Kammerchor Aarau

Trost und Traurigkeit: Eine musikalische Feierstunde in der Stadtkirche Aarau

Viktor Schmid
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„Trost und Traurigkeit“

Unter diesem Konzerttitel gelangten als Hauptwerk die Missa dolorosa (1735), ein Spätwerk Antonio Caldaras und als Ergänzung die vierstrophige Kantate in a-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy, Wer nur den lieben Gott lässt walten (1828/29), zur Aufführung. In die Mitte fügt sich ein Werk für Streichorchester aus dem 20. Jahrhundert von Arwel Hughes ein. Antonio Caldara war zu Zeiten Vivaldis u.a. in Venedig, Rom und Wien tätig und hat ein sehr umfangreiches Werk in verschiedenen Sparten hinterlassen, geriet aber -wie viele andere auch- nach dem Tod in Vergessenheit. Nur wenige seiner Werke sind bisher ediert worden. Bach und Mozart haben u.a. auf Teile seiner Kompositionen zurückgegriffen. Von deutlich höherem Bekanntheitsgrad sind die Werke von Mendelssohn. Doch hierzulande völlig unbekannt erweisen sich die Editionen des zeitgenössischen walisischen Komponisten Arwell Hughes. Diese drei Generationen der Musikliteratur (Barock, Romantik und Moderne) liessen sich im Konzert harmonisch und thematisch sinn- und stilvoll verbinden. Nach intensiver Vorbereitung präsentierte der Kammerchor Aarau das Programm präzise, hochkonzentriert und mit grossem Engagement. Einen absolut soliden und professionellen Part lieferte die 12-köpfige Streicherformation des Huttwiler Kammerorchesters, sowohl als begleitendes Ensemble bei Mendelssohn und Caldara, als auch solistisch beim Werk von Hughes, bei dem alle Nuancen der Dynamik gefragt waren.

Das Solistenensemble mit Gunta Smirnova, Sopran, Stefan Wieland, Altus, Richard Resch, Tenor und Stefan Vock, Bass, erwies sich sowohl in den einzelsolistischen als auch in den gemeinsamen Auftritten als sehr ausgewogen, ausgeglichen und stimmschön. Der Dirigent Bruno Steffen, bestens vertraut mit der Partitur, agierte ruhig und stilsicher, mit klarer Zeichengebung und führte die Mitwirkenden zu einer homogenen, eindrücklichen und lang applaudierten Leistung.

Viktor Schmid