Jungfraujoch

In den Schweizer Bergen geht selbst Olympiasiegern der Schnauf aus

Das kreative Marketing von «Jungfrau – Top of Europe» setzt bei seiner Vermarktung konsequent auf Spitzensportler. Weltstars wie Sprint-Mann Asafa Powell oder Basketball-Legende Tony Parker trafen sich inmitten einer wunderschönen Bergkulisse und duellierten sich in verschiedenen Sportarten.

Rainer Sommerhalder
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Das Treffen der Titanen - Der Schweizer Dario Cologna (l.) und der Sprint-Star Asafa Powell (r.) auf dem Jungfraujoch.

Das Treffen der Titanen - Der Schweizer Dario Cologna (l.) und der Sprint-Star Asafa Powell (r.) auf dem Jungfraujoch.

Keystone

Wer hat die beste Sportinfrastruktur in der Schweiz? Zürich, Basel oder Bern? Richtige Antwort: Das Jungfraujoch! Bei Bedarf stellen die umtriebigen Berner Oberländer eine 100-m-Laufbahn, einen Sägemehlring, einen Tenniscourt, eine Basketballarena oder sogar ein veritables Fussballfeld auf den Gletscher. Nicht immer zur Freude der Naturschützer, welche das sterbende Eis in den Alpen dergleichen auch noch auf dekadente Art und Weise zweckentfremdet sehen.

Das kreative Marketing von «Jungfrau – Top of Europe» lässt sich dadurch nicht entmutigen. Denn nicht nur die temporären Sportstätten auf 3500 m über Meer sind äusserst exklusiv, auch die darauf agierenden Ausnahmekönner gehören zur höchsten Hubraumklasse im internationalen Sport. Da spielt Roger Federer schnell ein Tennismätschli gegen seinen grössten Fan Lindsey Vonn, da rennt Jamaikas Sprinter Asafa Powell gegen Langläufer Dario Cologna um die Wette, da treiben Vitali und Wladimir Klitschko ihre späteren (Fallobst-)Gegner promomässig schon mal in einigen Sparringrunden durch den Ring, und da spielt Töffstar Dominique Aegerter zum Plausch einige Löcher Golf auf blankem Eis.

Ein Cricketspieler lockt die Inder

Ja, die Jungfrau hatte sie alle. Neben Federer und den Klitschkos auch Rad-Olympiasieger Fabian Cancellara oder Basketball-Star Tony Parker. Schon gilt unter Sportlern als Gradmesser für die Popularität die Frage: Warst du schon auf dem Jungfraujoch? Selbst für hiesige Breitengrade äusserst exotische Gäste gaben sich die Ehre. Angeführt von der lebenden Legende Kapil Dev spielte Indien einen Cricket-Match gegen den grossen Konkurrenten und Kolonialisten England. Das Kalkül dahinter ist durchschaubar: Der Inder als Tourist soll auf seiner Europatour das Berner Oberland besuchen. Dorthin reisen, wo der berühmteste Sportler des Landes seinen Fussabdruck hinterliess.

Weltklasse-Orientierungsläuferin Judith Wyder auf Postensuche im ewigen Eis.

Weltklasse-Orientierungsläuferin Judith Wyder auf Postensuche im ewigen Eis.

Simon Vogt

Angefangen hat die «Sportlermania» ein Jahr vor der Fussball-EM in der Schweiz. Auf einem Kunstrasen-Teppich trafen sich Spieler aus ganz Europa zum Euro-Kick-off. Aus der Idee wurde Programm. «Wir sind ein sportaffines Unternehmen, geprägt auch vom Lauberhorn-Rennen und vom Jungfrau-Marathon», sagt Christoph Schläppi von der Unternehmensleitung. Nur den Vorwurf der himmlischen Bestechung kann er nicht widerlegen. Elfmal waren bisher Sportler am Werk, elfmal zeigte sich das Wetter von der allerbesten Seite. Als wisse Petrus, dass sich ein Ort auf 3500 m ü. M. bei Schneesturm kaum profilieren kann.

Die Freudensprünge von Powell

Nicht nur die Wettergötter waren begeistert, sondern auch die Stars. Sprinter Powell sei beinahe ausgeflippt aufgrund der Kulisse, nachdem er aus dem Helikopter gestiegen war. «Er wollte gar nicht mehr weg und hat noch Tage nach dem Besuch auf seiner Facebook-Seite ständig Fotos vom Jungfraujoch gepostet», sagt die Marketingfrau der Jungfraubahnen.

Was will man mehr - eine traumhafte Kulisse, neugierige Zuschauer und einige der besten Athleten zu Gast im Berner Oberland.

Was will man mehr - eine traumhafte Kulisse, neugierige Zuschauer und einige der besten Athleten zu Gast im Berner Oberland.

Keystone

Und nun also waren diesen Mittwoch die Orientierungsläufer an der Reihe. Sie absolvierten zwei Tage vor dem Weltcupfinal in Aarau zur Lancierung der nächstjährigen Austragung in Grindelwald einen Showparcours in und um die Bergstation. Obwohl die geballte Weltelite aus der Schweiz, aus Schweden und Norwegen am Start war und das Jungfraujoch wohl noch nie eine solche Fülle an Weltmeistertiteln erlebt hat, traute man den OL-Läufern als tragendes Marketing-Element offensichtlich zu wenig und stellte ihnen als Unterstützung den Olympiavierer von Rio zur Seite. Und die Ruderer hinterliessen auf dem Jungfraujoch gleich mal eine Duftmarke. Weniger beim OL-Sprint als mit ihrer spontanen Gletscherwanderung zur Mönchshütte. Weil sie den Aufstieg in dünner Luft unterschätzten, verpassten sie um ein Haar die Rückfahrt. Doch auf Olympiasieger wartet selbst die Jungfraubahn. Ihnen sei buchstäblich der Schnauf ausgegangen, sagte Simon Schürch.

Nur ein Superstar gab der Jungfrau bisher tatsächlich einen Korb. Übersprinter Usain Bolt sagte ohne Begründung kurzfristig fürs Duell gegen Cologna ab. Sein Ersatz Asafa Powell wird es ihm ewig danken.