Oberengstringen

Er verhilft den Menschen in Burma zum Erfolg – Niklaus Brockhaus leitet seine eigene Stiftung "Ineduco"

Niklaus Brockhaus aus Oberengstringen gründete vor zwanzig Jahren seine Stiftung und investiert ehrenamtlich Zeit und Geld für eine bessere Welt.

Cynthia Mira
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Niklaus Brockhaus reist jedes Jahr nach Burma. Der Kontakt und der Austausch mit den lokalen Projektverantwortlichen seien ihm wichtig, sagt er.

Niklaus Brockhaus reist jedes Jahr nach Burma. Der Kontakt und der Austausch mit den lokalen Projektverantwortlichen seien ihm wichtig, sagt er.

Sandra Ardizzone

Jeder gespendete Franken fliesst in die Projekte in Burma. Dieses Versprechen hält Niklaus Brockhaus aus Oberengstringen seit nunmehr zwanzig Jahren. Seine Stiftung gründete er 2007. Sie trägt den Namen Ineduco. Eine Zusammensetzung der englischen Wörter Income für Einkommen, Education für Ausbildung und Community für Gemeinschaft. Es sind die drei Pfeiler, auf denen seine Entwicklungszusammenarbeit fusst. Die Stiftung hat die Beratung, Finanzierung und Betreuung von kleinen bis mittleren Entwicklungsprojekten zum Ziel. Bisweilen wird auch Nothilfe geleistet. In den Jahren vor der Gründung der Stiftung hatte Brockhaus in Eigenregie Geld zusammengebracht und gespendet. Er entschied sich für die Entwicklungshilfe in Burma, nachdem er 2001 eine längere Reise in diesem Land antrat. In dieser Zeit knüpfte er erste Kontakte. Mit dem Restgeld der Reise tätigte er damals seine erste Spende.
Er wolle einen Beitrag dazu leisten, die Selbstständigkeit und den Selbstwert der Burmesen voranzutreiben, sagt Brockhaus. «Die Einheimischen haben jahrzehntelang unter der politischen Unterdrückung der Militärdiktatur gelitten», sagt er. Nach jahrelanger Indoktrination sollen die Projekte den Menschen helfen, eine selbstbestimmtere Zukunft aufzubauen. Dies, indem Ausbildungen und einkommensfördernde Massnahmen unterstützt werden. In Zahlen heisst das, dass über 8000 Personen in mehrheitlich ländlichen Gebieten von der Stiftung profitieren. Jedes Jahr kommen dabei bis zu 100000 Franken zusammen. Rund fünfzehn Projekte werden derzeit begleitet.

Schülerinnen und Schüler erhalten ein Diplom

Brockhaus reist ein bis zwei Mal im Jahr nach Burma, damit er die Projekte begleiten kann. Die Kosten für Logis und Flug trägt er seit Jahren selber. Die Tätigkeiten als Geschäftsleiter seiner Stiftung verrichtet er ehrenamtlich. Ebenso wie die Stiftungsräte und die Revision. In Burma arbeitet er mit Einheimischen zusammen. Für ihn sei es wichtig, sich an den Bedürfnissen der Menschen im Land auszurichten. Es gehe nicht darum, ihnen etwas aufzuerlegen. Er wolle in erster Linie Hilfe anbieten, damit mit einem Vorhaben überhaupt gestartet werden könne. Dazu gehören etwa die Anschaffungen von Nähmaschinen oder von Spielzeug.
Auch Weiterbildungen zu betriebswirtschaftlichen oder umwelttechnischen Themen werden von Ineduco angeboten. «Es gibt Einwohner, die können Einnahmen nicht von Ausgaben unterscheiden», sagt Brockhaus. Das gelte zum Teil auch für Leute, die in einer kleinen Buchhaltungsabteilung arbeiten würden. «Wir bieten einen Kurs an, der den Schülerinnen und Schüler ein diesbezügliches Grundwissen vermittelt. Sie erhalten am Ende der Ausbildung ein Diplom», sagt er.
Brockhaus hat selbst Wirtschaftswissenschaften studiert und war in der Schweiz lange Zeit als Lehrperson in der Erwachsenenbildung tätig. Bei einem seiner schönsten Projekte, wie er sagt, gelang es, langfristig einen Kinderhort aufzubauen. «Was braucht ihr?», habe er die Verantwortlichen vor dem Beginn dieses Kleinprojektes gefragt. Die Antwort lautete: Spielsachen, und eine Truhe, um diese zu versorgen. Zudem müsste ein Teil der Löhne für die Betreuerinnen bezahlt werden. Das Ziel sei es gewesen, dass die Löhne nach und nach selber getragen werden konnten. Das habe funktioniert. Obwohl diese Ansage von Brockhaus auf wenig Verständnis stiess. «Warum werden wir bestraft, wenn wir es geschafft haben?», sei er gefragt worden. Es habe viel Überzeugungsarbeit gebraucht, um ihnen klar zu machen, dass das keine Bestrafung sei.

Sie sprechen nicht nur eine andere Sprache, sondern denken ganz anders.

(Quelle: Niklaus Brockhaus, Geschäftsleiter der Stiftung Ineduco)

Er wolle keine Abhängigkeiten schaffen, sondern auch anderen Menschen die Möglichkeit geben, etwas Neues anzufangen. Dafür bietet er eine Starthilfe an. Dass der Hort auch nach Unruhen in der Region standhaft blieb, freue ihn besonders. Der Hort überlebte ohne weitere Unterstützung und konnte sich auch vergrössern. Die jahrzehntelange Unterdrückung der Bevölkerung spüre er weiterhin. Etwa dann, wenn er sich als einzige Person auf einen Stuhl setzen soll und alle anderen sich vor ihm in den traditionellen Schneidersitz begeben. Nach einer Knieoperation habe er seinem Arzt und seiner Physiotherapeutin gesagt, dass er in wenigen Monaten wieder den Schneidersitz können müsse, sagt Brockhaus und lacht. Er müsse den ­lokalen Projektverantwortlichen auch immer kommunizieren, dass seine Besuche nicht nur eine Kontrolle seien. Sie seien vielmehr als Wertschätzung gegenüber den Leuten gedacht, die etwas auf die Beine stellten. Verhandlungen zu führen und Unterstützung anzubieten, sei manchmal gar nicht so einfach. «Die Burmesen sprechen nicht nur eine andere Sprache, sondern denken ganz anders», sagt Brockhaus. Manchmal komme es vor, dass eine von ihm gestellte Frage schlicht nicht verstanden werde. «Sie verstehen unsere Logik nicht und können die Frage nicht nachvollziehen. Sie verstehen dann gar nicht, was ich wissen möchte», sagt Brockhaus. Es brauche deshalb zusätzlich einen «Kulturübersetzer». Nur die englische Übersetzung reiche nicht aus. «Es braucht im Idealfall eine Person, die beide Kulturen und Sprachen kennt und erlebt hat», sagt er.
Für die Unterstützung seiner Entwicklungshilfe kann Brockhaus seit vielen Jahren auf Privatpersonen aus seinem Umfeld zählen. Hinzu kommen Gelder von anderen Stiftungen und Kircheninstitutionen. Jedes Jahr erhalten die Spenderinnen und Spender einen Bericht über den Stand seiner Projekte. Zudem geht ein jährliches Reporting an die Stiftungsräte sowie an die Eidgenössische Stiftungsbehörde EDI als Aufsichtsbehörde. Er wolle nicht expandieren, sondern genauso weitermachen, sagt Brockhaus. Ganz wichtig sei ihm auch der regelmässige, vertrauensbildende Kontakt mit den lokalen Projektverantwortlichen. Denn so könne er in Burma im Kleinen etwas bewirken.