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Studie zeigt, was das Lesen am Bildschirm mit uns macht

Lesen auf Tablet oder Computer statt auf Papier hat gewichtige Nachteile. Laut einer neuen umfassenden Studie aus Norwegen wird das Textverständnis durch das Bildschirmlesen geschwächt. Dies ist nicht zuletzt für junge Menschen ein Problem.
Niels Anner, Kopenhagen
Lesen am Bildschirm ist nicht in jeder Hinsicht förderlich. (Themenbild: Gaetan Bally/Keystone)

Lesen am Bildschirm ist nicht in jeder Hinsicht förderlich. (Themenbild: Gaetan Bally/Keystone)

Viele Kleinkinder erhalten Tablets zur Beruhigung. Schon bald erreichen sie erstaunliche Fähigkeiten in der Bedienung der Bildschirm-Geräte, was in der digitalen Gesellschaft durchaus als Vorteil angesehen wird – Stichwort spielerisches Lernen. Die Entwicklung zieht sich in die Schule durch, wo der Gebrauch von ipads längst zum guten Ton gehört. Auch der Schweizer Lehrerverband unterstützt das ausdrücklich, nicht zuletzt um die wichtigen Internet-Kompetenzen zu stärken. Norwegische Forscher warnen nun allerdings in einer neuen, umfassenden Studie vor zu intensiver Nutzung von Bildschirm-Geräten für das Lesen. «Wenn wir auf dem Bildschirm lesen, wird unser Textverständnis schlechter», sagt die renommierte Bildungsforscherin Anne Mangen von der Universität Stavanger.

Leseverständnis ist auf Papier besser

Die Professorin hat mit ihrem Team soeben auf einer Konferenz eine grosse Metaanalyse vorgestellt – eine vergleichende Studie von 56 Untersuchungen aus 30 Ländern, in die insgesamt 170'000 Testpersonen involviert waren. Das Resultat ist eindeutig, alle seriösen Studien zeigten in dieselbe Richtung: «Das Leseverständnis ist bei der Lektüre auf Papier besser», sagte Mangen dem Fernsehsender NRK. Der Unterschied zwischen Papier und Bildschirm vergrössere sich bei längeren Texten und zeige sich umso deutlicher beim vertieften Verständnis: Wenn die Leser sich nicht nur an Fakten erinnern, sondern Schlüsse ziehen müssen, die nicht wörtlich im Text vorkommen. Einer der Gründe dafür sei, dass die Finger beim Papierlesen aktiv sind, blättern – und die Orientierung und der Überblick auf Papier besser ist.

Mangen hat dies auch in Untersuchungen festgestellt, als sie zwei Gruppen denselben Text auf Papier beziehungsweise einem Bildschirm lesen liess. Papierleser konnten Details besser einordnen und den Plot genauer in chronologischer Reihenfolge nacherzählen. Vom Gebrauch von digitalen Medien seien deshalb auch andere kognitive Fähigkeiten betroffen: «Wenn wir längere Texte nicht genügend gut lesen und verstehen, nimmt auch unsere Fähigkeit, abstrakt zu denken und kritisch zu analysieren, ab.» Laut der norwegische Forscherin zeigten Studien bereits, dass es heute bei Kindern und Jugendlichen an Lese-Training mangle. Die Zahl der Kinder, die Schwierigkeiten habe, komplexere Texte zu lesen, wachse, so Mangen. Es sei auch nicht so, dass man Lesen am Bildschirm trainieren könne: Laut ihren Erkenntnissen werden die Unterschiede zwischen Lesen auf Papier und an Geräten nicht mit der Zeit kleiner.

Die auf Entwicklungspsychologie und Lesen spezialisierte US-Professorin Maryanne Wolf, sagt, das Lesen passe sich dem Umfeld an, da es keine genetisch geprägte Fähigkeit, sondern ein Lernprozess ist. Deshalb reagierten Leser auf unterschiedliche Schriftarten oder Medien. Wenn nun digitale Medien schnelles Lesen, Multi-Tasking und die Verarbeitung grosser Mengen von Information begünstigten, verändere sich das Lesen entsprechend, schrieb Wolf diesen Sommer in einem Beitrag im «Guardian». Damit erhalte das zeitaufwändige, langsame und analytische Lesen weniger Beachtung.

Scannen statt analysieren

Forscher haben schon früher gezeigt, dass Bildschirm-Lesen und Scrollen dazu führt, dass Texte eher gescannt und überflogen werden, wobei der Fokus auf bestimmte Wörter oder Teilsätze gelegt wird statt auf den Zusammenhang ganzer Absätze oder Seiten. Durch das Schnelllesen, sagen Mangen und Wolf übereinstimmend, fehle die Zeit, um Komplexes zu verstehen. Darunter leide auch die Fähigkeit, sich eigene Gedanken zum Text machen zu können, und letztlich könnte laut Wolf auch soziales Rüstzeug wie Empathie beeinträchtigt werden.

Dennoch will die Forschung das Bildschirmlesen nicht verteufeln. Vielmehr gehe es darum, die «Konsequenzen der Digitalisierung» zu erkennen, sagt Mangen – und sich entsprechend zu verhalten. Das Bewusstsein soll also vorhanden sein, dass Bildschirmgeräte durchaus zum Lesen motivieren können und für die Informationssuche nützlich sind, aber auch die Gefahr von Ablenkung bergen und für das vertiefte Verständnis von Texten nicht hilfreich sind.

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