Ratgeber Gesundheit
Die Ursache an der Prostata packen

Gibt es bei einem immer wiederkehrenden Divertikel in der Harnblase andere Behandlungsmöglichkeiten ausser Antibiotika? Herr B. L. aus W.

PD Dr. med. Lukas Hefermehl, Leitender Arzt Urologie, KSB
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Gesundheit Aargau

Neben der Antibiotikatherapie hilft es manchmal, die Trinkmenge zu erhöhen oder harnmodulierende Produkte wie etwa Cranberry-Extrakte einzunehmen. Tatsächlich sollten aber, wenn immer möglich, nicht nur die Symptome eines Problems, sondern möglichst auch deren Ursachen behandelt werden. In Ihrem Fall sind die ständigen Harnwegsinfekte Ausdruck einer erschwerten Blasenentleerung. Ist die Blasenentleerung unvollständig, können sich potenzielle Bakterien im Restharn rasch vermehren und zu symptomatischen Harnwegsinfekten führen. Divertikel sind solche Reservoirs. Gleichzeitig sind Divertikel Ausdruck einer Blasenentleerungsstörung, bei Männern in der Regel aufgrund von einer gutartigen Prostatavergrösserung: Die Prostata drückt auf die Harnröhre und die Blase muss zur Entleerung einen sehr hohen Druck ausüben. Viele Männer berichten dann über einen abgeschwächten Harnstrahl. Mit der Zeit bilden sich in der Blase Ausstülpungen, sogenannte Divertikel. Kommt es bei Männern zu Blaseninfekten, ist eine gute Abklärung angezeigt. Eine Standortbestimmung in der Urologie schafft Klarheit. Sollte im Falle einer gutartigen Prostatavergrösserung die medikamentöse Therapie zu wenig effektiv sein, kann der innere Teil der Prostata in einer minimalinvasiven Operation durch die Harnröhre verkleinert werden. Bei uns hat sich die Methode mit bipolarem Strom oder mit dem Laser bestens bewährt. Sehr grosse Divertikel bilden sich aber auch dann meist nicht zurück. Falls die Probleme weiter bestehen, können Divertikel operativ entfernt werden. Am Kantonsspital Baden führen wir die Operation meist minimalinvasiv mit dem Einsatz eines sogenannten Da-Vinci-Roboters durch. Die Entfernung von Divertikeln ist aber nur dann sinnvoll, wenn deren Ursache behoben wurde und auch danach tatsächlich noch Probleme bestehen. Das heisst: Auch hier gilt es, die Ursache an der Wurzel zu packen, in unserem Fall an der Prostata.