FC Basel

Punkteteilung in Thun: Ein Novum und viele Gerüchte

Es war eine aufregende Partie im Berner Oberland, aus der schlussendlich ein gerechtes 2:2-Unentschieden resultierte. Die Basler konnten zwischenzeitlich einen Rückstand drehen, bevor Sadik mit einem Traumtor zum Endresultat traf.

SI (Text) & Adrian Gottwald (Liveticker)
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FC Thun - FC Basel
10 Bilder
Berat Sadik und Arlind Ajeti im Kopfball-Duell.
Thuns Nelson Ferreira sprintet gegen Basels Goalie Germano Vailati.
Marek Suchy reisst Berat Sadik zu Boden.
Basels Robin Huser und Michael Siegfried.
Philipp Degen im Duell um den Ball gegen Nelson Ferreira.
Thuns Thomas Reinmann wehrt den Schuss von Yoichiro Kakitani auf der Linie ab.
Kopfball mal anders: Ahmed Hamoudi.
Shkelzen Gashi verwertet den Penalty gegen Goalie Guillaume Faivre: 1:1.
Basler Jubel nach Yoichiro Kakitanis Ausgleichstreffer zum 2:2.

FC Thun - FC Basel

Keystone

Worum drehen sich die interessanten Fragen, wenn fussballerisch alle Antworten schon bekannt sind? Wohin fliehen die Gedanken, wenn der Hinterkopf sagt, dass der Cupfinal erst in 12 Tagen stattfindet und in der Meisterschaft doch längst alles entschieden ist? Um die Welt der Gerüchte. Eine Welt, deren Faszination zunimmt, je näher der Sommer kommt.

Natürlich ist auch der FC Basel ständig davon betroffen. Gerade die Bundesliga hat in den letzten Jahren Schweizer Fussballer schätzen gelernt – und es könnten bald neue dazukommen. Gestern berichtete die Kölner Zeitung «Express» vom Interesse des 1. FC Köln an Fabian Frei.

Rihs’ Kampfansage an den FCB

In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» spricht YB-Investor Andy Rihs offen davon, dass die Berner in der kommenden Saison den FC Basel im Kampf um den Meistertitel angreifen werden. «Die Spielerkosten werden steigen, weil wir sehr viel einkaufen müssen.» Wie viel Geld der Mitbegründer des Hörgeräteherstellers Sonova investieren will, lässt Rihs offen. Er und sein Bruder Hans-Ueli hätten bereits in der laufenden Saison ein Millionendefizit gedeckt. Die Berner verloren gestern ihre zweitletzte Partie der Saison in Sion mit 2:6. Damit ist der Rückstand auf den Meister Basel auf 12 Punkte angewachsen. (nch)

Als wir den hofierten Frei im Anschluss an das 2:2 in Thun auf Köln ansprechen, antwortet er lächelnd: «Köln ist eine super Stadt, mit einem super Karneval.» Diese Worte sollte man nun nicht bereits als Votum für den pulsierenden FC Köln deuten. Schliesslich schiebt Frei auch nach: «Über meine Zukunft denke ich erst am Montagmorgen nach dem Cupfinal intensiv nach – wenn wir gewinnen vielleicht auch erst am Nachmittag.» Klar ist: Köln ist nicht der einzige Bundesligist, der Frei gerne im Kader hätte. Auch in Stuttgart, Hannover oder Bremen denken die Manager intensiv über Frei nach.

Drei Meisterschaftsspiele ohne Sieg

Aus Chronistenpflicht gehen wir aber von der Welt der Gerüchte auf den Thuner Plastikrasen. Die gute Nachricht: Im Vergleich zum Nach-Meister-Spiel in Aarau zeigte sich der FCB im Berner Oberland verbessert. Zu einem Sieg reichte es aber wieder nicht. Drei Spiele in der Meisterschaft ohne Vollerfolg, das ist ein Novum unter Paulo Sousa – eines allerdings, über das die rot-blaue Gemeinde ziemlich entspannt hinwegschauen kann.

In der sousa’schen Castingshow für die nächste Saison erhielten erneut einige Ergänzungsspieler Auslauf. Einen guten Eindruck hinterliess Robin Huser, auch wenn er bezüglich Physis noch an Grenzen stösst. Mit Albian Ajeti sollten die Basler Verantwortlichen sehr bald das Thema «Verhalten auf dem Platz» repetieren.

Für die Basler Sorgenkinder im Angriff – Yoichiro Kakitani und Ahmed Hamoudi – entwickelte sich der Nachmittag beim FC Thun nach zähem Beginn doch noch positiv. 70 Minuten lang waren beide nahezu unsichtbar, wechselten sich mit Unzulänglichkeiten ab. Doch dann fädelte Hamoudi, vom eingewechselten Zuffi herrlich lanciert, im Thuner Strafraum am Bein von Sulmoni ein und bescherte seinem Team einen Penalty. Gashi verwertete ihn. Keine zwei Minuten später stand es plötzlich 2:1 für den FCB. Nach einem langen Ball von Frei profitierte Kakitani von einem Missverständnis zwischen Thun-Goalie Faivre und Reinmann. Der Heber zeugte von jener Eleganz im Spiel des Japaners, die man so häufig vermisst, aber anscheinend doch existieren würde.

Kunstwerk eines Tores

Für den Sieg reichten diese zwei Tore aber doch nicht. Das ist einerseits nichts als gerecht, weil sich die starken Thuner den einen Punkt mehr als verdienten. Und das liegt andererseits explizit an Berat Sadik. Der Stürmer traf zweimal, sein Ausgleich kurz vor Schluss war ein Kunstwerk eines Tores – und erinnerte an jenen Treffer von James Rodriguez im WM-Achtelfinal von Kolumbien gegen Uruguay. «So ein Tor gelingt dir wahrscheinlich nur einmal im Leben», sagte Sadik. Es war für ihn der perfekte Abschied im letzten Thuner Heimspiel. Der Verein kann seinen Vertrag aus finanziellen Gründen nicht verlängern.

Während der FCB nun auf das letzte Meisterschaftsspiel von Captain Marco Streller am Freitag gegen St. Gallen hinfiebert, geht es für Thun in Aarau noch darum, den dritten Rang zu sichern – und damit eine Runde später in die Europa-League-Qualifikation starten zu können. Und dann, wenn auch noch der Cupfinal gespielt ist, gehört die Bühne wieder den Gerüchten.

Nach dem Rücktritt von Streller sucht der FCB bekanntlich eine Ergänzung zu Breel Embolo. Eine gute Lösung wäre zweifelsfrei Admir Mehmedi. Er ist jung, er ist Schweizer, Nationalspieler gar, in der Offensive auf praktisch allen Positionen einsetzbar und er würde auch ins Lohngefüge passen. Die Frage ist, ob Mehmedi bereit ist für eine Rückkehr in die Schweiz, oder ob er eine Alternative in der Bundesliga favorisiert, womöglich Stuttgart oder Gladbach. Auf gutem Weg sind auch die Gespräche mit Michael Lang. Der GC-Verteidiger sucht eine neue Herausforderung. Der Schritt nach Basel würde für beide Seiten Sinn ergeben.
Doch nun rückt noch einmal der Sport in den Vordergrund. Und natürlich Marco Streller.

Thun - Basel 2:2 (1:0)

8717 Zuschauer. – SR San. – Tore: 16. Sadik (Ferreira) 1:0. 73. Gashi (Foulpenalty/Hamoudi) 1:1. 75. Kakitani (Frei) 1:2. 86. Sadik (Reinmann) 2:2.

Thun: Faivre; Glarner, Reinmann, Sulmoni, Wittwer; Sutter (78. Munsi), Siegfried; Rojas (67. Markovic), Frontino (74. Karlen), Ferreira; Sadik.

Basel: Vailati; Degen, Suchy (88. Safari), Arlind Ajeti, Traoré; Elneny (54. Zuffi), Frei; Albian Ajeti (63. Gashi), Huser, Hamoudi; Kakitani.

Bemerkungen: Thun ohne Hediger (gesperrt), Schindelholz, Schirinzi, Alexander Gonzalez, Schenkel, Causi (alle verletzt), Basel ohne Samuel (gesperrt), Ivanov, Schär (beide verletzt), Vaclik, Streller, Delgado, Derlis Gonzalez und Calla (alle kein Aufgebot). Verwarnungen: 59. Frontino (Unsportlichkeit). 68. Hamoudi (Foul). 90. Huser (Foul).

Lesen Sie den Verlauf der Partie im Live-Ticker nach: