Zwinggis grosser Auftritt

Ursprünglich war sie im Kader der Schweizerinnen für die Euro Floorball Tour nicht vorgesehen. Doch nach ihrer kurzfristigen Nomination spielt die Niederuzwilerin Katrin Zwinggi stark und trifft in St. Gallen gegen Tschechien.

Roger Ackermann
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Unihockey. Grossereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Das ist bei der Frauen-WM im Unihockey vom Dezember in St. Gallen nicht anders. Wenn der internationale Grossanlass dann allerdings auch noch in einer Region stattfindet, die national betrachtet in dieser Sportart eine untergeordnete Rolle spielt, dann ist dem Verband und dem lokalen OK jede zusätzliche Werbung willkommen.

Deshalb ist das Turnier der Euro Floorball Tour im Athletik Zentrum St. Gallen nicht nur eine gute Vorbereitung für die vier teilnehmenden Top-Nationen des Frauen-Unihockeys. Für Funktionäre und Organisatoren ist es eine willkommene Gelegenheit, auf die WM aufmerksam zu machen und den Ernstfall gleich vor Ort zu testen.

Grosse Halle, kleines Feld

An der WM im Dezember werden die Schweizerinnen ihre Spiele ausschliesslich im Athletik Zentrum austragen. Entsprechend wertvoll ist das Turnier auch für Nationaltrainer Felix Coray: «Für unsere Equipe ist dieser Test in der WM-Spielstätte sehr wichtig. Wir haben die Möglichkeit, uns an die Begebenheiten vor Ort zu gewöhnen.»

Seine Spielerinnen haben bei der Euro Floorball Tour drei Partien, um sich an die etwas spezielle Atmosphäre im grossen (Leichtathletik-)Oval gewöhnen zu können. Dass die 450 anwesenden Zuschauer beim zweiten Auftritt der Schweizerinnen gestern gegen Tschechien keine überbordende Stimmung aufkommen lassen, liegt einerseits an eben diesen Dimensionen der Halle. Das Unihockey-Feld liegt schon beinahe etwas verloren im grossen Rund. Die Distanzen zum Publikum sind ungewohnt gross. Andererseits halten sich die Zuschauer trotz der stark aufspielenden Schweizerinnen mit der Unterstützung vornehm zurück. «Die Halle ist schon sehr gross, und entsprechend nehmen wird Spielerinnen die Stimmung auch auf dem Spielfeld wahr», wird Stürmerin Katrin Zwinggi nach dem 4:1-Erfolg über Tschechien resümieren.

Kurzfristige Nomination

Die einzige Ostschweizerin im Team der Schweiz hat gestern ihren grossen Auftritt. Ursprünglich von Nationaltrainer Coray gar nicht erst ins Kader für das Turnier berufen, folgte ihre Nomination kurzfristig am Donnerstagmittag. Während sie bei der Niederlage im Auftaktspiel gegen Finnland noch auf der Tribüne Platz nehmen musste, schlägt Zwinggis Stunde in Spiel zwei. Die Niederuzwilerin bekommt viel Einsatzzeit und dankt es ihrem Trainer mit einer hervorragenden Leistung. «Zu Beginn des Spiels war ich noch sehr nervös und musste zuerst die Abstimmung mit meinen Mitspielerinnen finden. Doch dann klappte es wirklich sehr gut.» Zwinggi krönt ihre Leistung mit ihrem zweiten Länderspiel-Tor. Das 3:0 ist die Vorentscheidung im Spiel.

WM als grosses Ziel

Das Strahlen in den Augen der 22-Jährigen bei ihren Aussagen spricht Bände und übertüncht die Enttäuschung über die ursprüngliche Nicht-Nomination. Natürlich sei der Entscheid des Nationaltrainers für sie nicht einfach gewesen, aber das sei nun nicht mehr relevant, und sie schaue nach vorne.

Womit Zwinggi die WM vom Dezember meint. «Die Zeit bis dahin ist noch lang, dessen bin ich mir bewusst. Aber ich rechne mir durchaus Chancen auf eine Teilnahme aus», gibt sie sich zuversichtlich. Es wäre für sie der Höhepunkt in ihrer noch jungen Karriere. «An der WM teilzunehmen und dann gleich noch in meiner engeren Heimat, das wäre das Grösste für mich.» Und sie hofft, dass bei dieser Gelegenheit auch die Stimmung im Athletik Zentrum besser sein wird.

Hauptprobe für die WM: Im St. Galler Athletik Zentrum versuchen die Schweizerinnen, Stimmung zu machen. (Bild: Ralph Ribi)

Hauptprobe für die WM: Im St. Galler Athletik Zentrum versuchen die Schweizerinnen, Stimmung zu machen. (Bild: Ralph Ribi)