Die Läden bleiben am Sonntag zu

Gewerbe Olten verzichtet auf den Sonntagsverkauf im Frühling, denn die Umsätze liessen zu wünschen übrig. Nun soll der Sonntagsverkauf nur noch im Herbst stattfinden.

Urs Huber und Melina Aletti
Drucken
Teilen
Der lange Frühstückstisch am verkaufsoffenen Sonntag, wie der hier im Jahr 2011, ist in bester Erinnerung geblieben.

Der lange Frühstückstisch am verkaufsoffenen Sonntag, wie der hier im Jahr 2011, ist in bester Erinnerung geblieben.

Es steht fest: Heuer findet kein Sonntagsverkauf im April statt; auch nicht im Mai oder Juni. Es gibt überhaupt keinen Sonntagsverkauf in der ersten Jahreshälfte 2017. Grund dafür: «Die Umsätze bei den Detaillisten liessen zu wünschen übrig», erklärt Daniela Gaiotto, Co-Präsidentin von Gewerbe Olten. Schon von allem Anfang an, also seit 2011, waren die Umsätze im jeweiligen Sonntagsverkauf im Herbst doch deutlich besser als jene im Frühling. «Es ist eben schon nicht sehr motivierend, wenn der Aufwand für die Ladengeschäftebetreiber in keinem Verhältnis zum Umsatz steht. Das ist auch der Grund, weshalb wir neu den Sonntagsverkauf vom Frühling in den Herbst verlegen möchten», so Daniela Gaiotto. Ein entsprechendes Gesuch sei eingereicht worden. «Der Entscheid des Regierungsrates steht aber noch aus», räumt die Co-Präsidentin ein.

Und warum floppte der Frühlingsverkauf? «Es ist letztlich schwierig zu sagen», so Daniela Gaiotto. Sicher ist: Der Erfolg im April ist stets vom Wetter abhängig; und zwar extrem. Den absoluten Höhepunkt an frühlingshaften Bedingungen lieferte gleich der erste Sonntagsverkauf im Jahr 2011. Trocken, sonnig und warm waren dessen Attribute. In bester Erinnerung geblieben ist deshalb der lange Frühstückstisch in der Hauptgasse. In andern Jahren aber gab sich der Frühling äusserst winterlich.

Diskussionen seit 2013

Und nun das Ende: Die Diskussion um die Weiterführung des Frühlingsanlasses währt allerdings schon ein Weilchen: Bereits 2013 liess Gewerbe Olten durchblicken, man müsse bezüglich Durchführung über die Bücher. «Damals herrschte aber noch die Meinung vor, der Idee weiterhin eine Chance zu geben», so Gaiotto. Nun aber sei der Entscheid herangereift, auf den Frühlingsverkauf zu verzichten. Der Regierungsrat als zuständige Instanz wird also darüber befinden, ob in Olten künftig im Herbst zwei verkaufsoffene Sonntage warten.

Ein Rückblick: Die Begeisterung für den ersten Sonntagsverkauf 2011 war gross. Der Sonntagsverkauf müsse «etwas für die Freude sein», liess sich das Gewerbe zitieren. Und: Der Sonntagsverkauf sei eine Investition in die Zukunft. Aber mit Begeisterung allein lässt sich kein Staat machen. Klaus Kaiser, Geschäftsführer der «Suteria» und auch schon als «Vater des Sonntagsverkaufs» bezeichnet, hält fest: «Derjenige im Frühling war allgemein schwach frequentiert.» Dass dieser einzige verkaufsoffene Sonntag im ersten Halbjahr nun in den Herbst verschoben werden soll, befürwortet er absolut. «Das ist ein guter Weg und eine Chance, etwas Neues auszuprobieren.»

Mai wäre besser als April

Der «Suteria»-Chef steht mit dieser Einschätzung nicht alleine da. Auch Urs Bütler von der Buchhandlung Schreiber stellt fest: «Die Umsätze des Sonntagsverkaufs im Frühling waren eigentlich eher enttäuschend. Ich fand grundsätzlich immer, dass der April kein besonders geeigneter Monat dafür sei. Ferien, Ostern, unsichere Wetterlagen: Alles Faktoren, die sich auf die Umsatzzahlen niederschlagen können.» Schon der Sonntagsverkauf im Mai wäre besser gewesen, findet Bütler. Dass künftig im Herbst ein Pendant eingerichtet werden soll, begrüsst der Buchhändler absolut. «Sicher wäre das eine weit bessere Lösung als jede Frühlingsvariante», bilanziert er.

Etwas überrascht ob dem Entscheid gibt sich Beni Fasnacht vom Skate- und Snowboard-Shop Lumilauta. «Natürlich war der Sonntagsverkauf nie wirklich ein Schlager», sagt er. Und viele Ladengeschäfte hätten eh nie mitgewirkt am Sonntagsverkauf. Es sei wie mit dem dahin serbelnden Abendverkauf. Aber ausgerechnet der letzte Sonntagsverkauf im Frühling 2016 brachte ihm gute Geschäfte. Mehr als ein Dutzend Räder gingen weg. Die Terminierung des verkaufsoffenen Sonntags im Herbst hält er grundsätzlich eher für etwas spät, da Fasnacht vor allem Wintersportartikel verkauft. Aber: «Natürlich kann ich mit dem Entscheid gut leben», sagt der Detaillist, auch wenn er sich nicht verkneifen kann, den Verzicht als «keine gute Reklame für Olten als Einkaufsort» zu qualifizieren.

Gewisse innere Ruhe gönnen

Ein Skeptiker der Sonntagsverkäufe bleibt Daniel Schär. Der Pino Beck hat sich nie daran beteiligt; lediglich bei der Ouvertüre vor sechs Jahren war er dabei. «Wenn ich am Sonntag den Laden öffne, dann heisst das für mich, bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag aktiv zu sein», sagt er. Damit deutet er an, dass für eine Bäckerei nicht die Maxime gilt: Um elf Uhr morgens die Ladentür öffnen und die Kasse bereit halten. «Da steckt viele mehr dahinter», so Schär, der im Übrigen findet, man dürfe einem Laden auch mal eine gewisse innere Ruhe gönnen. Dass der Sonntagsverkauf in aller Regel wenig einträglich ist, kann er gut nachvollziehen. «Vor allem, wenn man eine Vollkostenrechnung mit allem Drum und Dran macht», schiebt der Pino-Beck hinterher.