INTERVIEW
St.Galler Bildungschef Stefan Kölliker: «Das neue Universitätsgesetz ist auf Kurs – trotz Corona»

Am Rande der Jahresmedienkonferenz der Universität St.Gallen äussert sich Stefan Kölliker, Präsident des Universitätsrats, zum neuen Universitätsgesetz. Und zu den Auswirkungen erhöhter Kontrollmechanismen an der HSG: «Das alles braucht Jahre.»

Odilia Hiller
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Stefan Kölliker, Vorsteher des St.Galler Bildungsdepartements und Präsident des Universitätsrats, ist höchster politischer Verantwortlicher der HSG.

Stefan Kölliker, Vorsteher des St.Galler Bildungsdepartements und Präsident des Universitätsrats, ist höchster politischer Verantwortlicher der HSG.

Bild: Michel Canonica
  • Im Februar 2019 hat die St.Galler Regierung eine Totalrevision des seit über 30 Jahren geltenden Universitätsgesetzes in Auftrag gegeben. Dies war seit längerem geplant, war jedoch nach gehäuften negativen Vorfällen an der HSG noch dringlicher geworden.
  • Mit der Revision möchten die Regierung und die Universität laut eigenen Angaben den Erfolg der HSG als breit aufgestellte Wirtschaftsuniversität mit internationaler Reputation langfristig sicherstellen. Die Anpassungen sollen die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten innerhalb der HSG und anderer Gremien «entflechten und präzisieren» und die Transparenz erhöhen.

Der St.Galler Regierungsrat und Bildungschef Stefan Kölliker zum aktuellen Stand der Arbeiten:

Wo stehen Sie mit dem neuen Universitätsgesetz für die HSG?

Stefan Kölliker: Vor einem Jahr ist der erste Entwurf in die interne Vernehmlassung gegangen. Dieses Jahr wurde – trotz Corona – intensiv daran weitergearbeitet. Dabei wurden vor allem zwei wichtige Aspekte weiter vertieft. Diese gehen nun in eine weitere interne Vernehmlassung.

Welche Punkte sind das?

Einerseits geht es um die Weiterbildungsstrategie der HSG. In welcher Form soll diese im neuen Gesetz verankert werden? Dafür brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen.

Das heisst, Sie sind zufrieden damit, wie es vorangeht?

Ich bin sehr zufrieden. Alle Beteiligten sind intensiv an der Arbeit – trotz Corona. Es ist wichtig, dass solche Dinge «Bottom-up» entwickelt werden, um tragfähige Lösungen für die Universität zu finden. Alles von oben herab zu verordnen, wäre hier falsch.

Und der zweite Aspekt, der vertieft wurde?

Die Rolle des Senats. Er ist unser oberstes akademisches Organ. Ihm gehören die Professorinnen und Professoren der HSG an. Es ist ein Schlüsselelement des neuen Gesetzes, welche Zuständigkeiten der Senat künftig wahrnehmen wird.

Wurde auch diese Frage an die Universität delegiert?

Ja, weil es auch stark eine Kulturfrage ist. Hier muss die Universität mitreden.

Im Nachgang zu Spesenskandalen und Ungereimtheiten bei Vergütungen aus Nebentätigkeiten wurden an der HSG schärfere Kontrollmechanismen installiert. Welche Wirkung zeigen diese?

Die Kontrollmechanismen sind implementiert, aber das ist alles kein Spaziergang. Ich habe immer gesagt, dass ein echter Kulturwandel ein jahrelanger Prozess ist. Auch die neuen Mechanismen müssen ständig überprüft und wieder angepasst werden.

Also zeigen die Massnahmen Wirkung?

Ja, natürlich. Das heisst nicht, dass es immer einfach ist.

Eine Frage zur lokalen Verankerung der HSG: Der abgetretene St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin ist nach wie vor Vizepräsident des Universitätsrates. Kommt es hier zu einem Wechsel? Drängt seine Nachfolgerin Maria Pappa in das Amt?

Thomas Scheitlin bleibt Vizepräsident. Angesichts der Veränderungen, die das neue Unigesetz auch für den Unirat vorsieht, befindet dieser sich ohnehin in einer Übergangsphase. Solche Fragen stellen sich also allenfalls auf die nächste ordentliche Wahl.