Filmförderung

Das Genre Dokfilm legt weiter zu

Die Jahresbilanz 2010 bestätigte, was sich seit Jahren abzeichnet: Der Schweizer Dokumentarfilm ist spannend, relevant und kommt beim Publikum bestens an.

Evelyne Baumberger
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Schweizer Dokumentarfilme sorgten an internationalen Festivals Aufsehen, so gewann Christian Frei mit «Space Tourists» den World Directing Award am Sundance Film Festival und «Cleveland Versus Wall Street» wurde an den Quinzaines des réalisateurs in Cannes gezeigt.

Auch im eigenen Land erreichten die Dokfilme eine gute Resonanz: Sechs der zehn erfolgreichsten Filme aus Schweizer Produktion kamen 2010 aus diesem Genre. «Cleveland Versus Wall Street» und «Die Frau mit den 5 Elefanten» schafften es auf mehr als 25000 Zuschauer.

Das Engagement von Migros-Kulturprozent

Das Migros-Kulturprozent will mit dem neuen Förderprogramm «CH-Dokfilm» diesen Trend noch stärken. Filmer konnten sich bis im Mai 2010 mit Projekten bewerben, fünf davon sind jetzt noch im Rennen. Am 25.Januar wird im Rahmen der Solothurner Filmtage der Sieger bekannt gegeben. Das Migros-Kulturprozent finanziert diesen Film und es ist geplant, dass er am Festival Visions du Réel 2012 in Nyon Premiere feiern wird.

Hedy Graber, Leiterin der Direktion Kultur und Soziales des Migros-Genossenschafts-Bundes, sieht im neuen Förderinstrument die Möglichkeit, Lücken zu schliessen: «Mit CH-Dokfilm möch-ten wir in der Schweizer Filmlandschaft Themen setzen, von deren gesellschaftlicher Relevanz wir überzeugt sind.» Das Wettbewerbsthema 2010 lautete «Lebenswelten - miteinander leben».

Es geht um die besten Qualität

«Die letzten fünf Projekte behandeln ganz unterschiedliche, aber allesamt spannende Themen aus der Schweiz», so Hedy Graber. Darunter sind zum Beispiel Andrea Müller und Adrian Zschokke mit «Reverse flow»: In ihrem Film zeigen sie, wie die Schweiz, die früher viele Missionare in die ganze Welt entsandte, heute ihrerseits missioniert wird. Simon Baumann setzt sich für seinen Film «Zum Beispiel Suberg» erstmals mit dem eigenen Dorf und seinen Bewohnern auseinander, die er 31 Jahre lang ignoriert hat. Ebenfalls unter den letzten fünf ist «La clé de la chambre à lessive» von Fred Florey und David Epiney aus Genf. Ihr Film ist das Porträt eines Hauses, das mit der Etikette eines sozialen Gettos belastet ist.

Wonach wird bei dieser Vielfalt der Sieger ausgewählt? Diese Frage lässt sich laut Hedy Graber gerade wegen der grossen Bandbreite an Ideen nicht mit fixen Kriterien beantworten: «Ich würde sagen, am Schluss möchten wir einen spannenden Film sehen, und es geht darum, welches der fünf Projekte die beste Qualität hat.» Alle fünf Filme mussten bis Ende November, zur letzten Jurierungsrunde, produktionsreif sein. Die Chancen stehen also gut, dass das Schweizer Publikum die Filme auch irgendwann zu sehen bekommt - unabhängig davon, welches Projekt in Solothurn zum Sieger gekürt wird.