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Serie

Mondlandung heute vor 50 Jahren: Ohne Fidel Castro wären die Amerikaner wohl nicht zum Mond geflogen

Präsident John F. Kennedy hatte einen schweren Start. Im Frühling 1961 scheiterte das CIA-Unternehmen in der Schweinebucht auf Kuba, das zum Sturz von Castro hätte führen sollen. Es war nicht Kennedys Projekt, aber er übernahm die Verantwortung. Und bereits am 12. April 1961 hatten die Russen Juri Gagarin in den Weltraum geschossen. Amerikas Führungsposition in der Welt war bedroht. Kennedy wählte die Flucht nach vorne - oder nach oben: Als Reaktion verkündete er sein anspruchsvolles Mondprogramm: In den nächsten 10 Jahren sollte ein Amerikaner auf dem Mond landen. Die NASA schaffte es vor der Zeit.
Christoph Bopp
Die Besatzung von Apollo 11 (von links): Michael Collins, Neil Armstrong und Buzz Aldrin, dargestellt vor dem Kennedy Space Center Visitor Complex in Cape Canaveral, Florida. Bild: KEY.

Die Besatzung von Apollo 11 (von links): Michael Collins, Neil Armstrong und Buzz Aldrin, dargestellt vor dem Kennedy Space Center Visitor Complex in Cape Canaveral, Florida. Bild: KEY.

Zum Glück fiel Neil Armstrong – oder seinen Souffleuren – der Satz mit dem Schritt und dem Sprung noch ein. «That’s one small step for a man, one giant leap for mankind» – einige wollten den Artikel in der ersten Hälfte des Satzes nicht gehört haben, sodass die Menschheit schon zu früh präsent gewesen wäre – das befreite diesen Abschluss des Wettrennens zum Mond von seinem agonalen Charakter. Der Menschheit sollte das alles dienen, nicht einem Staat oder einer Ideologie oder gar dem kapitalistischen System.

Deutsche Rakete A4/V2 im National Air & Space Museum in Washington. Quelle: Wikipedia

Deutsche Rakete A4/V2 im National Air & Space Museum in Washington. Quelle: Wikipedia

Dass es ein Rennen würde, diese Weiche wurde bereits 1945 gestellt. Die deutsche Atomwissenschaft hatten die Amerikaner sicher im Blick. Dass der Grossteil des deutschen Raketenwissens auch den USA zufiel, hatte auch mit den Leuten um Wernher von Braun zu tun. Der deutsche Adelsspross war der Mastermind der Nazi-Raketentechnologie. Und er hatte immer im Sinn, seine Karriere dort fortzusetzen, wo es ihm aussichtsreicher schien. «Den reichen Onkel» vermutete er eher auf amerikanischer als auf russischer Seite. Dass die US-Army aus Thüringen, bevor es der Roten Armee übergeben wurde, noch an Plänen und Raketen abtransportierte, was sich verladen liess, geschah auch auf Betreiben von Brauns.

Das grosse Duell der Raketengenies

Wernher von Braun. Bild: NASA

Wernher von Braun. Bild: NASA

Ohne Wernher von Braun wäre Apollo 11 nicht auf dem Mond gelandet. Er hatte sein ganzes Wissen und seine Erfahrung in die Saturn V gesteckt. Ohne das zuverlässige Monster wären alle anderen Ingenieurs- und Konstrukteursheldentaten müssig gewesen.

Sergej Koroljow (rechts), der "Chefkonstrukteur", mit Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum. Bild: IMAGO

Sergej Koroljow (rechts), der "Chefkonstrukteur", mit Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum. Bild: IMAGO

Die Russen hatten mit Sergej Koroljow, den die Welt lange nur als «Chefkonstrukteur» kannte, ein ähnliches Genie. Auch er wusste, wie man die feuerspeienden Ungeheuer konstruiert, er war auch eine Managementbegabung. Aber er war, von Stalin sechs Jahre lang ins Gulag gesperrt, 1966 am Ende mit seiner Gesundheit. Sein Tod entschied das Rennen. Zwar hatte er dem politischen Druck oft improvisierend nachgeben müssen, aber raketentechnisch waren die Sowjets lange vorne.

Die Amerikaner glaubten lange, sie hätten von Brauns Raketen gar nicht nötig.

Die Deutschen erreichten mit den V2, die sie mitgenommen hatten, ganz ansehnliche Resultate (über 300 Kilometer Höhe), aber mit einer Nutzlast von einer Tonne und einer Reichweite von 300 bis 350 Kilometern schien die strategische Wirkung zu gering. Schliesslich hatte man die mächtigste Bomberflotte, welche die damals tonnenschweren Atombomben überall platzieren konnte. Erst als Sputnik 1 zeigte, dass auch die Russen jeden Punkt der USA aus dem Weltraum treffen konnten, ohne dass es eine Abwehrchance gab, änderte das.

Die Reise zum Mond war ein Prestigeprojekt auch für Kennedy

Präsident John F. Kennedy mit Wernher von Braun und NASA-Chefadministrator Robert Seamans (mit Brille, links). Das Bild entstand am 16. November 1963, eine Woche vor Kennedys Tod. Bild: KEY

Präsident John F. Kennedy mit Wernher von Braun und NASA-Chefadministrator Robert Seamans (mit Brille, links). Das Bild entstand am 16. November 1963, eine Woche vor Kennedys Tod. Bild: KEY

Der Sputnik-Schock sass. Die UFO-Sichtungen in den USA vervierfachten sich, Angst und Paranoia wuchsen. Die Raketen wurden 1959/60 zum Wahlkampfthema. Kennedy warf den Republikanern eine «Raketenlücke» vor. Dies stimmte zwar nicht, und an Raumfahrt dachte er auch nicht.

Präsident Eisenhower (hier bei seiner Abschiedsadresse 1960) hielt nicht viel von einer "Militarisierung des Weltraums". Bild: AP

Präsident Eisenhower (hier bei seiner Abschiedsadresse 1960) hielt nicht viel von einer "Militarisierung des Weltraums". Bild: AP

Aber fünf Tage nachdem Gagarin die Amerikaner düpiert hatte (am 12. April 1961), erlitt Kennedy mit dem Schweinebucht-Debakel – einem CIA-Unternehmen mit dem Ziel, Castro auf Kuba zu stürzen – einen politischen Grossschaden (17. April 1961). Eine Umfrage in Westeuropa zeigte zudem, dass 41 Prozent die Sowjetunion für stärker hielten, obwohl die Amerikaner mit Alan Shepard auch bereits einen Mann «oben» hatten. Daraufhin beauftragte er seinen Vizepräsidenten Lyndon B. Johnson, der der Weltraumfliegerei positiver gegenüberstand, ein Memorandum zu verfassen, ob a) eine Mondlandung möglich wäre und b) ob damit Amerikas Prestige entscheidend aufgewertet werden könnte. Die NASA fand den Zeitrahmen ("im nächsten Jahrzehnt") sehr anspruchsvoll, aber deswegen "Nein" zu sagen, kam natürlich nicht in Frage.

"I believe that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the moon and returning him safely to the earth. No single space project in this period will be more impressive to mankind, or more important for the long-range exploration of space; and none will be so difficult or expensive to accomplish."

"Ich glaube, dieses Land sollte sich die Aufgabe stellen, bevor dieses Jahrzehnt zu Ende geht einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn sicher wieder zur Erde zurückzubringen. Kein Raumfahrtprojekt dieser Zeit wird eindrücklicher sein für die Menschheit oder wichtiger für die weiträumigere Erforschung des Weltalls; und keines wird so schwierig sein oder so so teuer."

Am 25. Mai 1961 reagierte er mit seiner berühmten «Mond-Rede». Sein gewaltsamer Tod 1963 gab der Nasa und dem Apollo-Projekt zusätzlichen Schub. 1966 hatten die Amerikaner zu den Russen aufgeholt. Und im Endspurt blieben sie ohne Chance.

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