Schlieren

Die Aufwertungsmassnahmen auf dem Gaswerk Areal funktionieren – das Gebiet hat neue Bewohner

Zahlreiche Tiere profitieren von Aufwertungsmassnahmen, die der Schlieremer Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe angestossen hat.

Cynthia Mira
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Beim neuen Weiher auf dem Gaswerkareal fühlen sich unter anderem blutrote Heidelibellen wohl.

Beim neuen Weiher auf dem Gaswerkareal fühlen sich unter anderem blutrote Heidelibellen wohl.

zvg

Auf dem Areal des Gaswerks in Schlieren läuft zurzeit ein Projekt für mehr Biodiversität. Das Gebiet soll ökologisch aufgewertet werden. Der Schlieremer Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe hatte das Vorhaben in die Wege geleitet. Die Projektverantwortliche Katrin Luder von der Naturschutz und Artenförderung GmbH, zieht nach rund zwei Jahren eine positive Bilanz. «Wir sind sehr zufrieden», sagt sie. Die Biologin ist regelmässig auf dem Gelände, um nach dem Rechten zu sehen.
Die ersten Aufwertungsmassnahmen tragen Früchte. So wurde beispielsweise ein verlandeter Weiher aufgewertet und damit neuer Lebensraum für Amphibien und Insekten geschaffen. Es war zunächst unsicher, ob der Weiher dicht bleibt. Die Zone war ein Sumpfgebiet. «Wir haben uns gegen eine künstliche Folie entschieden und wussten nicht, ob das Wasser abfliessen wird», sagt Luder. Das sei aber nicht der Fall. Zahlreiche Tiere würden von dieser neuen Wasserstelle und zahlreichen weiteren nun profitieren. Zudem habe es viele Vögel, die auf den zur Verfügung gestellten Holzstapeln Platz nehmen würden. Beim letzten Rundgang habe sie fünf Libellenarten entdeckt, sagt sie. Auf die Gelbbauchunke hingegen warte man noch. Für diese Amphibienart wurden sogenannte Unkenwannen erstellt. Das sind kleine mit Wasser gefüllten Vertiefungen im Boden. Die Tiere brauchen die Wasserstellen zur Eiablage. «Die Wannen dienen aber auch weiteren Tieren als Trinkstelle, etwa dem Fuchs und dem Dachs», führt Luder aus. Es sei erfreulich, wenn andere Arten ebenfalls einen Nutzen ziehen könnten.

Kampf gegen Windmühlen: Neophyten haben keine Feinde

So geschehen auch bei den Nistkästen. Kürzlich habe sie die installierten Fledermausnistkästen kontrolliert. «Leider waren keine Fledermäuse drin, aber fast in jedem Nistkasten hatte es ein Nest eines Gartenbaumläufers», sagt sie. Ein Projekt, das nie abgeschlossen sein wird, ist der Kampf gegen Neophyten. Die eingeschleppten Pflanzenarten haben in der Umgebung keine natürlichen Feinde und verdrängen bei starker Vermehrung die heimischen Pflanzenarten. Auf diese sind wiederum die heimischen Tiere angewiesen. Mitglieder des Vogel- und Naturschutzvereins Schwalbe helfen ebenfalls, Neophyten zu jäten. Unter ihnen ist Richard Oesterreicher. Auch er berichtet von ersten Erfolgen: «Eine der beiden Kisten, die für Hornissen gedacht ist, ist schon bewohnt», sagt er. In dieser kurzen Zeit sei das keine Selbstverständlichkeit.

Das Areal Gaswerk wird durch Initiative des Vogelschutzvereins Schlieren aufgewertet.
7 Bilder
Das Ziel des Projekts ist mehr Biodiversität.
Rundgang Vogel- und Naturschutzverein (Gaswerk Schlieren)
Rund 40 Personen nahmen am zweistündigen Rundgang teil.
Das Projekt unter der Leitung von Katrin Luder läuft noch bis 2020.
Bei der Präsentation unterstützt wurde sie spontan von der erst dreijährigen Besucherin Elisa, die besonders ein Auge auf die farbigen Bilder geworfen hatte.

Das Areal Gaswerk wird durch Initiative des Vogelschutzvereins Schlieren aufgewertet.

Cynthia Mira

Die Kosten für die getroffenen Massnahmen werden von verschiedenen Akteuren getragen. Die beiden Städte Schlieren und Zürich leisteten einen Beitrag. Zudem übernahm der Vogel- und Naturschutzverein Schwalbe einen Teil. Weiter beteiligten sich diverse Stiftungen, Fonds und die ­Erdgas Ostschweiz AG an dem Projekt. Man habe noch Geld übrig, um weitere Massnahmen treffen zu können, sagt Luder. Kürzlich sei die Idee im Raum gestanden, noch mehr Nistkästen für Vögel zu montierten. «Wie es aussieht, finden sie zu wenige Nist­plätze und besetzen darum die Fledermauskästen.» Zudem wolle man noch standorttypische Sträucher und Bäume pflanzen, die auf dem Areal nicht vorkommen, von denen aber viele Tier­arten profitieren könnten. So zum ­Beispiel Faulbäume oder die Traubenkirsche.