Zwischen Freud und Leid

Giulia Steingruber qualifiziert sich an der EM am Boden, Stufenbarren, im Sprung und Mehrkampf für den Final. Damit erfüllt die 21jährige St. Gallerin in Montpellier alle Erwartungen. Der Tessinerin Ilaria Käslin gelingt das nicht.

Raya Badraun/Montpellier
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Giulia Steingruber überzeugt bei der Qualifikation, wie hier bei der Bodenübung. Trotzdem sieht sie an allen Geräten noch Verbesserungspotenzial für den Final. (Bild: epa/Guillaume Horcajuelo)

Giulia Steingruber überzeugt bei der Qualifikation, wie hier bei der Bodenübung. Trotzdem sieht sie an allen Geräten noch Verbesserungspotenzial für den Final. (Bild: epa/Guillaume Horcajuelo)

TURNEN. Zoltan Jordanov hat ein freundliches Gesicht. Wenn der Trainer der Schweizer Kunstturnerinnen sich freut, bilden sich viele kleine Lachfalten um seine dunklen Augen. Gestern waren zunächst aber vor allem Sorgenfalten zu sehen. Statt zu lachen, verwarf er die Hände und schüttelte den Kopf. «Ich bin enttäuscht», sagte Jordanov.

Und dennoch lächelte er am Abend. Der Grund für seine Zufriedenheit war Giulia Steingruber. Die 21jährige Gossauerin wurde in der gestrigen Qualifikation fast allen Erwartungen gerecht. Im Sprung zeigte sie mit dem Tschussowitina und dem Jurtschenko mit Doppelschraube mit Abstand die beste Leistung aller Turnerinnen. Das gleiche gelang ihr auch am Boden. Daneben qualifizierte sich Steingruber im Mehrkampf und überraschend als Siebte am Stufenbarren. Wäre sie am Balken nicht gestürzt, würde sie auch an diesem Gerät im Final stehen.

Mit ihrem noch nicht ganz perfekten Programm belegte Steingruber den zweiten Rang im Mehrkampf. Von einer Medaille wollte sie jedoch noch nicht sprechen: «Ich habe bereits mein ganzes Programm gezeigt», sagt die 21-Jährige. «Man weiss nie, ob die anderen Turnerinnen im Final noch mehr zeigen.» Doch auch Steingruber sieht bei allen ihren Übungen noch Verbesserungspotenzial.

Käslin fehlt die Kraft

Während Steingruber ihren Trainer zum Lächeln brachte, bereitete ihm der Auftritt von Ilaria Käslin Kopfzerbrechen. «Das war nicht mein Tag», sagte die junge Tessinerin. Am Boden stürzte sie zweimal und musste auch am Balken das Gerät verlassen. Diese Fehler kosteten sie die angestrebte Finalteilnahme im Mehrkampf. Ganz überraschend war dieser schwache Auftritt aber nicht. Zwar wurde sie am Challenge Cup in Doha Dritte am Boden. Doch dies sei eine Überraschung gewesen, so Käslin. In den vergangenen Wochen fühlte sie sich oft erschöpft und kraftlos. Mit einem Bluttest kurz vor der EM wurde ein Vitaminmangel diagnostiziert. Dieses Problem konnte kurzfristig nicht mehr behoben werden. Vor allem am Boden fehlte ihr deshalb noch immer die Energie für ihre kraftraubende Übung. «Sie muss nun vergessen und nach vorne schauen», sagte Jordanov.

Diacci erstmals im Final

Obwohl Käslin die Qualifikation nicht schaffte, werden im morgigen Mehrkampf-Final zwei Schweizerinnen antreten. Überraschend hat sich Jessica Diacci mit dem 17. Rang einen Platz gesichert. «Ich bin froh, dass mir ein fast fehlerfreier Wettkampf gelungen ist», sagte Diacci. Für die 21jährige Aargauerin ist es die bisher erste Finalteilnahme an einem Grossanlass. «Ich bin sehr zufrieden mit ihr», sagte Jordanov. Und plötzlich war es wieder da, das Lächeln. «Und im Final wird sie es noch besser machen», sagte er. Nun erhellt es sein ganzes Gesicht. Mit etwas Glück wird es dies auch in den kommenden Tagen noch tun.

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