Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Spieglein, Spieglein an der Decke

Mein Bild
Susanne Holz
Oben, unten, links, rechts – was tragen wir nächsten Winter? Dior oder gar nichts? (Bild: Christophe Ena/Keystone (Paris, 26. Februar 2019))

Oben, unten, links, rechts – was tragen wir nächsten Winter? Dior oder gar nichts? (Bild: Christophe Ena/Keystone (Paris, 26. Februar 2019))

Mode ist eine Kunst, und dieses Bild auch. Man ist so beeindruckt vom Spiel mit der Spiegelung, dass die gezeigten Kleider, die es hier auch noch zu sehen gibt, sofern man gute Augen hat, in den Hintergrund rücken. Aufgenommen wurde das Bild diesen Dienstag in Paris, bei der Fashion Week. Es zeigt die Show von Dior im Garten des Rodin Museums.

Die Models führen die Herbst-Winter-Kollektion 2019/2020 vor, die man jetzt ja eigentlich noch gar nicht sehen will – man ist schliesslich gott froh, dass der Winter 2018/2019 hoffentlich bald ein Ende hat. Christian Diors Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri sind beim Vorausdenken an die nächste grosse Eiszeit rote und grüne Vichy-Karos eingefallen, lange Röcke aus schwerem Stoff, breite schwarze Ledergürtel, spitze Schuhe und weisse Söckchen.

Es lebe das England der Fünfzigerjahre – und dazu gibt es etwas britischen Punk, um das Ganze aufzulockern. Die Medien zitieren Dior-Designerin Chiuri mit: «In Grossbritannien spielt Tradition eine grosse Rolle, denken Sie nur an das Königshaus. Gleichzeitig gibt es Raum für Subkulturen, um die Regeln zu brechen.» Da mag sie Recht haben. Doch ob nun bieder oder frech, so richtig Lust auf rote und grüne Karos, schwere lange Röcke und die Gepflegtheit Grossbritanniens hat man Ende Februar, Anfang März nun wirklich nicht. Und weisse Söckchen? Sind zu jeder Jahreszeit eher schwierig zu kombinieren ...

Den Fotograf dieser symmetrischen Sehenswürdigkeit interessierte die Mode des nächsten Winters wohl auch herzlich wenig. Und so zeigt er uns die Models als kleine Punkte zwischen den breiten Balken der Zuschauer – schön gespiegelt an der Decke. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?

Die Antwort darauf ist nicht wichtig. Aus dieser Perspektive betrachtet bleibt ein jeder so klein, wie er halt ist, in dieser grossen Welt. Nur die Dame an den Wänden links und rechts leuchtet mit ihrer nackten Haut, vielfach gezeigt, etwas aus der Symmetrie heraus. Lust auf die kommende Wintermode scheint auch sie noch nicht zu haben, definitiv nicht.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.