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Glosse

Kamele im Gerichtssaal

Das Oberlandesgericht Stuttgart hatte sich mit einen aussergewöhnliche Tierfall zu befassen. Und ist zu erstaunlichen Schlüssen gekommen.
Balz Bruder

Eine der vor allem in Deutschland populären Kamel-Weisheiten geht so: «Alle Macht den Kamelen – und ein Hoch auf unseren Busfahrer!» Nun, das ist gut gesagt. Umso besser als der 13. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart gestern ein Urteil veröffentlicht hat, das zwar nicht die notorische Beleidigung des Camelus bactrianus zum Inhalt hat, dafür über die Beziehung zwischen Kamel­halter und Tier in ganz neuem Licht erscheinen lässt.

Anlass für die richterliche Befassung bot ein Unfall, der sich am 23. September 2013 im Landkreis Sigmaringen ereig­nete. Aufgescheucht durch eine Gruppe Hunde vollführten zwei Kamele, auf deren Rücken eine 27-Jährige und ihre Mutter sassen, eine abrupte Linkswendung. Dabei stürzte die Tochter und fiel aus einer Höhe von exakt 1,87 Meter kopfüber zu Boden. Schwere Kopfverletzungen und nachfolgende Einschränkungen im Beruf als Ärztin waren die Folge. Ein klassischer Fall für Schadenersatz: Allein das Schmerzensgeld beträgt nach dem Stuttgarter Gericht 70000 Euro.

Das ist der unglücklichen Kamelreiterin zu gönnen. Für alle andern hat das Stuttgarter Gericht zumindest eine juristische Preziose übrig. Demnach wäre der Kamelhalter, das Rindvieh, von Schadenersatz befreit gewesen, wäre der Schaden durch ein Haustier verursacht worden, das seinem Beruf, Verdienst und Unterhalt diente. So steht es im Bürger­lichen Gesetzbuch.

Weshalb also muss der Kamelhalter trotzdem bluten? Nun, er hat die Sorgfaltspflichten beim Kamelritt verletzt. Ja, das schon. Aber auch wenn er sie eingehalten hätte: Er wäre nicht davongekommen. Denn laut Oberlandesgericht handelt es sich beim Kamel – «jedenfalls nicht in Deutschland, wo die Kamelhaltung sehr selten ist» – nicht um ein Haus- und Nutztier. Wie bitte? – Genau. Doch damit nicht genug: «Der Kamelführer ist gleich einem Fahrzeuglenker für die Sicherheit der Reiterin, die das Kamel nicht selber lenkte, verantwortlich», schreibt das Gericht.

Ob das Kamel nun auch ein Auto ist, selbstfahrend oder nicht, lässt «Stuttgart» zum Glück offen. Es wäre sonst noch möglicherweise in Konflikt gekommen mit der bildhaften Bezeichnung des Kamels als «Wüstenschiff».

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