Ratgeber Gesundheit

Bin ich ein Alkoholiker?

Seit etwa einem Jahr trinke ich (48) regelmässig abends Alkohol, um mich von der stressigen Arbeit zu erholen und abschalten zu können. Mit der Zeit wurde es immer mehr und zuletzt bin ich bei sechs bis acht Dosen Bier pro Tag angekommen. Ich trinke zwischenzeitlich auch am Wochenende, dann können es auch schonmal zehn bis zwölf Dosen Bier sein. Mit meiner Frau habe ich deswegen häufig Streit. Letzte Woche hat mich auch mein Chef angesprochen, weil ich zu spät gekommen sei und nach Alkohol gerochen hätte. Ich dachte, ich hätte den Alkoholkonsum im Griff; nun mache ich mir aber Sorgen, dass ich ein Alkoholiker sein könnte. Was kann ich tun?

Drucken
Teilen
Ratgeber Gesundheit

Ratgeber Gesundheit

Gesundheit Aargau

Dr. med. Patrik Roser

Leitender Arzt Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen PDAG

Eine Alkoholabhängigkeit entwickelt sich in der Regel schleichend und wird meistens erst dann realisiert, wenn der Konsum bereits zu Problemen im privaten oder beruflichen Umfeld geführt hat. Für die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit kommt es jedoch weniger auf die Menge oder Häufigkeit an. Die Betroffenen zeigen vielmehr ein starkes Verlangen nach Alkohol und einen Verlust der Kontrolle über den Konsum. Mit der Zeit stellt sich eine Gewöhnung ein, die dazu führt, dass die Trinkmenge kontinuierlich gesteigert werden muss, um den gewohnten Effekt zu erreichen. Häufig wird zudem eine Vernachlässigung der sozialen Interessen und Verpflichtungen zugunsten des Alkoholkonsums beobachtet. Im weiteren Verlauf können beim Versuch, den Konsum zu stoppen oder zu reduzieren, körperliche Entzugssymptome wie Zittern, Herzrasen und Schweissausbrüche auftreten. In Ihrem Fall wäre eine unverbindliche ambulante Beratung ein erster Schritt, um Ihren Alkoholkonsum näher abzuklären. Je nach Ergebnis können Sie dann entscheiden, ob Sie zusätzlich eine psychiatrisch-psychotherapeutische Betreuung in Anspruch nehmen wollen. Eventuell kann – sofern Sie es wünschen – eine Entzugs- und/oder Entwöhnungstherapie angezeigt sein. Beide Behandlungen müssen nicht unbedingt im Spital erfolgen, sondern können auch ambulant durchgeführt werden. Seit Januar 2018 bieten die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) gemeinsam mit den Suchtberatungen in Aarau, Baden und Brugg ein entsprechendes integriertes Programm mit ambulanter Suchtberatung und Suchtbehandlung aus einer Hand an: Tel. 056 462 21 40, E-Mail zae@pdag.ch, www.pdag.ch.