Zeitung

«Ich freue mich auf ein umfassendes Aufgabenpaket», sagt Fabian Schmid zu seinem neuen Posten als Direktor des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) und Busbetrieb Solothurn und Umgebung (BSU). Und umfassend werden seine Aufgaben sein. An vorderster Front steht das Projekt für einen neuen Bahnhof für den RBS in Bern. Dieser sei mit täglich bis zu 55000 Pendlern an der Kapazitätsgrenze angelangt und es sei sehr wichtig, «dass dort ein Schritt gemacht wird», so Schmid.

Er selber könne die verschiedenen diskutierten Lösungen noch nicht beurteilen, aber für ihn ist klar, dass das Projekt «breit abgestützt und gut evaluiert» sein muss. Schon bald soll die Öffentlichkeit über die so genannte «Bestvariante» informiert werden; dann geht die Arbeit für den neuen Direktor in eine neue Phase. Gemeinsam mit den Projektpartnern – allen voran Kanton und Stadt Bern, SBB und BLS – muss er sicherstellen, dass die Finanzierung gelingt und dass auch die Kommunikation sorgfältig aufbereitet wird – jede Menge Arbeit also: «Wenn mich diese Aufgaben abgeschreckt hätten, wäre ich wohl nicht der richtige Mann gewesen», sagt Fabian Schmid. Zudem sei das Projekt im öffentlichen Interesse.

Ruhiges Postauto

Momentan ist er allerdings noch mit Postautos beschäftigt. 2010 fuhr das erste Hybrid-Postauto in der Umgebung Berns. Und es fährt immer noch: Man habe festgestellt, dass es problemlos auf allen Linien fahren könne; so auch auf hügeligen Strecken und nicht nur in städtischen Gebieten. Indes: «das Hybrid-Postauto kann verunsichern», so Schmid, weil es während des Bremsens Strom gewinne und beim Anhalten automatisch der Motor abstelle. «Wir haben beobachtet, dass Menschen an den Haltestellen deswegen verwirrt und nicht sicher waren, ob das ‹Poschi› wirklich weiter fährt.» Aber das tut es, und erst noch mit viel weniger Lärm, weil der Dieselmotor erst nach dem ersten Beschleunigen – mit etwa 15 Stundenkilometer – wieder startet. Auch Kinderkrankheiten mussten während der ersten Monate erkannt und behoben werden.

Nicht das Letzte

Das Hybrid-Postauto spare 20 bis 30 Prozent Diesel ein: «Wirtschaftlicher als normale Diesel-Fahrzeuge ist es deswegen noch nicht, da die Stückpreise sowie Wartung und Reparaturen teurer sind und der Diesel ein tragbares Preisniveau aufweist.» Trotzdem ist Schmid überzeugt, dass es in der Schweiz nicht das letzte seiner Art sein werde. Beispielsweise seien für Ende 2011 zwei Hybrid-Busse in Frauenfeld geplant.

Besonders stolz ist Schmid auch auf die Umsetzung des Ortsbusses Lyss, welche von Postauto geführt wurde: «Wir haben innert sehr kurzer Frist das Projekt auf die Beine gestellt – und der Start ist gelungen.» Ein anderes Ziel war, mit Bernmobil und RBS zusammen einen Handy-Fahrplan mit Echtzeitinformationen zu erstellen und auch das sei erreicht worden.

Im «Poschi» lesen und arbeiten

Wenn Fabian Schmid in naher Zukunft zu RBS und BSU wechseln wird, ist das für ihn kein hundertprozentiger Abschied. Da schon jetzt viele Kooperationen bestünden, wie er sagt. Vor fünf Jahren wurde gar über eine Fusion von Postauto und RBS diskutiert, und obwohl diese fallen gelassen wurde, folgte daraus eine enge Zusammenarbeit: «Wir suchen immer wieder nach Möglichkeiten, um Synergien zu nutzen», sagt Schmid. Wenn, dann sei der Konkurrenzkampf nur noch bei gewissen Ausschreibungen zu spüren.

Der Vater von drei Kindern fährt sowohl beruflich als auch privat mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob er lieber mit «Poschis» oder Zügen der RBS fährt, könne er nicht sagen. Auch im Postauto könne er lesen und arbeiten und sogar in Gegenrichtung sitzen: «Es wird mir nicht schlecht.»

«Es ist ärgerlich»

Was er an beiden Unternehmen schätze, seien ihre Zuverlässigkeit und Kundenfreundlichkeit. Was ist denn sein erster Gedanke, wenn er mit öV fährt und dieser verspätet sich? «Ich gebe zu, es ist ärgerlich. Aber wenn ich die Lautsprecherstimme mit Informationen höre, bin ich beruhigt, weil ich nicht alleine gelassen werde.» Zudem seien Verspätungen insgesamt die Ausnahme. Und bei den Schneeverhältnissen im Dezember, als es häufiger zu Verspätungen kam, seien die Alternativen – Fuss, Velo oder Auto – weder schneller noch sicherer, so Schmid.

Die Arbeit im öffentlichen Verkehr bedeutet für Schmid die Grundaufgabe, einen Beitrag zur Lebensqualität zu leisten. Die Bevölkerung bekenne sich immer wieder zum öV, er sei den Menschen ein Anliegen. «Da alle mitbestimmen wollen und dürfen, gibt es auch Auseinandersetzungen.» Aber Schmid ist überzeugt, dass gerade durch diese Diskussionen die Entscheide in der Öffentlichkeit breit abgestützt sind. «Der öffentliche Verkehr geht alle etwas an. Er geniesst in der Schweiz eine hohe Identifikation, weil ihn alle brauchen – das ist wahrscheinlich der Erfolgsfaktor unserer öffentlichen Verkehrssysteme.»